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10 Wege, die Vorratsdatenspeicherung zu umgehen

by Christian Scholz on January 3, 2008

Since beginning of 2008 Germany has a new law about data retention. Telecommunications Providers now need to store connection data up to 6 months. This includes who called whom via phone, completely with location, who accessed which webpage, who emailed whom and so on. In this post I provide 10 ways of circumventing this data storage and massive downgrade of our privacy.

Die Financial Times Deutschland hatte heute wieder einen Artikel über die Vorratsdatenspeicherung (auch gestern schon auf der ersten Seite des Politikteils über die größte Verfassungsbeschwerde der Bundesrepublik), diesmal über Möglichkeiten, die Speicherung zu umgehen. Ein willkommener Anlass für mich, das auch einmal aufzulisten (und was mir noch einfällt und vielleicht, was ihr noch dazu beitragen wollte).

Das Gesetz hat also folgende Lücken und durch die Benutzung folgender Dinge könnt ihr diese Ausnutzen, so euch eure Privatsphäre lieb ist:

  1. Instant Messaging Dienste wie Jabber, AIM, ICQ usw. werden vom Gesetz nicht erfasst. Es wird also dort nicht festgehalten, wer wann mit wem kommuniziert hat. D.h. es wird vielleicht festgehalten, es besteht aber keine Pflicht (mein Unbehagen mit den zentraleren Diensten dieser Art war ja immer, dass AOL und Konsorten immer schön genau wissen, mit wem ich wann so kommuniziere). Es bleibt auch die Frage, ob man das international durchsetzen kann, denn muss AOL alles für 6 Monate speichern, wenn Deutschland das so will?
  2. Chatrooms und IRC. Auch diese sind bislang noch ausgenommen. Allerdings kann auch hier natürlich der Serverbetreiber mitlesen.
  3. VOIP-Dienste. Auch diese fallen (noch nicht) unter das Gesetz. Hier wäre wahrscheinlich vor allem Skype zu empfehlen, da es ja noch weitergeht und die Daten sogar per P2P übertragen werden, was eine Nachverfolgung eh noch schwieriger macht.
  4. SIM-Karten vom Flohmarkt. Diese kann man dort gebraucht kaufen. Werden die eigentlichen Zielobjekte dieses Gesetzes (also Terroristen und Schwerverbrecher) wahrscheinlich eh schon lange machen. Aber man sollte auch das Handy dort direkt mitkaufen, denn die Gerätenummer wird evtl. auch bald mitgespeichert.
  5. Nutzung von Telefonzellen. Ein bisschen außer Mode gekommen, bieten sie aber dennoch eine Möglichkeit, sich ohne Überwachung zu unterhalten.
  6. Nutzung von Internetcafe’s. Auch diese werden noch nicht überwacht, obwohl dies (so meine ich gehört zu haben) diskutiert wird. Wenn diese aber überwacht würde, wäre für mich die Frage, ob Terroristen dann nicht in das Internetcafé ihres Vertrauens gehen.
  7. Benutzung von TOR. Zumindest im Moment ist noch unklar, ob diese denn unter das Gesetz fallen. Laut Julius Mittenzwei ist dies nicht so.
  8. WebMail-Dienste für (zumindest vom Staat) ungespeicherten E-Mail-Verkehr bieten sich an, vorzugsweise im Ausland.
  9. Virtuelle Welten sind evtl. auch geeignet. In Second Life z.B. gibt es auch Voice-Chat, allerdings speichert Linden Lab Chatlogs ebenfalls eine ungenannte Zeitspanne land (laut Linden Lab “nicht allzu lange”, was immer das heisst).
  10. persönliche Treffen sind sicherlich auch immer noch möglich ;-)

Das also mal eine kleine Liste, weitere Möglichkeiten könnte ihr natürlich gerne in den Kommentaren hinterlassen. Und schreibt euren Abgeordneten, was ihr von dem neuen Gesetz haltet, denn die sollen euch ja vertreten! Ich werde auch Ulla nochmals schreiben oder vielleicht besser faxen.

Weitere Infos: Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung und netzpolitik.org.

