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Die Campusbahn Aachen

by Christian Scholz on January 12, 2012

Plan_Liniennetz_02

Im Jahre 2020 Aachen ohne Dieselbusse? Wenn es nach den Planern der Stadtbahn, soll dies mit eben dieser Bahn Wirklichkeit werden. Aber nur, wenn wir uns beeilen, denn die Fördergelder laufen aus.

So ungefähr die Kurzfassung der gestrigen Vorstellung des Projekts “Campusbahn” im Aachener Rathaus, was damit sozusagen auch der Startschuss der Diskussion war.

Im folgenden versuche ich daher mal den Vortrag von Adolf Müller-Hellmann vom Förderkreis des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen zusammenzufassen, da er leider zunächst mit Design und auslaufenden Fördermitteln begann, anstatt zunächst einmal zu sagen, warum man denn eigentlich eine Stadtbahn braucht.

Das Problem

Das Hauptproblem ist laut Müller-Hellmann und ASEAG-Chef Michael Carmincke, dass das Bussystem in Aachen an seine Grenzen kommt, vor allem auf der Hauptverkehrstrasse Trierer Strasse/Adalbertsteinweg. So würden dort im Moment 30.000 Fahrgäste pro Tag und Richtung verkehren, bis zum Jahr 2020 soll dies aber auf 38.200 ansteigen aufgrund von steigenden Einwohnerzahlen und Studierenden.

Hier aber kommt das Bussystem an seine Grenzen, wie Carmincke anhand einer Grafik versucht hat, zu verdeutlichen. Ein Bus hat eben nur eine begrenzte Anzahl an Sitzplätzen und kann nicht einfach bei Bedarf verlängert werden. Die einzige Alternative wäre eine noch engere Taktung als die 3-5 Minuten, die es heute sind. Dann aber müsse man auch die Personalkosten einrechnen.

Multi-Modalität

Wenn man nicht mehr nur PKW fährt, sondern eher flexibel ist, man also mal Bus, mal Fahrrad nutzt und auch mal ein Auto leiht und das mit fliessenden Übergängen, dann nennt man das Multimodalität. Und gerade bei den Studieren sähen wir, dass diese nicht mehr so auf das Auto fokussiert seien, sondern durchaus auch mal wechselten. Diesen Trend müsse man im Auge behalten und das Ziel muss deswegen laut AVV-Chef Hans-Joachim Sistenich sein, ein durchgängiges Mobilitätkonzept zu entwickeln, bei dem Bus, Stadtbahn, Auto, Fahrrad und Bahn sinnvoll miteinander verknüpft werden.

Herr Sistenich skizzierte dazu eine Zukunftsvision an die Wand, die ein integriertes Ticketsystem vorsah, wo man sich schon im ÖPNV zum Parkplatz über sein Ticket ein geladenes Elektroauto reservieren konnte. Alle Teile sollen also ineindergreifen.

Die Lösung also: Campusbahn

Ergo braucht man eine Alternative zum jetzigen System und diese sei die genannte Campusbahn. Müller-Hellmann und Kollegen nannten vielerlei Gründe für solch eine Bahn:

  • Moderne Stadtbahnen sind flexibel, sie können von der Kapazität her sowohl in Richtung Strassenbahn als auch Richtung U-Bahn hin angepasst werden. Daher Lösung des Kapazitätsproblems. Wo der Bus pro Stunde und Richtung nur 1000-2000 Menschen befördern kann, sind bei der Campusbahn bis zu 5000 Menschen geplant.
  • Moderne Stadtbahnen sehen gut aus. Er zeigt diverse Beispiele aus Frankreich, die seit 1980 wohl ca. 25 neue Bahnen gebaut haben. Deren Motto sei “Design oder nicht sein” und das soll auch in Aachen das Ziel sein.
  • Lösung des Multimodalitätsproblems durch Innovationen in Elektromobilität, Speichertechnologien usw. (dazu unten mehr).
  • Fördermöglichkeiten im Bereich Elektromobilität
  • Fördermöglichkeiten per Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG), das aber Ende 2019 ausläuft
  • Image-Gewinn für Stadt und RWTH

Die Planung sieht dabei zunächst eine Strecke zwischen dem neuen Campus und Brand vor, eine zweite Strecke kann diese dann in Zukunft kreuzen.

Innovationen

In Aachen soll aber nicht nur einfach eine Bahn gebaut werden. Es sollen zudem ganz viele Innovationen, die teilweise weltweit einmalig wären, umgesetzt werden:

  • Elektrobusse könnten die Oberleitungen mit benutzen, aber auch z.B. in Wohngebiete ausscheren, und dort per Batterie fahren, um später dann wieder auf die Oberleitungstrasse zurückzukommen.
  • Innerstädtisch (Die Grenzen wären Aachen West und Kaiserplatz) soll die Bahn oberleitungsfrei, also per Batterie fahren. Das Stadtbild bleibt also von Masten verschont.

Wichtiger aber noch sind die sogenannten Unterwerke. Diese sind nötig, um den Drehstrom der STAWAG in die für die Stadtbahn benötigte Gleichspannung von 900V umzuwandeln. Genauer gesagt sind im Verlauf der Strecke wohl 7 solcher Unterwerke notwendig.

Die Idee ist aber nun, diese Unterwerke nicht nur für die Bahn zu nutzen, sondern diese auch im Kontext von Elektromobilität zu verwenden. Dazu werden diese auf Parkplätzen gebaut und es werden zudem noch Ladestationen für Pedelecs, Elektroautos, aber auch Elektrobusse angebaut. Der Vorteil wäre also ein großer Schub für das Thema Elektromobilität in Aachen.

In Zusammenhang dazu wurde auch eine Batterientauschanlage für Busse gezeigt, die in nur 4 Minuten (neuerdings wohl auch 2 Minuten) die 1 Tonne wiegenden Batterien eines Elektrobusses austauschen kann. Auch dies soll dann wohl bei den Unterwerken auf dem Parkplatz passieren. Die Größe eines solchen Werkes sei im übrigen Containergröße, erklärte Müller-Hellmann.

Kosten

Das Wichtigste fehlt natürlich noch: Die Kosten. Hier wurde leider nicht so wirklich ins Detail gegangen und das Thema auch eher flott behandelt. Man sah kurz eine Liste von Zahlen, die aber schnell wieder verschwand. Laut den vorliegenden Berechnungen ergäbe sich aber wohl für Aachen ein jährlicher Finanzbedarf von 4-6,5 Mio. Euro.

Was genau jetzt wie gerechnet wurde, erfuhr man leider nicht. Wie später aus Ratskreisen zu vernehmen war, habe man aber durchaus konservativ gerechnet und z.B. für das Depot, wenn ich mich recht erinnere, nicht nur 9 Mio. veranschlagt, was wohl realistisch wäre, sondern 25 Mio. Diese Berechnungen und wie viel Puffer man nun wirklich eingerechnet hat, sollte daher unbedingt noch veröffentlicht werden.

