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Noch bis Mittwoch: Kontaktiert eure Europa-Abgeordneten wegen des Telecoms-Pakets!

by Christian Scholz on May 4, 2009

english summary: The european parliament is about to vote on the so called Telecoms package which is about regulating the internet. It contains some bad changes for the freedom of the internet and thus you should immediately contact your MEPs to tell them how to vote on it. More information can be found at La Quadrature du Net.

Wie auf netzpolitik zu lesen ist, geht es in der EU mal wieder um das Telekom-Paket, welches am Mittwoch zur Abstimmung steht. Leider haben sich aber in letzter Minute mal wieder ein paar für die Freiheit des Internets bedenkliche Änderungsanträge eingeschlichen, bzw. sind ersetzt worden. Die genauen Details gibt es im oben genannten Artikel.

Viel Zeit bleibt mal wieder nicht, aber es ist wichtig, dass ihr eure Europa-Abgeordneten kontaktiert. Ich werde dies bei meinem mal tun (das ist soweit ich weiss der Herr Spitzenkanditat der SPD für die nächste Wahl, Martin Schulz) und ihm eine Mail und ein Fax schicken.

Ich habe mir mal die folgende Formulierung ausgedacht und würde gerne euer Feedback dazu haben. Vielleicht kann man ja gemeinsam zu einem guten Text kommen (ich mache ja sowas ja eher selten):

Sehr geehrter Herr Schulz,

ich schreibe Ihnen aufgrund der am Mittwoch bevorstehenden Abstimmung zum Telekom-Paket und der drohenden Einschränkung der freien Kommunikation im Internet sowie der Grundrechte der Internetnutzer.

Im Detail geht es um den Änderungsantrag 166 im Harbour-Bericht sowie den Änderungsantrag 138/46 im Trautmann-Bericht. Bei beiden wurden seit der ersten Lesung wichtige Sicherheitsmechanismen zum Schutz der Grundrechte und der Freiheit von EU-Bürgern verwässert. Ich bitte Sie daher für die Wiederherstellung dieser Passagen zu stimmen.

So wurde der Änderungsantrag 166 des Harbour-Berichtes durch eine Version ersetzt, die keinerlei schützenden Wert mehr hat. Es geht hier um Netzneutralität, also den diskriminierungsfreien Zugang zu Internetinhalten, die durch diese Änderung nicht mehr garantiert werden kann. So wurde auch ein schwacher Schutz gegen „Netzdiskriminierung“ komplett neutralisiert, so dass Internet-Anbieter aussuchen könnten, welche Inhalte, Services und Applikationen über ihre Netzwerke erreichbar sind. Dies bedeutet jedoch einen kritischen Eingriff in die Informationsfreiheit, wenn bestimmte Inhalte nur durch bestimmte Internet-Provider zugänglich sind. Hinzu kommt, dass auch kleine Inhalteanbieter, wie z.B. Blogs oder generell individuelle EU-Bürger, diskriminiert werden könnten.

Der Änderungsantrag 138/46 des Trautmann-Berichtes wurde ebenfalls durch eine schwächere Version ersetzt, welche zunächst eine Interpretation durch den europäischen Gerichtshof und Jahre der rechtlichen Auseinandersetzung benötigt, bevor die vor allem in Frankreich diskutierten „graduate response“/“three strikes“-Massnahmen damit abgewehrt werden können.

Mir persönlich ist es auch schleierhaft, wie man auf solche Ideen überhaupt kommen kann. Der Internetzugang wird in Zukunft unseren gesamten Lebensbereich beeinflussen: Telefon und Fernsehen (wie immer dies in Zukunft aussehen mag), ein Grossteil der sozialen Kommunikation und Meinungsäußerung wird über das Internet abgewickelt werden. Diese Zukunft hat für manche Bürger heute schon begonnen und wird immer mehr bei uns Einzug halten. In solch einem Szenario eine Internetsperre zu verhängen, ist daher schärfstens zu verurteilen. Dies wird natürlich nicht dadurch besser gemacht, dass diese Sperren automatisch verhängt werden sollen. Unsichere WLAN-Zugänge oder Computerviren, die illegale Inhalte herunterladen, können ihr übriges tun, jemand eigentlich Unschuldigen schnell mit einer Sperre zu konfrontieren.

Wir sollten uns daher genau überlegen, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen. In einer, wo man nur einen Teil der Informationen abrufen kann, evtl. dafür bezahlen oder sich registrieren muss, um seine Meinung kundzutun, wo man mit einem versehentlichen Klick entweder seinen gesamten Internetzugang sperren oder gar eine Hausdurchsuchung heraufbeschwören kann (Stichwort: Internetsperren hier in Deutschland).
Oder in einer Gesellschaft, wo man sich frei und ohne Angst vor Konsequenzen äußern kann, wo man auf alle Informationen freien Zugang hat und wo nicht ein falscher Klick ausreicht, um sich verdächtig zu machen. Ich wäre für letzteres Szenario, denn dies würde der Demokratie gut tun. Wir haben jetzt die Chance, einen viel größeren gesellschaftlichen Dialog abseits der Mainstreammedien hinzubekommen, als wir es je hatten. Wir sollten uns diese Chance nicht verbauen und brauchen daher ein möglichst freies Internet.

