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Auch Deutschland begrüßt Google Wave mit Innovationsphobie

by Christian Scholz on October 6, 2009

google_wave_logoSo tut es zumindest der Spiegel in diesem Artikel, bei dem es u.a. zm Google Wave geht. Das Thema des Artikels ist die Zeit, die uns (wie wir alle wissen) auch oder gerade wegen der neuen Kommunikationsmöglichkeiten zwischen den Fingern zerrinnt. Denn wer kennt die Informationsüberflutung nicht, die uns tagein tagaus aus dem Netz entgegenschwappt und durch allerlei Feed-Aggregatoren wie FriendFeed oder Facebook noch verschärft wird.

Da hat der Artikel ja durchaus recht. Und das Filtern dieser Informationsflut wird auch eines der Zukunftsthemen überhaupt sein!

Wo man anderer Meinung sein kann, ist vielleicht dass “nur” 34% der Deutschen in einem sozialen Netzwerk Mitglied. Für Deutschland, wo man Neuem immer etwas skeptisch gegenüber steht, würde ich das als recht hohen Wert sehen.

Wo man auch anderer Meinung sein kann ist, ob man Google Wave für sinnvoll oder sinnlos hält. Spiegel zitiert hier Robert Scoble, der den Dienst nach wohl nur kurzem Benutzen verrissen hat, da er zuviel Rauschen neben den Informationen erzeugt. Das mag durchaus stimmen, hängt aber davon ab, wie man diesen Dienst in Zukunft nutzen wird.

Was man dabei leider vergisst, ist was diese Technologie theoretisch in Zukunft im Stande ist zu leisten. Das was man heute als den Google Wave-Client sieht, ist nur die Spitze des Eisberges dessen, was sich darunter verbirgt, nämlich die Möglichkeit, Dokumente in Echtzeit auch bei schwankender Latenz im Netzwerk relativ konfliktfrei über mehrere Server und Clients zu synchronisieren. Diese Operational Transforms genannte Technik hat meiner Meinung nach enormes Potential.

Was man daraus macht, kann sicherlich diskutiert werden, auch ob der Google Wave Client jetzt sinnvoll ist oder nicht. Jedoch sollte man dabei bedenken, dass alles noch im Beta-Stadium (oder davor) ist und das alles auch ein grosses Experiment ist.

Ob nun das Netz seine Nutzer abhängt, wie der Titel des Artikels vermuten lässt, weiss ich nicht. Sicherlich werden neue Ideen sehr schnell geboren, aber sicherlich muss man auch nicht auf jeden Zug sofort aufspringen. Und was wäre die Alternative? Dass man Däumchen dreht und lieber keine neuen Erfindungen in die Welt setzt, da diese sie anscheinend ja eh nicht braucht? Wohl kaum.

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8 comments

[...] noch drei Seiten Kommentare und ein auf den Artikel reagierendes Blogposting, dass die deutsche “Innovationsphobie” beklagt und den Nutzen gemeinsamer Bearbeitung derselben Dokumente hervor hebt. Mit Schrecken [...]

by Morgenlektüre – Morgengefühle on 7.10.2009 at 11:49. Reply #

Ich frag mich, WOFÜR man z.B. die von dir gerühmte Möglichkeit BRAUCHT, Dokumente "auch bei schwankender Latenz im Netzwerk relativ konfliktfrei über mehrere Server und Clients zu synchronisieren"?
Klar, da können in multinationalen Unternehmen über den Planeten verteilte Mitarbeiter an denselben Tabellen arbeiten – aber sonst? Die Masse? Ist es nicht in der Regel so, dass schon ein einzelner Publisher sich schwer tut, ganz allein für sich einen stimmigen, interessanten, grammatisch korrekten Artikel zu verfassen? Die Versuche im "kollaborativen Schreiben", die im Web immer mal wieder gemacht wurden, haben nie mehr als ein paar wenige Afficionados interessiert – der große Rest ist froh und dankbar, dass am eigenen Text nicht auch noch andere rumwerkeln.