Vieles kann dabei durch Fördermittel finanziert werden, aber nur, wenn man schnell genug ist. So läuft die Förderung durch das GVGF ja 2019 aus, d.h. die Projekt müssen bis dahin auch fertig werden.

Einen weiteren Topf von 180 Mio EUR für 3-5 Projekte gibt es im Bereich Elektromobilität vom Bund mit einer Laufzeit von 3 Jahren und Beginn wahrscheinlich 2013. 3 Projekt sind allerdings schon vergeben, eines soll laut dem Land NRW aber die Campusbahn werden, da es exemplarisch für die Welt sei. Einsendeschluss ist Montag 23:59 und man sei daher fleissig dabei, den Antrag zu schreiben, da alle Bedingungen wohl erfüllt sind.

Alternativen? Zeitdruck?

Während sich das Projekt durchaus interessant anhört und gut aussieht, stellt sich dennoch die Frage, welche Alternativen man denn untersucht hat. Oder war schon vorneweg klar: Wir wollen eine Stadtbahn und schauen uns auch gar nichts anderes mehr an?

Ist also die Stadtbahn – wie so vieles dieser Tage – alternativlos? Hinzu kommt, dass ja durchaus Zeitdruck herrscht. Der OB will eine Entscheidung nach den Sommerferien und die Entscheidung, ob man eine detaillierte Umsetzungsanalyse in Auftrag gibt und einen Antrag für das GVFG stellt, muss schon im Februar erfolgen. Nicht zu vergessen ist, dass das Projekt bis Ende 2019 fertig sein muss, will man die GVFG-Förderung erhalten.

Hier hätte man also durchaus auch früher an die Öffentlichkeit gehen können, selbst wenn noch nicht alle Informationen beisammen sind. Hier sollte sich Politik auf lange Sicht ändern und nicht nur fertig durchgestylte Projekte mit PR-Begleitung vorstellen. Der Bürger sollte schon mit Ideenfindung eingebunden werden.

Partnerschaft mit dem Bürger

Apropos Bürger. Laut OB wird das Projekt “Campusbahn” durchaus als Partnerschaft mit dem Bürger gesehen. Die Bürger Aachens sollen Lust auf das Projekt bekommen, sie sollen dahinterstehen. Daher hat man sich grosse Transparenz auf die Fahne geschrieben und deswegen auch die Website www.campusbahn.de eingerichtet, wo angeblich alle Informationen zu finden sein sollen.

Dem ist allerdings bei weitem noch nicht so. Zur Finanzierung stehen z.B. nur ein paar Zahlen dort, ohne weitere Erklärung, wie die sich herleiten und von welchen Annahmen man ausgegangen ist. Beim Konzept sieht es ähnlich aus und auch die bei der Vorstellung gezeigten Präsentationen sind leider nicht online.

Information noch eher mau

Hier also muss nachgebessert werden, will man die Bürger wirklich hinter dem Konzept versammeln. Hier sollte man sich auch nicht scheuen, ruhig mal die getätigten Gutachten und auch technischen Unterlagen sowie die standardisierte Bewertung zu veröffentlichen. Ich persönlich hätte lieber unaufbereitete Informationen, eine einfachere Aufbereitung/Zusammenfassung kann man ja optional auch noch anbieten.

Spontan fallen mir die folgenden Dinge ein, die mich interessieren:

  • Durchsatz Busverkehr heute in detaillierten Zahlen im relevanten Bereich.
  • Prognose der Beförderungszahlen für 2020 und deren Herleitung.
  • Herleitung der Erhöhung der Bevölkerung und Studentenzahlen.
  • Wie kam es zur Festlegung der Einstiegsstrecke?
  • Viel mehr Details zu den Unterwerken. Wieso braucht man 7? Wo können die stehen? Was leisten diese?
  • Prognose der Entwicklung der Elektromobilität in Aachen.
  • Alles zur Finanzierung: Was genau muss bezahlt werden, wie hoch schätzt man die Kosten ein und warum? Wie konservativ hat man gerechnet? Wieviel Luft ist drin im Plan?
  • Was passiert, wenn man nicht bis 2019 fertig wird? Was passiert, wenn das Geld ausgeht? Welche Förderungen sind sicher, welche nicht, wann genau weiss man dies?
  • Kann Aachen das auf Dauer stemmen?
  • Welche Fahrzeuge sollen genutzt werden? Welche Möglichkeiten gibt es?
  • Wieviele Elektrobusse sollen eingesetzt werden in welchem Zeitrahmen?
  • Wird der Bürger irgendwie irgendwo beteiligt?

Ich gehe davon aus, dass viele der Informationen den Projektbeteiligten vorliegen. Von daher könnte, nein sollte, man sie auch veröffentlichen. Denn gerade im Bereich Finanzen ist Aachen mit Tivoli und Co. ein gebranntes Kind. Wenn man die Bürger wirklich hinter sich versammeln will, dann muss hier absolute Klarheit herrschen!

44 comments

[...] Eine Zusammenfassung der Ratsinformation bei mrtopf [...]

by Michael Servos | Campusbahn für Aachen? – Öcher fahren (Nord-)öcher Bahnen! on 13.1.2012 at 09:34. #

Hallo mrtopf,

in der Tat war die Sitzung nicht der erste öffentliche Termin zur Campusbahn. Das einzige, was wirklich neu war, sind die Zahlen. Das Konzept wurde schon im Dezember als Ratsinfo vorgestellt.
Wesentlich wichtigere Fragen (Trasse, Verkehrsmittel usw.) wurden schon im Mobilitätsausschuss in den vergangenen beiden Jahren öffentlich diskutiert und standen auch oft in der Zeitung…
(https://ratsinfo.aachen.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=6959)

Aber im wesentlichen hast Du Recht: Wir müssen mehr Daten haben, um fundiert diskutieren zu können. Ich denke, da kommt noch einiges…

Viele Grüße

Michael

by Michael Servos on 13.1.2012 at 09:46. #

Sowas muss bei solchen Projekten halt mal gesammelt irgendwo stehen. Das Ratsinformationssystem verdient ja leider seinen Namen nicht wirklich ;-) Und selbst jetzt könnte die Webseite ja auf eben diese Dokumente und Zeitungsartikel verlinken.

by Christian Scholz on 13.1.2012 at 10:38. #

Bei der Frage nach leistungsfähigem Nahverkehr gibt es in der Tat sehr wenige Alternativen – die Straßenbahn hat gegenüber exotischeren Massenverkehrsmitteln insbesondere den Vorteil, dass es ausgereifte Technik “von der Stange” zu kaufen gibt. Außerdem ist der Fahrweg im Vergleich zu U-Bahnen einerseits und Einschienen- und Hängebahnen andererseits vergleichsweise günstig. Bei den Betriebskosten gibt es daher die Faustregel, dass eine Straßenbahn wirtschaftlicher als Busse ist, sobald eine Strecke mit Gelenkbussen im 10-Minuten-Takt bedient wird.