Aus diesen Gründen würde ich Sie bitten, den von La Quadrature du Net zusammengestellten „Citizens’ Rights Amendments“ und den damit verbundenen Abstimmungslisten, die Sie im Anhang finden, zuzustimmen.

In der Hoffnung, dass gerade die bevorstehende Europawahl Sie im Sinne der Bürger und nicht der Internet-Provider- oder Medienlobby entscheiden lässt, verbleibe ich

hochachtungsvoll,

Was sollte raus, was ist falsch, was sollte man anders formulieren? (ich werde versuchen, die englischen Begriffe noch einzudeutschen, also Report=Bericht, Ammendment = Änderungsantrag usw.)

Gerne kann dieser Text natürlich auch kopiert und verändert und an euren Abgeordneten geschickt werden.

Ich würde den dann morgen früh rüberschicken mit folgenden Anhängen:

Wie finde ich meinen Abgeordneten?

Laut Kommentaren auf netzpolitik ist das nicht so einfach, aber man muss sich im Moment auch nur auf die SPD und CDU konzentrieren.

Kandidat heisst natürlich nicht unbedingt, dass man jetzt schon im Parlament ist.

Weiterhin gibt es heir noch ein paar Links zu den Berichten und den Tagesordnungspunkten:

(Danke an Jens für die Links in den netzpolitik-Kommentaren)

 

Update: Ich habe noch einen Absatz über die gesellschaftlichen Auswirkungen eingebaut, Rechtschreibfehler verbessert und die englischen Begriffe in deutsche übersetzt. Ich werde es dann gleich mal abschicken.

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35 comments

prima, das ist so in ordnung. aber dein reply-feld ist etwas verwirrend. :-)

by markus on 4.5.2009 at 18:54. #

Danke! Ich sehe gerade, dass hier einiges nicht so in Ordnung ist, wahrscheinlich dank Sonderzeichen per Copy/Paste.

Dennoch die Frage, ob denn die Abstimmungslisten als Word oder OO existieren, dann kann ich die einfacher kopieren.

by Christian Scholz on 4.5.2009 at 18:59. #

[...] bei mr.topf gibt es einen Briefentwurf und Tipps wie man seinen Abgeordneten raus finden [...]

by Jan sein Blog › Unschuldsvermutung? Gewaltenteilung? Von zwei Frauen abgeschafft… on 4.5.2009 at 23:10. #

Ich sag man "In der Hoffnung, dass gerade die bevorstehende Europawahl Sie im Sinne der Bürger und nicht der Internet-Provider-Lobby entscheiden lässt, verbleibe ich" — nicht die Internet-Provider sind das Problem sind. Sondern eher die Medienkonzerne und die Angetrauten derer Chefs.

by Hmhm on 4.5.2009 at 23:41. #

@Hmhm, ok eigentlich müssen beide da stehen. Bei Netzneutralität geht das eher von den Providern aus (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Netzneutralität… bei dem Three-Strikes geht es von der Medienindustrie aus. Also werde ich das wohl noch etwas umformulieren. Danke!

by Christian Scholz on 5.5.2009 at 01:32. #

[...] Freundlicherweise hat Christian Scholz aka Mr.Topf einen Textvorlage verfasst, die man an seine Europaabgeordneten schicken kann: Noch bis Mittwoch: Kontaktiert eure Europa-Abgeordneten wegen des Telecoms-Pakets! [...]

by antischokke » Nur noch heute: Europaabgeordnete zum Telekom-Paket kontaktieren! on 5.5.2009 at 14:03. #

Fax ist eben durchgegangen.

by we5 on 5.5.2009 at 14:17. #

[...] Mr. Topf hat einen dafür geeigneten Musterbrief verfaßt und zur Verfügung gestellt, den ich, leicht editiert, hier wiedergebe: Sehr geehrte/r…., ich schreibe Ihnen aufgrund der am Mittwoch bevorstehenden Abstimmung zum Telekom-Paket und der drohenden Einschränkung der freien Kommunikation im Internet sowie der Grundrechte der Internetnutzer. Im Detail geht es um den Änderungsantrag 166 im Harbour-Bericht sowie den Änderungsantrag 138/46 im Trautmann-Bericht. Bei beiden wurden seit der ersten Lesung wichtige Sicherheitsmechanismen zum Schutz der Grundrechte und der Freiheit von EU-Bürgern verwässert. Ich bitte Sie daher für die Wiederherstellung dieser Passagen zu stimmen. [...]

