• flickr
  • twitter
  • facebook
  • delicious
  • Google Buzz

Campusbahn: Warum ich mit Nein gestimmt habe.

by Christian Scholz on March 9, 2013

8541568159_492ff7558b_h

Morgen also findet er statt, der Bürgerentscheid zur Campusbahn. Da ich unterwegs bin, habe ich schon per Briefwahl abgestimmt, will hier aber trotzdem noch meine Gründe für mein Nein darlegen. Zuvor will ich aber noch klarstellen, dass ich das Projekt an sich gut finde. Es ist ein innovativer Ansatz (und wäre es noch viel mehr mit der Schaufenster-Förderung gewesen), allein die Art und Weise, wie man an das Projekt herangeht und wie eher fanatisierend statt informierend unterwegs ist, hat mich schlussendlich zu meiner Gegenstimme veranlasst. Im folgenden meine Gründe im Detail.

Warum brauchen wir die Campusbahn?

Die erste Frage, die sich stellt ist: Warum eigentlich brauchen wir eine Straßenbahn in Aachen. So einfach die Frage, so interessant die Antwort, denn die änderte sich im Laufe des Campusbahn-Projekts mehrfach. Zunächst wurde nur eine Anbindung des neuen Campus Melaten geprüft. Dort hat man allerlei Verkehrssysteme untersucht und der “Gewinner” war die Campusbahn. Der damalige Plan: Anbindung des neuen Campus an den Bushof.

Bei der Präsentation des Campusbahn-Projekts schliesslich war es aber plötzlich der Schwerpunkt Scheibenstrasse und die Trasse hinaus nach Brand, die als Problem gekennzeichnet wurde. Weiterhin wurde in dieser Präsentation der doppelte Abijahrgang als Grund dafür genannt, dass man einen Mehrbedarf hätte. Vergessen hat man allerdings wohl, dass bis 2019 dies wohl keine grosse Rolle mehr spielt. Es verwundert daher nicht, dass dieses Argument später nicht mehr genannt wurde. 

Dafür wurde dann plötzlich der Emissionsschutz genannt, der angeblich schon bei den ersten Planungen eine wichtige Rolle gespielt habe. Meiner Erinnerung nach, wurde dies allerdings in den ersten Präsentationen mit keinem Wort erwähnt.

Weiterhin geht man bei Stadt und ASEAG von wachsenden Bevölkerungszahlen in Aachen aus. Wie sich das herleitet, dazu wollte man auch auf Nachfrage keine genaueren Quellen nennen. Man habe da etwas in Excel zusammengerechnet, wolle aber diese Berechnung nicht veröffentlichen. Gründe unbekannt.

Während dieses Hin und Her in der Argumentation nicht unbedingt heissen muss, dass die Campusbahn ein schlechtes Projekt ist, so ist sie doch etwas seltsam und auch eher unprofessionell. Das Problem Scheibenstrasse ist ja sicherlich nicht erst seit gestern bekannt und wenn man schon eine alternative Anbindungen des Campus prüft, warum dann nicht direkt nach Brand raus?

Insgesamt scheint es fast so, als würde man hier ein Problem für die gewünschte Lösung suchen und nicht umgekehrt. Dies hinterlässt aber ein eher ungutes Gefühl.

Warum fehlen Informationen? 

Um ein Projekt dieser Größenordnung vernünftig beurteilen zu können, bedarf es vielerlei Informationen. Und so hat man zu Beginn des Projekts auch viel Offenheit versprochen. Eingehalten jedoch wurde nur wenig. So hörte man in persönlichen Gesprächen mit Projektverantwortlichen immer wieder, dass man Rohzahlen lieber nicht veröffentlichen wolle, da es entweder der Gegner irgendwie missbrauchen könnten oder man aber Angst hat, den Bürger zu verwirren. Wieso aber wird eigentlich immer angenommen, dass der Bürger stockdumm ist? Auch bei S21 habe ich mir 20 Stunden der Schlichtung angesehen, habe mir alle Details angehört und hatte danach ein Gefühl für das Projekt. Zudem kann auf diese Weise ein Gegner ja beliebiges behaupten. Selbst als Befürworter kann man ohne Zahlen nur schlecht beweisen, dass er falsch liegt.  