Zudem ist die Straßenbahn ein lange bewährtes System, das auch in Aachen schon einmal funktioniert hat, bevor es 1974 aus ideologischen Gründe abgeschafft wurde. Gerade in Frankreich hat man in den letzten 10-15 Jahren eine ganze Reihe von Systemen in Städten aus dem Boden gestampft, die ihre Straßenbahn in den 50er oder 60er Jahren abgeschafft hatten. Eigentlich überall äußerst erfolgreich.

Zu den Unterwerken: 7 kommt mir auch etwas viel vor, aber allgemein ist zu sagen, dass Gleichstrom-Niederspannung relativ hohe Übertragungsverluste hat. Typischerweise hat eine Straßenbahn 750V Nennspannung, eingespeist werden 900. Gerade wenn die Oberleitung filigran wirken soll, braucht man u.U. alle ein, zwei Kilometer ein Unterwerk. Zum Vergleich: Die “große Bahn” fährt in Deutschland mit 15.000 V Wechselstrom, in Belgien mit 3.000 V Gleichstrom. Diese Spannungen will man aber aus Sicherheitsgründen nicht über einer Straße hängen haben.

by valentin Brückel on 13.1.2012 at 15:19. #

Die Frage ist aber dennoch, wie “von der Stange” das denn alles ist. Schliesslich soll ja auch innerstädtisch ohne Oberleitung gefahren werden, Busse ebenso mal mit, mal ohne und sollen zudem noch die Batterien wechseln. Hier wäre die Frage, wie ausgereift das alles ist und welches Risiko entsteht btw. entstehen kann. Sicherlich sollte man Innovationen auch nicht im Weg stehen, aber man sollte halt entsprechend sicher planen. Nutzt ja nix, wenn alles halbfertig ist und dann das Geld alle ist. Daher wäre ja auch noch die Frage, wie teuer eine Variante wäre, wo man auf die Batterien verzichtet und auch innerstädtisch Oberleitungen baut. Hinzu käme die Frage, was so wie gefördert wird.

Wegen solcher Fragen, muss eigentlich auch schon die ganze Planung voll transparent erfolgen und entsprechend dokumentiert werden, da so eine PR-Veranstaltung dies alles halt nicht beantworten kann.

by Christian Scholz on 13.1.2012 at 15:58. #

Das Ganze wird sehr innovativ. Es wird sicher so etwas wie der Transrapid, nur dass diesmal der Prototyp in der Stadt schon eingesetzt wird. Das Projekt dient sicher dazu die Beteiligten Unternehmen und Forschungsinstitute zu unterstützen. Ohne ein Prototyp läuft die Sache halt nicht an, da ist die Frage ob es tatsächlich so gebraucht wird nicht so wichtig für die Entscheidung.
Ich finde das Projekt super und ich bin begeistert wenn Aachen zu einer innovativen Stadt wird, bloß wird das nicht als der Fokus genannt werden. Aachen hat auch seinen Klüngel :-) und da unterstützt man sich halt auch mal gerne. Das Projekt könnte in Zukunft viele Arbeitsplätze bringen, wenn das Konzept aufgeht und es weiter an andere Städte Weltweit verkauft werden kann. Zur Innovation gehört halt auch Risiko. Ich finde diese Bahn wesentlich sinnvoller als die Investition in das Stadion (was wieder Thema Klüngel wäre:).
Zu Klüngel gehört halt Transparenz nicht, so werden viele Fragen offen bleiben.

by mosworld on 13.1.2012 at 17:36. #

Wenn aber Fragen offen bleiben, dann geht das Projekt evtl. auch baden. Ich habe jetzt auch mehrfach gehört, dass man hier sehr konservativ mit viel Spielraum gerechnet hat, nur muss das halt auch dokumentiert sein. Ich hoffe zudem nicht auf aufbereitete Informationen, sondern auf die Originaluntersuchungen, denn aufbereitet heisst auch oft, dass man mal was weglässt, was den Bürger überfordern könnte. Ich will aber überfordert werden! ;-)

by Christian Scholz on 13.1.2012 at 17:40. #

Hoffnung ist was gutes. Die Frage ist gibt es diese Originaluntersuchungen überhaupt? :) Ich wundere mich über einige Zahlen und die Annahmen die zu diesen Zahlen in der Zukunft führen werden. Ich glaube die Kölner U-Bahn Erweiterung die gebaut wird war auch konservativ berechnet ;-)
Ich sehe das Projekt nicht als das Ding was die ganzen Bürger an sich brauchen. Es ist gut für das Image der Stadt (schwer zu Messen was so eine Innovation ausmacht) und eine Förderung der Unternehmen und der RWTH.
Mit so etwas kann die Stadt sich als Stadt der Wissenschaft tatsächlich mal positionieren.

by mosworld on 13.1.2012 at 17:47. #

@all:
Zu dieser Frage um die Elektromobilität usw.:

Das wurde mMn im Rat schon ganz gut dargestellt – aber vielleicht meine ich das auch nur, weil ich mit Vorwissen an die Sache rangegangen bin:

Es gibt zwei Anträge und das Konzept besteht aus zwei Teilen:

1) Die Bahn selbst. Eigentlich ist das eine reguläre Stadtbahn von der Stange. Der einzige Unterschied ist, dass sie in der Innenstadt oberleitungsfrei fährt, aber auch das ist schon in anderen Städten erprobt. Also: Keine Forschung – nur Verbesserungen (Akkulaufzeit u.ä.)
Das war Grundbedingung, da 1999 insbesondere die Oberleitungen in der City ein Grund für die Rückgabe der Fördermittel war.
2) Das EMobilitätskonzept. Hier fällt die Kombination mit Pedelecs, O-Bussen, eCarsharing usw. drunter. Dieser Block wird über das Schaufenster beantragt. Teile der Mittel würden sicherlich durch Synergien mit der Bahn die Gesamtkosten der Stadt senken, aber eigentlich ist dieser Teil des Konzepts vollkommen unabhängig zu sehen.

Die Frage: “Warum nicht eine Standardbahn statt dieser Experimente?” ist also leicht zu beantworten: Es ist de facto eine Standardbahn, die durch ein Forschungsvorhaben noch aufgewertet wird. Geld sparen könnte man nur begrenzt. Die Kosten der Wagen würden sinken, wenn wir z.B. durchgängig mit Oberleitung fahren würden, die Kosten für die Strecke aber natürlich steigen. Da diese Kosten aber zu 90% gefördert werden, kann man realistisch also an den Wagen sparen, wenn man in der City mit Oberleitung fahren würde.
Genau das war aber 99 nicht gewollt. Hier muss eine politische Entscheidung getroffen werden.