by » Karan - Wir können etwas tun @ Karan on 5.5.2009 at 14:56. #

Das ist super, herzlichen Dank! :-)

(Eine klitzekleine Korrektur möchte ich gerne vorschlagen: "wird der Demokratie gut tun" statt "würde" und "bitte ich Sie" statt "würde ich Sie bitten". Echte Demokraten haben es nämlich überhaupt nicht nötig, sich in Konjunktiven zu wälzen… ;-))

by Karan on 5.5.2009 at 16:31. #

P.S.: die bayerischen Kandidaten stehen hier: http://www.csu.de/europawahl/kandidaten/index.htm

by Karan on 5.5.2009 at 16:35. #

Danke, hab es gerade mal überflogen, sieht ziemlich gut aus. Werde heute abend PDFs basteln und an die Abgeordneten faxen …

by Jens on 5.5.2009 at 18:33. #

@Christian: Ich frage mich ehrlich gesagt, WO bei La Quadrature die inhaltliche Arbeit stattfindet. Aus den veröffentlichten Texten sind ja offenbar alle Infos, die das ansatzweise nachvollziehbar machen würden, schon wieder rausgelöscht.

Eigentlich müßte ich da mal nachfragen. Für die aktuelle Kampagne bringt es aber eh nichts mehr. Und ich befürchte dieselbe Ignoranz, die mir bei der letzten Kampagne bei Netzpolitik.org begegnet ist … Da wurde allen Ernstes behauptet, das müsse nunmal so kompliziert und kryptisch sein.

by Jens on 5.5.2009 at 18:50. #

Wie die genau arbeiten, weiss ich leider auch nicht, aber auf jeden Fall wird wohl das meiste auf französisch stattfinden. Aber interessieren würde mich das auch mal.

Aber es scheint ja immerhin schon viel mehr zu sein, als hier stattfindet, es gibt zumindest ja anscheinend Leute, die da ein bisschen mehr drin sind und sich nicht nur 2-3 Tage vor ner Deadline mit dem Thema und den Strukturen beschäftigen (so wie ich). Und eine Meldung bei netzpolitik ist zwar gut, aber reicht nicht wirklich aus. Auf La Quadrature hat man ja auch die gesammelten Argumente und Gegenargumente und Beispiele für Telefongespräche. Ist aber wohl auch alles eine Frage des Personals/der Zeit.

Was die Kompliziertheit betrifft, so werden wir wohl kaum die europäischen Strukturen so schnell ändern können. Helfen würde aber sicherlich auch schon zu wissen, wo man denn nachschauen kann. Beim PolitCamp wurde zwar gesagt, dass die EU an Transparenz nicht zu überbieten sei, da alle Dokumente veröffentlich (in diesem Fall aber wohl eher spät und dann noch schnell geändert, nämlich heute) und übersetzt werden, aber da das alles so ein Wust an Strukturen und eben Dokumenten ist, weiss man vielleicht auch nicht direkt, wo man nachschauen soll und was es dann bedeutet.

Ich muss aber auch gestehen, dass ich mich mit den Strukturen der EU noch nicht so beschäftigt habe, dies aber jetzt auch mal nachholen werde. Ein paar europ. Blogs sind schonmal abonniert und demnächst durchforste ich mal die Seiten der EU.

by Christian Scholz on 5.5.2009 at 18:58. #

@Karan Danke, ich tendiere zu etwas zu komplizierten Formulierungen ;-) Leider ist meins schon raus, aber andere können es ja noch besser machen.

Zudem sollte es eh jedermann vielleicht etwas abändern. Wäre mehr Zeit hätte ich auch versucht, mehr die Argumentation darzulegen als den eigentlichen Text, aber dazu muss man erstmal komplett durchblicken.

by Christian Scholz on 5.5.2009 at 19:00. #

Wie gesagt: Es mag zwar relativ kompliziert sein, aber man muß es (insbesondere einen einzelnen konkreten Vorgang) nicht kompliziert erklären. Und man sollte ihn vor allem überhaupt erklären. Also mit Verweisen auf die Gepflogenheiten des Parlaments, die Geschäftsordnung, mit Quellenangeben, etc. Ich finde mit den ganzen Vorgangsnummern etc. auch noch nicht 100% durch, bin aber dran an dem Thema. Nur würde ich es halt gerne erklärt haben, damit ich es verstehe und etwas lernen kann …

by Jens on 5.5.2009 at 19:02. #

Da gebe ich Dir Recht, fällt aber wahrscheinlich meist wieder wegen Zeitmangels unter den Tisch. Wie gesagt weiss ich auch nicht, was bei denen auf frz. so noch vorliegt. Dass sie das noch auf englisch schreiben, finde ich ja generell schonmal sehr lobenswert.