Dazu noch ein paar Fragen:

  • Warum sind sowohl die vorläufige als auch die aktuelle standardisierte Bewertung nicht veröffentlicht? Und hat der Rat tatsächlich ohne diese Informationen entschieden?
  • Warum ist das komplette Gutachten der IHK nicht veröffentlicht? Warum ist nicht einmal die Zusammenfassung auf campusbahn.de zu finden? Wieso hat der Rat ohne diese Information entschieden?
  • Warum gibt es keine genauere Herleitung der finanziellen Aspekte? Diese 3 Seiten ist wirklich alles? Wie wurde der Schienenkilometer berechnet? Welche Städte hat man als Beispiel herangezogen? Was hat es dort gekostet? Wie sahen dort die Differenzen zwischen Planung und Realität aus? Und welches Risiko genau macht der Batteriebetrieb aus. Was man findet scheint alles nur so pi mal daumen zu sein. Das ist vielleicht auch ok, aber dann sollte man auch einen relativ grossen Spielraum einrechnen.
  • Warum hat die Stadt eigentlich keine eigene Risikoanalyse erstellt? Und warum wurde der Finanzplan nach Veröffentlichung des IHK-Gutachtens nicht angepasst? Sollte dort nicht zumindest die schlechteste Variante ebenfalls beschrieben sein?
  • Warum gibt es keine Links zu den relevanten Teilen der Niederschriften des Mobilitätsausschusses und sonstigen Informationen? Eine zentrale Informationssammlung ist meines Erachtens zwingend notwendig.

Und das ist nur ein kleiner Auszug meiner Fragen. Generell scheint mir, dass man den Verantworlichen alle Informationen einzeln aus der Nase ziehen muss und auch dann der Erfolg eher ausbleibt. Hier muss man langsam mal lernen, dass es gut wäre, proaktiv und umfassend zu informieren und vor allem den Bürger nicht für unmündig zu erklären.

Was insgesamt für mich daraus folgt ist wieder ein Gefühl mangelnder Professionalität. Ich will genau wissen, wie Zahlen berechnet wurden, will sie selbst nachrechnen können. Ich will zudem sicher sein, dass auch Transparenz herrscht, wenn mal etwas schief läuft. Wenn schon jetzt, wo vielleicht noch alles gut ist, so schlecht informiert wird, wie sieht es dann erst aus, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert?

Finanzierung?

Bei der Finanzierung ist es dasselbe. Wie es eigentlich finanziert werden soll, wurde eigentlich nie diskutiert, bis auf einmal der Fond der deutschen Einheit aus dem Hut gezaubert wurde. Hat man sich zu Beginn keine Gedanken dazu gemacht? Aber selbst ohne diesen sei es aus dem Haushalt zu finanzieren. Allein, wo man denn dann genau einsparen würde, das sagt keiner. Wieso nicht? Man kann doch durchaus mal darlegen, wo man heute einsparen würde, wenn es heute eine Campusbahn gäbe. Dann kann man zumindest mal abwägen.

Alternativen?

Wo genau sind die Alternativen? Es wurden diese zwar für die Anbindung Campus-Bushof geprüft, für den Bereich nach Brand allerdings nicht. Was also ist der Plan B, wenn es nicht klappt? Wieso diese Versteifung auf eine Möglichkeit? Das ist ein Problem, was schon bei S21 auftrat, auch dort wäre ggf. ein K21 besser gewesen, ist aber inzwischen unrealistisch, da man es von Anfang an nicht parallel geprüft hat. Großprojekte ohne Prüfung der Alternativen sollten meiner Meinung nach eh nicht genehmigt werden.

Propaganda

Der letzte Grund für mein Nein ist die aktuell vorherrschende Propaganda. Die Plakate sind zwar schon problematisch genug, aber was im Netz z.B. mit dem Quiz oder campusbahn-Account auf Facebook abgeht, ist eher unterirdisch. Man hat das Gefühl, dass da Fanatiker am Werk sind, die zudem nicht einmal sagen, wer sie sind (Social-Media-Transparenz hat wohl dort noch nie jemand gehört). Beispiel:

Ohne Impulse wie die Bahn, so die Gegenthese, wird es in Aachen keine Wachstum geben, auch keine Stagnation, sondern Rückgang. Dann beginnt genau der Teufelskreis, der der Grund dafür ist, dass heute viele Städte sich nicht mehr finanzieren können

Hallo? Es geht nur um eine Straßenbahn.

Auch zu den fehlenden Alternativen hat man das ollste Totschlagargument der Welt parat:

Eine Frage. Hat irgendjemand von den Gegner einmal einen Alternativvorschlag gehört?