Viele Grüße

Michael Servos

by Michael Servos on 20.1.2012 at 11:36. #

@Michael Servos, Danke für die Erklärung und den Zusammenhang!

by mosworld on 20.1.2012 at 11:42. #

Ist dafür genug Platz um die Campusbahnstrecken zu verlegen?

by Jibon De on 19.3.2012 at 15:47. #

meine einfache Frage, ………..falls Politiker mit Ihrem Vermögen mithaften….. ( Veruntreuung von Steuergeldern , da die geschätzten Kosten eh nicht eingehalten werden ) ………….wird die innovative Campus – Bahn dann noch gebaut ? Aachen sollte erst mal von der hohne Verschuldung runter kommen……

by Achim Breuer on 9.7.2012 at 11:21. #

@AchimBreuer:
Was für ein “Vermögen”? Die Kommunalpolitiker bekommen 430 Euro Aufwandsentschädigung im Monat für ihre ca. 20 Stunden Arbeit pro Woche (neben dem “echten” Beruf z.B. als Handwerker oder Lehrer).
Meinen Sie wirklich, es gäbe noch einen einzigen Kommunalpolitiker, wenn man über die ohnehin schon vorhandene Sorgfaltspflicht hinaus haftbar gemacht werden könnte?
Derzeit sind Mitglieder des Stadtrats bereits haftbar, wenn Sie z.B. “in vorsätzlicher oder grob fahrlässiger Verletzung ihrer Pflicht gehandelt haben” (§43 GO NRW).
Das bedeutet, dass wir sehr genau prüfen müssen, was uns vorgelegt wird und nicht wider besseres Wissen entscheiden dürfen.
Sie schlagen vor, dass wir sogar dann haften sollen, wenn sich erst im nachhinein Veränderungen ergeben (z.B. Archäologie im Boden oder ein Unfall auf der Baustelle oder eine Bombe aus dem Weltkrieg).
Wenn Sie jedoch wirklich mehr über die Campusbahn wissen als die Mitarbeiter der Verwaltung, dann immer raus damit, wir wollen schließlich allen Kritikpunkten nachgehen BEVOR wir entscheiden. Insbesondere die Aussage, dass “eh alles immer teurer wird als geplant” ist aber glücklicherweise nicht korrekt: Fast alle STÄDTISCHEN Projekte (mit der großen Ausnahme CHIO-Brücke) sind in den vergangenen Jahren entweder im Budget oder sogar unter Budget abgeschlossen worden. Oder haben Sie andere Daten? Bedenken Sie bitte, dass es einen großen Unterschied zwischen Baumaßnahmen der Stadt und Baumaßnahmen anderer Investoren gibt, für die die Stadt nicht haftet.
Vielen Dank und viele Grüße

Michael Servos

by Michael Servos on 9.7.2012 at 11:59. #

ich darf zittieren…….Derzeit sind Mitglieder des Stadtrats bereits haftbar, wenn Sie z.B. “in vorsätzlicher oder grob fahrlässiger Verletzung ihrer Pflicht gehandelt haben” (§43 GO NRW).
Das bedeutet, dass wir sehr genau prüfen müssen, was uns vorgelegt wird und nicht wider besseres Wissen entscheiden dürfen.
Sie schlagen vor, dass wir sogar dann haften sollen, wenn sich erst im nachhinein Veränderungen ergeben (z.B. Archäologie im Boden oder ein Unfall auf der Baustelle oder eine Bombe aus dem Weltkrieg).

ich habe noch keinen ” Berufs- sowie Hobby-Politiker ” gesehen, der wegen überteuerten Projekten persönlich zur Rechenschaft gezogen wurde,……als letztes Beispiel fällt mir Wulff ein….

Hier wird zwar investiert, aber die derzeit ” geschätzten Kosten ” werden wieder mal um ein ettliches überschritten……..Letztendlich Steuergelder, wo wollen Sie dann kürzen,………oder etwa,….wie ganz alltäglich kommunale Steuern erhöhen ?

Beispiele gibts für Aachen genug……

by Achim Breuer on 20.7.2012 at 15:25. #

Bitte nennen Sie doch mal eines der kommunalen Bauprojektbeispiele, die Sie anführen? Das einzige, was mir spontan einfällt ist die Tivolibrücke und da waren mit Sicherheit nicht die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker schuld…

by Michael Servos on 20.7.2012 at 16:15. #

wie war es denn mit dem Projekt Aventis………
das Projekt Tivoli, ……wo Politiker mitgewirkt haben
die MVA Weisweiler…..
wo immens Geld versenkt wurde

leider habe ich momentan wenig Zeit, es kommen aber noch einige Beispiele dazu

by Joe1955 on 27.7.2012 at 14:31. #

Das sind keine städtischen Projekte, also keine Projekte, die von der Stadtverwaltung geleitet werden:

Tivoli -> Alemannia Stadion GmbH
Avantis -> AVANTIS GOB NV
MVA -> MVA Weisweiler GmbH & Co. KG

Im Gegenteil: Avantis wird ja gerade wegen Erfolglosigkeit in die Kontrolle der Stadtverwaltung überführt DAMIT da endlich was passiert.
Beim Tivoli ist das Problem, dass die Wirtschaftsdaten der Alemannia falsch waren – da kann die Stadtverwaltung nichts für – genaugenommen hat sie bis zur Entscheidung, ob wir die Alemannia pleite gehen lassen oder nicht an dieser ganzen Frage mWn nicht mitgearbeitet.
Was die MVA angeht, muss ich passen – kenne die Sachlage nicht.

Nebenbei: Es geht um “Kostenexplosionen bei Bauprojekten”, oder? Da ist der Tivoli wohl das einzige Beispiel, dass Sie bringen und das passt irgendwie auch nicht…

by Michael Servos on 27.7.2012 at 15:02. #

Naja, das ist jetzt aber schon wieder son bisschen Politiker-Antwort ;-) Nur dass das nicht direkt von der Stadt betrieben wird, heisst das ja nicht, dass da kein Geld von der Stadt reinfliesst und die Stadt im Zweifel an ihrem eigenen Minus mit schuld ist ;-)

Und wenn die Wirtschaftsdaten der Alemannia falsch sind, da kann man natürlich sagen, dass man nicht schuld ist, aber dass das eigene Geld flöten geht (oder gehen könnte), ist man trotzdem schuld ;-)

Bei Avantis könnte man ausserdem vielleicht die Frage stellen, warum man das so lange so weiter hat laufen lassen. Wenn man da Jahr für Jahr Geld reinbuttern muss, ist man daran ja trotzdem irgendwie selbst schuld (und sei es nur, weil man es nicht einfach pleite gehen lässt).