by Claudia on 7.10.2009 at 11:53. Reply #

Ich sehe das auch so (auch wenn ich selbst Google Wave noch nicht testen konnte, leider). Zudem darf man Google Wave nicht als isoliertes Produkt sehen, sondern muss es als "Dreingabe" im Markt für Office-Applikationen und Collaboration-Tools sehen. Da hat Google auf einmal sehr viel Potenzial und Attraktivität – und steht auf Augenhöhe mit Microsoft, IBM, Confluence, Socialtext…

by Matthias Schwenk on 7.10.2009 at 12:12. Reply #

@Claudia: Ich gebe Dir insofern Recht als dass es sicher ein Rand-Use Case ist und nicht jeder nun mit jedem Dokumente erstellen wird. Aber vielleicht eben auch nicht, denn ich weiss auch nicht wohin sich das entwickeln wird, will es aber nicht im Vorhinein verdammen. Hätte man vor der Erfindung des Web gefragt, wer das eigentlich braucht, hätten wir es heute wahrscheinlich nicht und das fänd ich doch sehr schade. Ich denke halt, auch weitere Use Cases werden im Laufe der Zeit kommen. Wie geschrieben ist die jetzige Google Wave UI ha auch sicherlich noch nicht die letzte Erfindung in dieser Richtung, so könnte ich mir z.B. auch vorstellen, dass Google Wave als unterliegendes Protokoll genutzt wird, um den World-Graph einer virtuellen Welt zwischen 1000 Clients zu synchronisieren. Ob das klappt, weiss ich nicht, wäre aber eine Anwendung, die mir spontan einfallen würde. Die Zeit wird halt zeigen, ob es a) wirklich technisch bei größeren Server/Client-Zahlen funktioniert und b) ob sich Use Cases finden lassen, die Sinn machen. Und auch wenn das im Moment nur für Unternehmen interessant sein mag, so reicht Google vielleicht dieser Markt auch schon.

@Matthias: Ich habe auch noch keinen Account bzw. hab nur kurz mal reinschauen können bislang, aber da war ich recht allein dort (son bisschen wie SL ;-) ). Wie oben schon geschrieben, sehe ich das auch erst als Beginn einer neuen Entwicklung, denn die Technik ist halt schon ein bisschen was neues und unterscheidet sich dadurch schon von den üblichen "wir bauen nochmal ein anderes AJAX-Interface vor einen Web-Server". Ob es funktioniert wird man halt sehen.

by Christian Scholz on 7.10.2009 at 12:23. Reply #

[...] Sichtweise auf neue Entwicklungen ist eine in Deutschland leider weit verbreitete. Man kann das als Innovationsphobie bezeichnen. Wie verbreitet diese Sichtweise ist, sieht man an den vielen den Artikel [...]

by Es gibt keinen internetverursachten Information Overload » netzwertig.com on 7.10.2009 at 19:05. Reply #

[...] Topf: Auch Deutschland begrüßt Google Wave mit Innovationsphobie. Ob ganz Deutschland, weiß ich nicht, Spargel Online aber auf jeden [...]

by Linkschleuder – Der Schockwellenreiter on 8.10.2009 at 09:44. Reply #

[...] es zum Artikel. Und auf mtropf.de meint der Schreiber, eine Innovationsphobie entdeckt zu haben; Hier. Siehe auch die lebhafte Diskussion zu beiden [...]

by reflexbox von jürg fraefel » Post Topic » Information Overload: Sind die Internetdienste Schuld daran? on 8.10.2009 at 15:02. Reply #

[...] so ist. Angst vor neuem gibt es überall. Unsinnig finde ich es allerdings wenn man, wie auf mrtopf.de geschehen, die Phobie unterstellt und am Ende desselben Artikels sagt: „Sicherlich werden neue Ideen sehr [...]

by buildblog | Google Wave macht keine Angst vor dem Internet on 19.10.2009 at 23:03. Reply #

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