Wieso ist dies Aufgabe der Gegner? Es ist Aufgabe der Stadt, die beste Lösung zu finden und sich nicht vorzeitig auf eine festzulegen. Nur weil es keinen Gegenvorschlag gibt, heisst zudem nicht automatisch, dass es ein super Projekt ist.

Der hier vorherrschende Fanatismus hinterlässt daher für mich ebenfalls ein eher schlechtes Gefühl und ist vor allem auch höchst unprofessionell. Ich will, dass dieses Projekt von vernünftigen Menschen (die auch sagen, wer sie sind) durchgeführt wird und nicht von irgendwelchen Fanatikern ohne Namen. Vom Betreiber des Informationsportals erwarte ich Neutralität und keine Missionierung. Das ist ausserdem umso problematischer, da man nicht weiss, wer dort eigentlich genau postet. Transparenz also auch hier (und auch auf der Homepage selbst) wieder Fehlanzeige.

Fazit

Das Projekt von einer technischen Sicht ist wahrscheinlich gut (auch hier fehlen viele Informationen), bei der Durchführung habe ich aber aufgrund der vorherrschenden Intransparenz, einer fehlenden Risikoanalyse von Seiten der Stadt und wechselnden Argumentation meine Zweifel. Auch die fehlende Prüfung von Alternativen für den Bereich nach Brand raus ist mir ein Dorn im Auge. Vor allem im Hinblick darauf, dass es mit dem Campus (was ich so höre) eher schleppend läuft, wäre es ja vielleicht auch eine Möglichkeit, zunächst Brand-Bushof zu bauen.

Mein Fazit also: Weniger Fanatismus und mehr Offenheit wäre gut gewesen und ich hätte vermutlich zugestimmt. So aber bleibt mir nur das Nein.

14 comments

Deinen Optimismus, was die technische Innovation angeht in allen Ehren, aber an der RWTH wird fieberhaft an einer serienreifen Brennstoffzelle gearbeitet (es sind sogar eine Zeit lang Aachener Busse mit Prototypen der Aachener Brennstoffzelle betrieben worden). Das ist zukunftsweisende Technik.
Die Straßenbahn in meiner Heimatstadt Plauen existiert seit 1894 und wurde von Anfang an elektrisch betrieben. Dass man die Campusbahn innerstädtisch mit Batterien betreiben möchte, ist ein Schein von Innovation und überdies, wie viele Umweltfanatiker meinen, leider so gar nicht umweltfreundlich. Allein die Herstellung einer Hochleistungs – Lithiumbatterie rechtfertigt niemals die Einsparung konventioneller Energiequellen. Hinzu kommen die problematischen Abfallprodukte. Lithium ist ein sehr reaktives Metall, dessen Reagenzien allemal hochgiftig sind. Ich glaube nicht, dass man sich darüber, weder Stadt noch die Betreiber der Bahn, Gedanken in dieser Tragweite gemacht hat, wohl aber, und das finde ich genauso propagandistisch wie Du, es den Bürgern im Sinne des blinden Ökohypes mit einer überteuren Werbekampagne als ökologisch und zukunftsorientiert verkauft hat.

by Stephan on 9.3.2013 at 21:05. #

Du bist ein Transparenzfanatiker.

Grundsätzlich bin ich auch für eine umfassende Information der Bürger durch die öffentliche Verwaltung. Ich versuche aber, mir mal vorzustellen, ich wäre Mitarbeiter der Verwaltung, z. B. der Bauverwaltung. Es sind mehrere Bauprojekte zu betreuen, das Telefon klingelt ständig, E-Mails sind zu bearbeiten, Baustellen zu überwachen. Am Horizont zeichnet sich das Projekt “Campusbahn” ab, welches neben den laufenden Bauvorhaben vorzubreiten ist. Ständig kommen Anfragen, z. T. so datailliert, dass sie erst nach abgeschlossenem Planfeststellungsverfahren seriös beantwortet werden können. Und die Anfrager fragen nicht nur, sie fordern: „Ich will genau wissen, wie Zahlen berechnet wurden, will sie selbst nachrechnen können. Ich will zudem sicher sein, dass auch Transparenz herrscht, wenn mal etwas schief läuft. Wenn schon jetzt, wo vielleicht noch alles gut ist, so schlecht informiert wird, wie sieht es dann erst aus, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert?“ Ich würde mich erst mal um die laufenden Projekte kümmern, denn das wäre meine geschuldete Arbeitsleistung. Die Bereitstellung von Zahlen zur Information der Bürger gehörte eher nicht dazu.