Bei der Campusbahn könnte man nach der Logik ja auch sagen, dass es die Betreibergesellschaft schuld ist, wenn es aus dem Ruder laufen sollte. Aber sowas kann ja auch daran liegen, dass die Vorbedingungen schon schlecht waren und man das Projekt vielleicht nicht hätte machen sollen.

Ob das bei der Campusbahn der Fall ist, ist aber ja offen und daher geht es ja hier um eine größtmögliche Transparenz und auch ein Durchrechnen von Alternativen wäre sinnvoll.

Klar ist natürlich auch, dass man nicht alles vorhersehen kann und dass es eine nicht einfache Abwägung ist, ob man etwas pleite gehen lässt oder durch z.B. eine höhere Bürgschaft versucht, über den Berg zu kommen. Nur muss man auch dann erklären, warum man was genau tut. Bei Alemannia habe ich das leider nur von 2 Ratsmitgliedern gesehen und von der CDU gehört, dass man das ja nicht müsse und daher auch nicht machen würde. So bleibt halt dem Bürger nur leider auch die Komplexität der Abwägung verborgen, die man als Ratsmitglied manchmal so vor sich sieht.

Was IMHO aber dennoch fehlt ist eine Aufarbeitung von Projekten, die falsch gelaufen sind, so dass man auch für die Zukunft lernen kann.

by Christian Scholz on 27.7.2012 at 18:06. #

Hallo Christian,

vermutlich liegt es am Wissensvorsprung, den man als Mitglied eines Kommunalparlaments hat, dass sich meine Antwort zugegebenermaßen nach Politiker anhört.
Grunsdsätzlich: Du weißt, dass ich diesen Umgang mit “Herrschaftswissen” nur in begrenztem Maße für notwendig halte und wie Du schon sagst, gerade bei der Campusbahn kann man das noch ganz stark besser machen. Wir haben dazu z.B. den Campusbahnbeirat gegründet, der klasse funktioniert: http://www.michaelservos.de/?p=6216

Dennoch ist dieser aktuell noch falsche Zustand keine Rechtfertigung pauschale Vorwürfe an “die” Politiker und hier insbesondere “die” Verwaltung zu richten.

Man sollte hier sehr präzise sein und nicht verschiedene Vorgänge miteinander vermischen. Das würde nur dazu führen, dass man denjenigen, die in Politik und Verwaltung gut arbeiten ihre Motivation nimmt.

Zu den beiden Aspekten Avantis und Tivoli:
Beim BAU des Tivoli und auch bei der ersten Bürgschaft sind sicherlich nicht alle und/oder fehlerhafte Wirtschaftsdaten zu Grunde gelegt worden. In meinem Post ging es aber ausschließlich um die Frage, ob die veranschlagten BAUKOSTEN überschritten wurden und da hat die Stadt absolut nichts mit zu tun.
Avantis ist nichteinmal ein Bauprojekt.

Ich wehre mich gegen den blödsinnigen Vorwurf, dass “sowieso die Budgets ständig überschritten” werden. Im Gegenteil, bei städtischen Bauvorhaben (!) sind die Budgets im Regelfall UNTERSCHRITTEN worden. Leider berichtet die Presse da nicht drüber. In einem der letzten Mobilitätsausschüsse hat uns Frau Poth eine entsprechende Liste vorgelegt. Die versuche ich bei Gelegenheit nochmal zu besorgen.

Es sind also zwei Aspekte, die hier in einen Topf geworfen und bis zur unkenntlichkeit verrührt werden:
1) Bleibe ich bei der Erstellung/Bau/Vergabe oder was auch immer in den geschätzten Kosten?
2) Stimmen meine Prognosen was Bedarf, laufende Kosten und Einnahmen angeht?

Bei der Campusbahn gibt es meiner Ansicht nach beide Fragen:
1) Glaube ich den Prognosen der ASEAG?
2) Glaube ich den Kostenschätzungen der Stadtverwaltung?

Zu Punkt 2 sehe ich so gut wie kein Risiko. Die Wagen, das Depot und die Leistelle werden ausgeschrieben und zum Festpreis vergeben. Die Strecke wird zum Großteil gefördert, so dass selbst eine massive Steigerung der Baukosten “nur” zu einer relativ geringen Merhbelastung für die Stadt führen würde. Darüber hinaus halte ich die zuständigen Mitarbeiter für fachlich fit und durch die Streuung der Arbeiten auf mehrere Ingenieurbüros ist eine gegenseitige Kontrolle gesichert.

Bei der ersten Frage nach der Belastbarkeit der Gutachten kommt man an die Grenze der ehrenamtlichen Politik. Ich sehe, dass das Verkehrsmodell der Stadt und die Prognosen der ASEAG in den letzten zehn Jahren korrekt waren. Wenn ich dennoch zweifle, sollte ich ein Gegengutachten beauftragen. Das kann ich aber privat nicht finanzieren und ich habe erstmal auch keinen Grund, die Zahlen in Frage zu stellen, da sie ja bisher richtig waren.
Dass die Alemannia der Stadt falsche Zahlen geliefert hat und dass wir durch die Europäische Einigung keinen Bedarf mehr an den Besonderheiten von Avantis haben, ist doch kein Grund die Prognosen der ASEAG in Frage zu stellen, die bisher richtig waren, oder?
Es ist eben nicht alles “die Verwaltung” sondern es gibt da Abteilungen, die gut Arbeiten und es gibt Abteilungen, die häufiger falsche Prognosen abgeben.
Deshalb ist dieses pauschale Gelaber einfach Bu***it. Entschuldigung.

Nochmal: Grundsätzlich halte ich Dein persönliches Ansinnen für richtig, möglichst viele Daten “öffentlich kontrollieren” zu lassen, da man so besser die versteckten Risiken erkennt. Ich teile es 100%ig und arbeite dafür (again: http://www.michaelservos.de/?p=6216 und http://www.michaelservos.de/?p=5606).
Ich trenne aber diese richtigen, konstruktiven Vorschläge von uninformierten Vorwürfen á la “die sind doch alle unfähig und es wird sowieso teurer”, da das schlichtweg nicht stimmt und offenbar derjenige, der den Vorwurf hier gemacht hat sich nichteinmal über den öffentlichen Teil der Hintergründe informiert hat.