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8 comments

ergänze:
-briefe per post
-zettel unter der tür durchschieben.

das vor allem das gute alte postgeheimnis immernoch gilt, ist angesichts der terrorgefahr eigentlich unerklärbar …

werden eigentlich verwendungszwecke bei überweisungen überwacht? ist auch ein beliebter weg für kurznachrichten, schon ab 1 cent pro message.

by kosmar on 4.1.2008 at 01:55. #

@kosmar letzteres will ich nicht hoffen ;)

by kcu on 4.1.2008 at 02:03. #

Interessant, dass man so Briefe per Post gar nicht mehr aufm Radar hat ;-) Aber ich sehe eine Revival!

(allerdings ist die Latenz da halt ein bisschen hoch).

by Christian Scholz on 4.1.2008 at 02:09. #

Christian: Realitycheck:

Kontrolle von Briefen an Berliner Zeitungen kritisiert http://www.heise.de/newsticker/meldung/98752

Bestätigt: Polizei kontrolliert Briefe in Hamburg http://netzpolitik.org/2007/bestaetigt-polizei-ko

Mit Skype als sicherer Alternative habe ich auch so meine Probleme. Fakt ist: Niemand ausser den Skype-Entwicklern (erinnert sich noch jemand Spyware in KaZaa damals?) hat Einblick in den Source-Code.

Programmbestandteile, die heimlich das Bios des Hostrechners auslesen, wie im Februar 2007 entdeckt, sind auch alles andere als vertrauensfördernd.

Hinzu kommt, dass Skype seit 2005 bekanntlich eBay gehört, einem Konzern, der für seine proaktive Zusammenarbeit mit Regierungsstellen und Ermittlungsbehörden bekannt ist.

Dazu aus der Wikipedia:

Die Abhörsicherheit von Skype ist umstritten. Skype bietet zwar die Verschlüsselung bei direkten Gesprächen zwischen Benutzern an, [...] , jedoch wollte ein Sprecher von Skype in einem Interview die Abhörmöglichkeit nicht ausschließen [31]. Dort antwortet Kurt Sauer, Leiter der Sicherheitsabteilung von Skype, auf die durch ZDNet gestellte Frage, ob Skype die Gespräche abhören könne, ausweichend: „Wir stellen eine sichere Kommunikationsmöglichkeit zur Verfügung. Ich werde Ihnen nicht sagen, ob wir dabei zuhören können oder nicht.“ Auch deutet die Implementierung eines Textfilters in China [32] darauf hin, dass von dieser Möglichkeit bereits Gebrauch gemacht wird."

Siehe auch: http://www.zdnet.de/mobile/voip/0,39029944,391514

by jo on 4.1.2008 at 02:41. #

Danke für die Infos, allerdings habe ich zu Skype auch nur sagen wollen, dass Verbindungsdaten damit wohl nicht gespeichert werden können (oder werden direkte Verbindungen von A nach B aufgebaut?). Wenn ein entsprechendes Gesetz käme, wäre eh egal, wie gut nun Skype ist oder nicht, wenn sie denn einfach gezwungen wären, diese Daten zu speichern.

Mit dem Sourcecode hast Du natürlich Recht.

Generell ist es aber bei den meisten Services so, dass irgendwer mithören kann (wie ich ja zu den IM-Diensten oder Second Life schrieb). Bei diesen muss man also abwägen, was schlimmer ist: Zugriff durch den Staat oder durch die einzelne Firma (die diese Daten evtl. verkauft).

by Christian Scholz on 4.1.2008 at 03:37. #

zur den brief-links:

die kontrolle von post an oder von kritischen menschen und journalisten und informanten ist schlimm, selbst wenn es nur punktuell sein sollte.

mit einem 6 monatigen sammeln aller adressaten der gesamten bevölkerung mE aber nicht ganz vergleichbar.

by kosmar on 4.1.2008 at 11:40. #

[...] Services findet man auch an anderer Stelle: 10 Wege die Vorratsdatenspeicherung zu umgehen (uaaaah: Konspirativ …) Anfangsverdacht, Anwalt für Strafrecht, Generalverdacht, [...]

by Silkester erzählt » Blog Archive » Wie plane ich eine konspirative Erstberatung … on 4.1.2008 at 14:19. #

[...] 10 Wege, die Vorratsdatenspeicherung zu umgehen — mrtopf.de Das Gesetz hat also folgende Lücken und durch die Benutzung folgender Dinge könnt ihr diese Ausnutzen, so euch eure Privatsphäre lieb ist (tags: vorratsdatenspeicherung privacy) [...]

by snowblog » links for 2008-01-04 on 4.1.2008 at 22:22. #