Es ist sicher so, dass die öffentliche Vewaltung nicht auf neue Herausforderungen durch verstärkte Bürgerbeteiligung vorbereitet ist und hier viel verbessert werden muss. Zudem dauern Änderungsprozesse in der Verwaltung sehr lange. Es ist aber auch so, dass in der öffentlichen Verwaltung Menschen arbeiten, die zunächst mal ihren Job machen. Dieser ist das tägliche Verwaltungsgeschäft und nicht die Öffentlichkeitsinformation. Für die Schaffung maximaler Transparenz müssten neue Planstellen geschaffen werden oder neue Techniken bereitgestellt werden. Das dauert.

Ich finde es gut, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, das Handeln der Verwaltung in der Vorbereitung des Bürgerentscheids zu analysieren und die Defizite zu benennen. Du scheinst auch jemand zu sein, der nicht nur fordert, sondern auch bereit ist, zu geben. Nur dieses absolute Anspruchsdenken („Ich will genau wissen …“) kann ich nicht teilen. Die meisten Vorhaben der öffentlichen Verwaltung werden ohne oder mit kleiner Bürgerbeteiligung durchgeführt – ohne dass alle scheitern würden. Es ist gut, wenn Bürger mitentscheiden, aber wenn statt 74 Ratsmitgliedern 190.000 Bürger diskutieren und sich schließlich gegenseitig des Fanatismus bezichtigen, ist auch nichts gewonnen.

Dann bleibt nur das Fazit: Die Bürger können es auch nicht besser als ihre Vertreter.

by Gerhard Bahr on 9.3.2013 at 21:28. #

Ich sage nicht, dass sie durch Intransparenz scheitern, ich sage nur, dass ich mir keine Meinung bilden kann und ich daher aus Sicherheit mit Nein stimme. Und natürlich braucht man zumindest neue Prozesse für mehr Transparenz, aber da wäre die Politik gefordert. Die aber erklärt nur, dass alles schon super sei.

Ansonsten existiert ja eine standardisierte Bewertung. Die könnte man ohne grossen Aufwand veröffentlichen. Tut man aber nicht. Es geht da auch nicht um eine Überbelastung, sondern hat Angst, dass der Bürger verwirrt sein könnte. Ähnliches habe ich von der ASEAG gehört.

Ausserdem verstehe ich auch nicht, warum es schlimm sein soll, dass ich mich genau informieren will, bevor ich entscheiden. Sollte das nicht meine Pflicht sein?

by Christian Scholz on 9.3.2013 at 22:17. #

Soweit kann ich Dein Nein nachvollziehen. Die Schwelle, ab der der persönliche Informationsstand als ausreichend empfunden wird, ist individuell verschieden. Ich sehe nur das Problem, dass eine Position, welche eine individuell unterschiedliche Erwartung an die Informationspflichten der Stadtverwaltung, der aufgrund objektiv bestehender Hindernisse nicht entsprochen werden kann, zur Entscheidungsvoraussetzung macht, jeden Bürgerentscheid scheitern ließe.

Für die Durchführung des Bürgerentscheids müsste ein standardisiertes Verfahren entwickelt werden, indem z. B. festgelegt wird, welche Informationen vor der Abstimmung zur Verfügung gestellt werden müssen und wie die Bürger am Meinungsbildungsprozess zu beteiligen sind. Bislang enthält die Satzung der Stadt Aachen über die Regelung des Verfahrens bei der Durchführung von Einwohneranträgen, Bürgerbegehren, Bürgerentscheiden und Ratsbürgerentscheiden an inhaltlichen Anforderungen an die Information der Öffentlichkeit lediglich die Verpflichtung, ein Abstimmungsheft, welches im Umfang dezidiert beschränkt ist, herauszugeben. Eine Normierung könnte zu mehr Sachlichkeit in der Diskussion beitragen, und sie könnte durchaus auch weitergehende Beschränkungen auferlegen, so dass z. B. die Stadt oder andere institutionelle Teilnehmer im Meinungsbildungsprozess ihre materielle Überlegenheit nicht so ausschöpfen können, wie es in der aktuellen Diskussion oft kritisiert worden ist. Im Prinzip müsste für jedes erfolgreich initiierte Bürgerbegehren und jeden Ratsbürgerentscheid ein allgemein zugängliches, öffentliches Forum bereitgestellt werden, welches die maßgeblichen Informationen vorhält und eine Diskussion zwischen allen Teilnehmern ermöglicht.