Daher meine provokante Frage nach Beispielen, die am Ende in vermutlich jedem einzelnen Fall dazu geführt hätte, dass die bei der CB-Debatte zuständigen Personen der tatsächlichen Arbeitsebene nicht involviert waren… Du hast dennoch Recht, dass es richtig ist, die Kritik inhaltlich aufzugreifen, statt den Kritiker auf diese Weise zu “belehren” – da war ich wohl zu genervt von dem üblichen “Stammtischvorwurf”… ;-)

Viele Grüße

Michael

by Michael Servos on 28.7.2012 at 13:44. #

ich frage mich, Michael, ….hinter wem stehts du….oder besser gefragt………wer hat dich nach vorne geschickt, ein solches Projekt, dessen Bau- und Unterhaltungskosten fadenscheinig sind……. durchboxen zu wollen ?

by Joe1955 on 28.7.2012 at 14:32. #

Joe, woher weisst Du denn, dass die Bau- und Unterhaltungskosten fadenscheinig sind? Gibt es da Berechnungen, die man sich mal anschauen sollte?

Oder ist es das Gefühl, dass eh alles immer teurer wird und dies damit auch bei der Campusbahn geschehen wird?

by Christian Scholz on 28.7.2012 at 14:42. #

aus Aachener Nachrichten………..6.07.2012

Baudezernentin Gisela Nacken geht allerdings davon aus, dass die Campusbahn in dieser Schlange nicht ganz weit hinten auf einem aussichtslosen Listenplatz steht. «Aber genau weiß man das natürlich nicht.»

Noch nicht. Doch Ende des Jahres könnte ein «Einplanungsbescheid» vorliegen, und dann wissen die Aachener, womit sie rechnen können. Es geht immerhin um Kosten in einer beachtlichen Größenordnung. Bei dem 230-Millionen-Projekt entfielen immerhin rund 130 Millionen auf den Fahrweg, und nur die könnten zu 85 Prozent gefördert werden.

Insgesamt geht die Verwaltung davon aus. dass die Campusbahn den öffentlichen Nahverkehr um vier bis sechs Millionen Euro pro Jahr teurer macht. Derzeit fließen jährlich 19 bis 20 Millionen Euro an städtischen Zuschüssen an die Aseag, mit der Campusbahn wären es also 23 bis 26 Millionen.

Dafür rechnet die Aseag dann aber mit höheren Fahrgastzahlen. Dabei ist das Verkehrsunternehmen jetzt schon gut unterwegs. «Die Nachfrage drückt», erklärt Hermann Paetz, Centerleiter Verkehr bei der Aseag.
Im vergangenen Jahr wurden rund 65 Millionen Fahrgäste transportiert. Das seien mehr als in den 1950er Jahren, sagt Paetz, als noch längst nicht so viele Aachener ein Auto hatten.

Auszug von oben…… Derzeit fließen jährlich 19 bis 20 Millionen Euro an städtischen Zuschüssen an die Aseag, mit der Campusbahn wären es also 23 bis 26 Millionen.

d.h. eine höhere Subventionierung neben den Baukosten von min. 4 – max. 6 Mio. Euro ( falls die Zahlen stimmen sollten ), was wiederum die Verschuldung der Stadt Aachen erhöht, vorausgesetzt, die allgemeinen Steuern würden nicht erhöht.

by Joe1955 on 28.7.2012 at 15:18. #

Hey Joe,

meine Vita, mein Arbeitgeber, meine Motivation und alle meine Aufwandsentschädigungen kannst Du auf meiner Homepage nachlesen.
Ich möchte zwei Gegenfragen stellen:

1) Warum hälst Du die Bau- und Unterhaltskosten für fadenscheinig? Ich möchte im Rat die richtige Entscheidung treffen und ein Verzicht auf die Bahn kostet uns sicher ca. 1,8 Mio Euro und verhindert den Ausbau des ÖPNV in angemessenen Maße. Das kann richtig sein, ist aber im Augenblick für mich eher die schlechtere Entscheidung. Welche Informationen hast Du, die ich offenbar nicht habe und warum enthälst Du sie mir vor?

2) Wir kennen uns (vermutlich) nicht. Dennoch gehst Du davon aus, dass ich entweder vorgeschickt bin oder hinter jemandem stehe. Du unterstellst mir, dass ich vom Durchboxen eines Deiner Ansicht nach schlechten Projekts profitiere. Was bringt Dich zu dieser Annahme? Vor allen Dingen: Warum meinst Du, ich würde nicht sachbezogen entscheiden, obwohl Du keine vernünftigen Argumente bringst sondern nur Stammtischparolen wiederholst?

Die Fragen sind nicht rhetorisch und ich da ich mich immer mal wieder mit solchen Vorwürfen (übrigens durchaus aus beiden Richtungen bei der gleichen Sache) konfrontiert sehe, wüsste ich gerne, warum Du sie mir machst.

Vielen Dank

Michael

by Michael Servos on 30.7.2012 at 09:05. #

2) Wir kennen uns (vermutlich) nicht. Dennoch gehst Du davon aus, dass ich entweder vorgeschickt bin oder hinter jemandem stehe. Du unterstellst mir, dass ich vom Durchboxen eines Deiner Ansicht nach schlechten Projekts profitiere. Was bringt Dich zu dieser Annahme?

Wie kann man als normal denkender Mensch, der bis zur Halskrause verschuldet ist, ein noch größeres Projekt durchführen, welches die Verschuldung noch weiter vergößert… ?

Hier mit der Campusbahn…..rechnen Sie mir doch mal bitte vor, inwieweit dich die Verschuldung der Stadt Aachen insgesamt erhöht………….das Ergebnis wird keine Stammtischparole sein……

by Joe1955 on 30.7.2012 at 10:27. #

@Joe:
Was gibt es da zu rechnen? Die Verschuldung steigt um ca. 130 Mio und die jährliche Belastung um insgesamt 4-6 Mio, also etwa 0,8% des Haushalts der Stadt.

Die Frage ist aber, ob die Entscheidung gegen die Bahn besser oder schlechter ist als die Entscheidung für die Bahn. Beide Entscheidungen kosten Geld und haben Auswirkungen auf die Stadt und die Menschen, die hier leben.

Ja, wir geben auf den ersten Blick pro Jahr ca. 2-4 Mio mehr für die Bahn aus, als wir ausgeben, wenn wir sie nicht bauen.
Das ist aber eine reine Finanzrechnung und blendet die volkswirtschaftlichen Effekte komplett aus. Man akzeptiert durch eine solche Bewertung, dass wir keinen Ausbau des Straßenraums vornehmen, damit die zusätzlichen Busse fahren können und blendet die Luftverschmutzung, die öffentliche Mobilität oder die Dieselpreisentwicklung aus.

Die Rechnung sollte von daher mMn nicht unter rein fiskalkonservativen Gesichtspunkten sondern auch unter investitionstheoretischen und volkswirtschaftlichen Aspekten durchgeführt werden.

Hier fängt dann die politische Diskussion an und die vorzunehmende Prioritätensetzung unterscheidet die politischen Parteien.

Ich bin noch nicht so weit, mich für oder gegen die Bahn zu positionieren, da ich weder die genauen Kosten noch die Födersummen kenne. Die brauche ich aber, um die positiven und negativen Aspekte gegenüberstellen zu können.

Sie sind anscheinend schon weiter oder haben Kriterien gefunden, die so klar sind, dass sie keine Detailinformationen benötigen.

Viele Grüße

Michael Servos

by Michael Servos on 30.7.2012 at 10:45. #

@Joe:
Was gibt es da zu rechnen? Die Verschuldung steigt um ca. 130 Mio und die jährliche Belastung um insgesamt 4-6 Mio, also etwa 0,8% des Haushalts der Stadt…….
.
mit welchem Zins ( Be- ) oder Verrechnen Sie die höhere Verschuldung von 130 Mio. Euro in Zinsrückzahlung, errechnen Sie mir bitte das Volumen, damit wir den Belastungen etaws näher kommen……

by Joe1955 on 30.7.2012 at 17:05. #

Der Zins ist in der Berechnung der Kämmerin mit 3% angenommen und nur zur Sicherheit: In den 4-6 Millionen sind Zinsen und Tilgung bereits enthalten. http://www.michaelservos.de/wp-content/Campusbahn_Finanzierung.pdf

viele Grüße
Michael Servos

by Michael Servos on 30.7.2012 at 22:21. #

…..Der Zins ist in der Berechnung der Kämmerin mit 3% angenommen und nur zur Sicherheit: In den 4-6 Millionen sind Zinsen und Tilgung bereits enthalten. …

.

erst mal verlassen Sie sich, Herr Servos, auf einen Aussage, ……haben Sie diese überprüft und nachgerechnet ?

Teilen Sie mir noch bitte mit, wieviel Jahre ins Land gehen, bis der aufgenommene Kredit von 130 Mio. getilgt ist……………

Sind cie ca. 4-6 Mio. Euros des Verlaustausgleich ( oder Subvenbtionierung ) der Aseag mit eingerechnet ?

Bis dahin mit…..Joe 1955

by Joe1955 on 31.7.2012 at 10:57. #

Hallo Joe,

ich verlasse mich als Ehrenamtler auf die Aussage der Finanzexperten der Stadt Aachen, die ein entsprechendes Studium abgelegt, langjährige Erfahrung und Einblick in alle zugrundeliegenden Zahlenwerke haben.
Ich bin selbt nur begrenzt in der Lage, diese Zahlen nachzurechnen. Haben Sie das getan und sind zu einem anderen Ergebnis gekommen?

Offenbar wissen Sie mehr oder verfügen über Expertenwissen in Sachen öffentlicher Haushalt, der mir nicht zugänglich ist, deshalb nochmal meine Bitte: Sagen Sie bitte, was genau falsch gerechnet ist, damit wir nicht auf diese wichtigen Informationen verzichten müssen, wenn wir die Entscheidung treffen.

Zu den 4-6 Mio habe ich Ihnen einen Link gepostet, hier nochmal http://www.michaelservos.de/wp-content/Campusbahn_Finanzierung.pdf , der sehr deutlich macht, dass darin ALLE zusätzlichen Kosten enthalten sind, also auch der höhere Verlustausgleich der ASEAG.

Viele Grüße

Michael Servos

by Michael Servos on 31.7.2012 at 11:35. #

Teilen Sie mir noch bitte mit, wieviel Jahre ins Land gehen, bis der aufgenommene Kredit von 130 Mio. getilgt ist……………
.
.
Lassen Sie diese Zahlen mal von einer Bank ausrechnen, auf das Ergebnis bin ich sehr gespannt.

by Joe1955 on 31.7.2012 at 18:08. #

Joe, auch das steht im Dokument: 50 Jahre. Haben Sie es noch nicht geschafft, es zu lesen?
Was die Gegenrechnung durch eine Bank angeht frage ich, wo der Mehrwert liegen soll? Für Kommunen gelten andere Regeln als für Sie oder mich… oder haben Sie schonmal eine Straßenbahn gebaut?
Leider enthalten Sie mir offenbar wichtige Informationen vor, die meine Entscheidung beeinflussen könnten.
stattdessen stellen Sie Fragen, die schon beantwortet sind. ich bezweifle, dass Sie ernsthaft an einem konstruktiven Gespräch interessiert sind. Ich wäre offen, meine Meinung zu ändern, leider lassen Sie mich nicht an Ihren Argumenten teilhaben…

by Michael Servos on 31.7.2012 at 19:10. #

Joe, ich frage mich, wie ergebnisoffen Du bist, denn anscheinend hast Du ja für Dich schon entschieden, dass eh nichts von alldem stimmt.

Dabei ist die Laufzeit auszurechnen ja nicht so schwer, die Zahlen sind ja vorhanden. Die komplizierter abzuschätzende Frage ist, ob die Ausgangszahl stimmt, denn die hängt ja von mehr Faktoren ab.

Es gibt aber Leute, die auch das versucht haben, durchzurechnen. So z.B. geschehen bei den Piraten und wenn ich da auch gerade nicht auf dem aktuellen Stand bin, so kam dort meines Wissens nicht vor, dass die Zahlen komplett illusorisch seien. Hauptproblem ist eher, dass ASEAG und Co nicht alle Infos rausgeben (aus irgendwelchen unbegründeten Ängsten) und das Nachrechnen sich dann schwieriger gestaltet.

Genauere Zahlen gibt es aber ja demnächst und dann kann man nochmals durchrechnen bzw. nachrechnen.

Die Hauptfragen sind also aus meiner Sicht:

- Stimmen die Voraussetzungen, auf denen die Zahlen aufbauen?
- Macht das ganze Projekt Sinn und was wären die Alternativen und wie teuer wären diese (wobei mir da nur Elektrobusse einfallen).

Es ist also eine Abwägung, die wahrscheinlich auch nicht so einfach zu treffen sein wird. Es gibt aber gerade bei diesem Projekt viele Möglichkeiten mitzumachen. Die Piraten habe ich schon erwähnt (die haben jeden Donnerstag um 19:30 ihren AK Kommunalpolitik, wo auch die Campusbahn schon sehr oft vorkam, findet Hirschgraben 24 statt) und die SPD hat ja auch den schon genannten Beirat (http://www.michaelservos.de/?p=6216), wo ich es leider noch nicht hingeschafft habe, aber wo man Details bestimmt diskutieren kann.

Und dann gibt es noch campusbahn.de, wo man zwar etwas länger warten muss und alles auch nicht so übersichtlich ist, aber man dennoch Fragen beantwortet bekommt.