Die Standardisierte Bewertung wurde erst Ende September 2012 in Auftrag gegeben. Liegt diese tatsächlich schon vor? Im Rat wurde sie noch nicht erörtert.

by Gerhard Bahr on 10.3.2013 at 01:17. #

“ich sage nur, dass ich mir keine Meinung bilden kann und ich daher aus Sicherheit mit Nein stimme.”
Ein exemplarisches Beispiel konservativen Denkens dass auf der Fehlannahme beruht, der Status-Quo ließe sich linear in die Zukunft extrapolieren wenn nur möglichst jede Verhaltensänderung vermieden wird.
Stimmt allerdings nur unter der Annahme konstanter Randbedingungen und eines stationären Zustandes der Welt, also gar nicht. Nie. Schade. Sicher gut gemeint aber.. FAiL™.

by eMPee584 on 17.3.2013 at 06:17. #

Was hat das mit Status Quo zu tun? Ich will meine Entscheidung doch nur auf Fakten aufbauen und nicht auf Wunschdenken. Ich bin der erste, der für innovative Dinge zu haben ist, aber die muss man sich halt auch leisten können. Sonst ist das Wunschdenken.

by Christian Scholz on 17.3.2013 at 06:35. #

Dieses Verwaltungsgeschäft ist Öffentlichkeitsarbeit, weil die für Dich so lästige Öffentlichkeit, der Finanzier von jeglichen städtischen Unternehmungen ist und ganz nebenbei auch den ach so armen und überarbeiteten Verwaltungsangestellten finanziert. Das ist ja wohl ein Systemproblem, dass für nichts mehr in dieser Welt Zeit zum rationalen Überlegen und Abwegen vorhanden ist, dafür aber für umso mehr Geld für Hopplahopp – Projekte, deren Nützlichkeit für die Geldgeber, nämlich wir Bürger eher zweifelhaft einzustufen ist.

by Stephan on 10.3.2013 at 13:07. #

Wird der Gedanke weitergeführt, wird sich die Erkenntnis einstellen, dass der abstimmungsberechtigte Bürger nur einen sehr kleinen Teil zum Steueraufkommen der Stadt Aachen beiträgt. Entsprechend gering wären dessen Rechte an der Teilhabe des Verwaltungshandelns. Alle Steuerbürger in toto sind wiederum sehr viele Individuen mit durchaus unterschiedlichen Vorstellungen von der Teilhabe am Verwaltungshandeln.

Die einfache Forderung „ich zahle, die haben zu liefern“ bildet weder die komplexen Geldkreisläufe in einer Volkswirtschaft ab (was wäre z. B. mit städtischen Angestellten, Wohngeldempfängern, steuerlich nicht Veranlagten?), noch trägt sie zu einer Fortentwicklung der Partizipationsmöglichkeiten des Einzelnen bei. Welcher Handlungsauftrag ist denn mit der Steuerzahlung verbunden? Was soll die Verwaltung für Dein Geld liefern? Ich halte dieses Dienstleistungsverständnis für inadäquat, denn Ziel sollte es doch sein, dass sich Bürger in die politischen Prozesse einbringen und sich nicht auf die Entscheidung „gute Werbung: kaufe ich/schlechte Werbung: kaufe ich nicht“ beschränken.

Solange es für die Verwaltung keine Regeln für die Information der Öffentlichkeit gibt, kann der Verwaltung nicht begründet angelastet werden, dass die Öffentlichkeit fehlerhaft oder unzureichend informiert worden wäre. Die Kritik sollte sich also nicht an die Verwaltung, sondern an den Satzungsgeber, den Stadtrat, richten.

by Gerhard Bahr on 10.3.2013 at 14:30. #

Es sagt auch keiner, dass die Veröffentlichung der Informationen Pflicht der jeweiligen Behörde ist. Dafür gibt es eine Abteilung PR und Öffentlichkeitsarbeit. Die war im Zusammenhang mit der Campusbahn aber mit einer Art von Propaganda beschäftigt, die mit dem öffentlich machen von relevanten und geforderten Informationen wenig zu tun hatte.
Die Verwaltung heisst so, weil sie UNSER Geld verwaltet. Ich möchte dann bei solchen Summen schon wissen, was damit geschieht! Das hat meines Erachtens nichts mit Fanatismus zu tun.

by Verena on 10.3.2013 at 13:14. #

Hallo Christian,
sehr gut geschriebener Artikel! Zu 90% deckt der genau meine Vorbehalte gegen das Projekt.
Ich erinnere mich auch an Punkte wie “doppelter Abijahrgang” und in Schubladen verschwundene Busroutenplanungen – auch wenn andere Leute wie Michael Servos (siehe Tweets) sowas gerne als nie behauptet darstellt.