Meine Meinung dazu: Ich weiss noch nicht, ob es nun sinnvoll ist oder nicht, da warte ich noch die weitere Vorplanung ab, würde mir aber auch wünschen, dass man die Alternative auch ein wenig mehr durchrechnet und nicht nur (von Seiten der ASEAG) sagt, dass sich immer nur auf eine Sache konzentrieren würde.

by Christian Scholz on 31.7.2012 at 19:25. #

Sorry, aber in dieser Rabulistik diskutiere ich nicht weiter mit Ihnen, Herr Servos………

by Joe1955 on 3.8.2012 at 16:07. #

[Post wegen Unterstellungen entfernt]

by Joe1955 on 3.8.2012 at 16:13. #

@Joe:
Schade, ich habe mir alle Mühe gegebe, alle Ihre Fragen beantwortet – selbst als sie das dritte Mal nach Informationen fragten, die Ihnen bereits vorlagen.
Ich bin trotz Ihres (meiner Wahrnehmung nach) schulmeisterlichen Tonfalls sachlich und ruhig geblieben und habe bis zuletzt versucht, Ihre Argumente herauszufinden.

Mehr kann ich nicht tun um Ihre Bedenken aufzugreifen.

“Rabulistisch” (das Wort kannte ich bisher noch nicht) habe ich in dieser Angelegenheit sicher nicht argumentiert, da das ja bedeuten würde, dass ich mich bereits endgültig für oder gegen die Campusbahn positioniert haben müsste. Das ist aber nicht der Fall, wie ich bereits ganz zu Anfang unseres Gesprächs geschrieben habe.

Viele Grüße

Michael Servos

by Michael Servos on 3.8.2012 at 16:27. #

@..Michael Servos

[Post wegen Unterstellungen entfernt]……
.
dieses posting wurde nicht veröffentlicht,

Frage an Herrn Servos,

Arbeiten Sie als Dipl.-Mathematiker Michael Servos am WZL der RWTH ?

zum Thema Rabulistik………man lernt im Leben immer dazu…….

by Joe1955 on 4.8.2012 at 13:28. #

Ja, wie google verraten hätte … ebenso wie meine EIGENE Homepage http://www.michaelservos.de/?page_id=133 das hat aber ja offensichtlich nichts mit unserer Diskussion zu tun, da mein Lehrstuhl nichts mit der Bahn zu tun hat…

by Michael Servos on 4.8.2012 at 20:16. #

Ist ja schon etwas alt, der Thread, aber ich habe heute erst begonnen, wg Campusbahn zu lesen:
Zitat: “Die Wagen, das Depot und die Leistelle werden ausgeschrieben und zum Festpreis vergeben.” Hierin liegt meines Erachtens ein ganz wichtigerPunkt für spätere Mißstände, da bei den Ausschreibungen schon -zu deutsch gesagt- getrickst werden kann und aller Erfahrung nach auch wird. Ähnliches nehme ich für die übrigen Ausschreibungen zur Campusbahn, Tivoli, Avantis etc. an. Der an der Auschreibung interessierte Unternehmer ist an der Zuteilung interessiert und richtet sich in der Gestaltung auch am Wollen und Wissen des Vergebers aus. Wenn später eine Kostensteigerung sichtbar wird, hat der Unternehmer erstmal kein Problem, weil er ja den Zuschlag bekommen hat. Gleichzeitig ist die Haftung der Stadt und der Politiker auch erledigt, da Vergabe und Angebot auf völlig legale Weise verzahnt sind.

by Armin on 14.1.2013 at 14:33. #

@Armin: Inwiefern soll bei den Ausschreibungen getrickst werden? Können Sie das näher erläutern? Bei dem Bau einer Straßenbahn handelt es sich im wesentlichen um ein gewöhnliches Straßenbauprojekt. Die Stadt Aachen hat, wie Michael Servos bereits erwähnte, in der Vergangenheit bewiesen, dass sie solche Projekte korrekt ausschreiben und auch kostenmäßig im Rahmen abwickeln kann. Zuletzt war dies bei den Maßnahmen des Konjunkturpakets II der Fall, im Rahmen dessen 27 Mio. € verausgabt wurden.

by Hinkelstein on 18.2.2013 at 19:28. #

So,……….schluß mit Lustig……..
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Stadtbahn oder Campusbahn………kann beerdigt werden….
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Ein …Chapeau!…. auf den wählenden, mündigen Aachener Bürger……..
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Schlimmer noch,……….der wälende Bürger hat kein Vertrauen in den Aachen Stadtrat……er kann eigentlich fast geschlossen zurücktreten,…
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oder holt man das Argument gelebte Demokratie jetzt raus ?

by Joe on 11.3.2013 at 11:57. #

Der Stadtrat könnte auch reflektieren, was er an sich selbst und der Verwaltung ändern könnte, so dass Vertrauen zurückgewonnen werden kann.

by Christian Scholz on 11.3.2013 at 12:06. #

Die Stadtbahn ist erstmal vom Tisch und somit hat sich die Mehrheit der Bürger für eine genauso teure, aber wohl kaum bessere Alternative entschieden.

by Jan van den Hurk on 11.3.2013 at 12:10. #

Weiss man das? Die Bahn wurde schliesslich zunächst mal als alternativlos dargestellt und so konnte man ja gar nicht abwägen, da man ja Zahlen (wenn auch eher wenige) nur für die Campusbahn hatte. Was man nach Brand raus macht, wenn die Bahn nicht kommt und wie teuer das im Detail wird und was es genau bedeutet, wurde ja nie wirklich dargelegt. Vielleicht wäre es auch anders ausgegangen, wenn man etwas ergebnisoffener an die Sache herangegangen wäre.

by Christian Scholz on 11.3.2013 at 12:13. #

Ich denke, dass du da auf jeden Fall einen wesentlichen Fehler in der Informationskampagne ansprichst. Man konnte nur mit sehr viel Mühe (per Ratsinformationssystem, etc.) herausfinden, dass die Stadt 17 Alternativen geprüft hat und letztlich sich für die günstigste und am besten ins Stadtbild integrierbare Variante entschieden hat. Weiterhin hätten man dann auch eine Zahl für die zweitbeste Alternative mitliefern können. Der Witz ist aber, dass obwohl all diese Informationen existieren (z.B. kostet der Ausbau des Bussystems mit größeren Fahrzeugen und neuen Busspuren lau ASEAG 115 Mio. € bzw. 4,3 Mio. € pro Jahr), ich nicht damit rechnen würde, dass sich bei einer besseren Aufarbeitung signifikant mehr Leute mit der Materie beschäftigt hätten. Mein Eindruck bei vielen Gesprächen war, dass man sich kaum informiert hat und dann per Bauchgefühl entscheiden wollte.

by Jan van den Hurk on 11.3.2013 at 14:04. #