Ein wichtiger Punkt für mich war auch die Deadline: 2019, da dann das Geld des GVFG ausläuft.
Aha, ein Topf, mit dem große (nötige) Infrastrukturmaßnahmen von armen Kommunen bezuschußt werden läuft dann aus – ersatzlos?!
Beim SKG Treffen der SPD wurde dann gesagt “jaaa, da wird sicher was nachkommen, aber was und wann ist unklar”.
Wenn diese Deadline weg gewesen wäre, hätte man vieles anders angehen können: Ideen hören, prüfen, Zahlen veröffentlichen (da die Verwaltungsmitarbeiter ja dann mehr Zeit haben) und auch weitere Finanzierungen wie z.B. Zuschüsse von Lindt (ob die noch nen Parkplatz bauen für 1 Mio. oder die der Infrastruktur (Bus/Bahn) geben).
Aber aufgrund der Deadline 2013 und dem damit *extrem* schnellen Zeitplan war das alles nicht möglich.
Daher auch mein “Nein” zur Campusbahn.

by Udo Pütz on 11.3.2013 at 02:28. #

[...] Gründe für “Nein-Stimmen” hat im Übrigen Twitteruser “mrtopf” in seinem Blog erläutert. Schöner Bericht. Gefällt mir:Gefällt mir Lade…   Hinterlasse einen [...]

by Campusbahn – Wieso man das “Nein” nicht als Ende der Modernisierung sehen sollte | Evas Bücherkiste on 11.3.2013 at 02:46. #

Vor über einem Jahr hat Gisela Nacken gesagt, dass es keinen Plan B gebe und auch keiner geplant sei. Bei der gleichen Gelegenheit erklärte sie die mangelnde Transparenz mit Gründen der Geheimhaltung, weil sonst womöglich jemand den “Plan” kopieren könne. Die Ideale daraus, Alternativlosigkeit und Intransparenz, sind ausserhalb einer einseitigen Propagandastruktur schwer zu vermitteln.

by Bertram Eckert on 11.3.2013 at 18:01. #

Als “Außenstehender”, da nicht wahlberechtigt (wohne in einer der vom ÖPNV, Euregiobahn usw.. vernachlässigten Städte um Aachen herum), war ich grundsätzlich zweigeteilt, ähnlich wie der Verfasser des Artikels.

In meinen Augen sind massive Fehler in der PR-Arbeit für dieses Projekt gemacht worden.
Bei einem Projekt für ≈ 250 Mio. Euro kann man sich auch 2 PR-Fachleute oder eine PR-Agentur leisten, die einen befristeten Vertrag für 1-2 Jahre erhält (erhalten). Das sind dann “Peanuts”.

Mich hat von Anfang an der Name gestört. Warum heisst das Ding Campusbahn? Was hat der “gemeine Öcher” mit dem Campus zu tun? Als Ex-Öcher (habe lange in der City und Burtscheid gewohnt) fühlte ich mich auch nicht angesprochen.

So ein Ding braucht alleine schon aus PR-Gründen einen Namen, mit denen ein Aachener etwas anfangen kann.
Nennt das Ding doch einfach “Öcher Tram” und schon fühlen sich deutlich mehr Bürger “angesprochen”. Für mich klang das “auf den ersten Blick” immer so, dass die Campusbahn nur für Campus Melaten usw. gebaut würde. Was interessiert das den Haarener, Eilendorfer, etc..

Thema Streckenführung:
In meinen Augen hätte man von vorne herein eine Anbindung über den Elisenbrunnen führen müssen, gleichzeitig hätte man die Peterstraße ab Bushof auch für den Autoverkehr gesperrt und dies bis zur Kreuzung Kapuzinergraben/Franzstraße durchgezogen.
Wenn die Innenstadt entlastet werden soll, dann nicht mit einer Bahn von Brand nach Melaten. Mir fehlte auch der “Stern”, also lieber mehrere kurze Verbindungen die am Bushof zusammentreffen, als eine lange Strecke zwischen zwei Randbezirken der Stadt.
Mal grob umrissen, eine Streckenführung, die ich mir (als ich noch auf der Peterstr. gewohnt habe) gewünscht hätte:
• Sportpark Soers -> Bushof (P&R am Tivoli-Parkhaus), somit auch für die knapp 1.200 Beschäftigten des Finanzamtes interessant und auch für viele Pendler aus Würselen und anderen Städten der Umgebung, die sich morgens an der Bastei vorbei quetschen.
• Prager/Berliner Ring über Jülicher Str. -> Bushof (P&R am Berliner Ring möglich)
• Roermonder Str. -> Bushof (an der RWTH, Templergraben vorbei)
• “Ringbahn” für den inneren Ring (Templer-, Karlsgraben, usw.., Elisenbrunnen, Bushof, Seilgraben, usw..)

In meinen Augen ist eine Straßenbahn dort sinnvoll und man kann dieses Streckennetz dann Schritt für Schritt nach Aussen ausdehnen (Klinikum), usw..

Thema Antriebstechnik:
Wie schon in einer Antwort hier zu lesen ist, ist das Konzept “Oberleitungen und teilweise Batteriebetrieb” ökologisch nicht so “spannend”, wie es scheint (Batteriebetrieb und teilweise Oberleitungen wäre noch “spannend” gewesen).
Das man dann noch versucht die Stromleitungen zu rechtfertigen, indem man hässliche Klötze aufstellt, an denen man sein Elektroauto aufladen kann, fand ich nur noch witzig.
Warum wird die “Exzellenz-Uni” Aachen da nicht ins Spiel gebracht und man setzt auf Wasserstoff (wie mein Vorredner bereits sagte)? Wo bleibt die Idee, so etwas gemeinsam mit Bombardier zu entwickeln und umzusetzen (und gleichzeitig damit Bombardier die geplante Werksschließung auszureden)?
Wo bleiben die intelligenten P&R-Konzepte für die ganzen Pendler? Man bietet den Fahrern von Elektrofahrzeugen (zumindest für einige Jahre) an, ihre Fahrzeuge kostenlos auf dem P&R Parkplatz aufzuladen oder kombiniert das mit diesen Stadtteilautos. Die Wagen stehen dann ca. 8h pro Tag “dumm rum”, könnten also effizient genutzt werden.

Thema Projektkosten:
Ich kann bis heute die Kosten nicht nachvollziehen. Warum ist es so teuer, ein paar Kilometer Schiene zu verlegen? Warum muss ein neuer Betriebshof gebaut werden? Warum nicht den von der ASEAG (Berliner Ring) nutzen/erweitern?
Weiterhin: Wie bei Projekten der öffentlichen Hand leider immer der Fall, kann man davon ausgehen, dass die geplanten Kosten um ca. 80-100% überschritten werden. Heute kalkulierte Kosten für ein Projekt der öffentlichen Hand, dass in 6-7 Jahren fertig sein soll, muss man mit dem Faktor 1.5-2 multiplizieren, dann passt das “Pi mal Daumen”. Also sollte man eher von ca. 400 Mio. Euro Gesamtkosten ausgehen. Und das in einer Stadt, deren Kämmerin glaubt, ein Abriss des Tivoli käme die Stadt billiger, als für ein paar Jahre auf max. 1 Mio. Euro pro Jahr an Mieteinnahmen zu verzichten?

Leider hat der Stadtrat/die Stadtverwaltung ziemlich amateurhaft agiert. Dagegen waren die Äußerungen von OB Linden zum Bauhaus Europa ja quasi “visionär” (und trotzdem schlecht ;) ).

by Sven C. Merckens on 12.3.2013 at 02:03. #

http://www.youtube.com/watch?v=PeOUY7rwin0

Vielleicht gibt dieses Video antworten.

Oder:
http://de.wikipedia.org/wiki/Tram-Train
Ein Straßenbahnsystem, dass auf Bahnstrecken weiter fährt und die Euregio- Bahn ablöst.

Und Fahren ohne Oberleitung ist heute auch ohne Baterie möglich, siehe Video.

by Felix Staratschek on 13.3.2013 at 19:58. #