Vielleicht können wir ja auch nach dieser Aktion irgendwo zusammentragen, wie das generell so abläuft, so wir das verstehen :-) Gepflogenheiten und Strukturen bleiben ja gleich, die Inhalte ändern sich. Dann hätte man für Kampagnen ja auch schonmal eine Basis. Im Zweifel hat das ja auch vielleicht schonmal jemand irgendwo erklärt, aber dann müsste man es ja nur noch finden ;-)

So ein Politcamp.eu wäre daher vielleicht auch keine dumme Sache.

(nur wenn wir hier so auf deutsch diskutieren, wird das auch nur eine eingeschränkte Menge erreichen, so etwas müsste also zumindest auch noch auf englisch vorliegen und Übersetzungen könnten vielleicht ja crowdgesourct werden).

by Christian Scholz on 5.5.2009 at 19:07. #

Hört sich extrem gut an. Ich wäre fürs erste für eine Mailingliste. Inhaltliche Diskussionen sollten Nebensache sein, es sollte rein um die Verfahren gehen. Wenn man dann ein paar Verfahren verfolgt hat, könnte man in einem Wiki anfangen, ein Handbuch zu erarbeiten.

Mailinglisten-Thema: Wie funktionieren die EU-Organe?
Name: eu-howto-discuss@…

Wie wär's?

P.S.: Schön, daß endlich mal jemand mein Problem versteht …

by Jens on 5.5.2009 at 19:15. #

Jo, Diskussion auf der Liste, Ergebnisse ins Wiki.

Ich werde da die Tage mal was aufsetzen, ne Domain dafür hab ich auch schon. Ich persönlich würde mal auf englisch beginnen, damit Freiwillige dies dann in die anderen Sprachen übersetzen können. Oder sagen wir mal, deutsch-englisch, denn deutsch können wir ja direkt mitmachen.

Vielleicht finden wir ja auch ein paar EU-Experten, die helfen können.

by Christian Scholz on 5.5.2009 at 19:23. #

Ich habe keine Probleme damit, Ergebnisse auf Englisch einzustellen, würde aber doch gerne auf Deutsch diskutieren, insbesondere, so lange wir eh Deutsche unter uns sind …

Diskutieren ist recht nah am Denken, und das tut man doch am einfachsten in der Muttersprache.

by Jens on 5.5.2009 at 19:26. #

Kein Problem, man kann ja auch einfach schauen, was so passiert und entsprechend reagieren.

by Christian Scholz on 5.5.2009 at 19:42. #

Mein Text:

morgen sind Sie aufgerufen, im Rahmen des Telekom-Pakets auch über den Harbour- und den Trautmann-Bericht abzustimmen. Diese Abstimmung ist für die Bürger der Europäischen Union besonders kritisch, weil eine Einschränkung der freien Kommunikation im Internet droht und der Grundrechte der Internetnutzer gefährdet sind.

Im Detail geht es um den Änderungsantrag 166 im Harbour-Bericht sowie den Änderungsantrag 138/46 im Trautmann-Bericht. Bei beiden wurden seit der ersten Lesung wichtige Sicherheitsmechanismen zum Schutz der Grundrechte und der Freiheit von EU-Bürgern verwässert. Ich bitte Sie daher für die Wiederherstellung dieser Passagen zu stimmen.

So wurde der Änderungsantrag 166 zum Harbour-Bericht durch eine Version ersetzt, die keinerlei schützende Wirkung mehr hat. Es geht hier um Netzneutralität, also den diskriminierungsfreien Zugang zu Internetinhalten, die durch diese Änderung nicht mehr garantiert werden kann. So wurde auch ein schwacher Schutz gegen "`Netzdiskriminierung"' komplett neutralisiert, so daß Internet-Anbieter aussuchen könnten, welche Inhalte, Dienste und Anwendungen über ihre Netzwerke erreichbar sind. Dies bedeutet jedoch einen kritischen Eingriff in die Informationsfreiheit, wenn bestimmte Inhalte nur durch bestimmte Internet-Provider zugänglich sind. Hinzu kommt, dass auch kleine Inhalteanbieter, wie z.B. Blogs oder generell individuelle EU-Bürger, diskriminiert werden könnten.

Auch der Änderungsantrag 138/46 zum Trautmann-Bericht wurde durch eine schwächere Version ersetzt. Bevor die vor allem in Frankreich diskutierten „graduate response“/“three strikes“-Maßnahmen damit abgewehrt werden könnten, wäre jedenfalls eine jahrelange juristische Auseinandersetzung bis zum Europäischen Gerichtshof notwendig.

Mir ist unbegreiflich, wie es — entgegen der Abstimmung bei der 1. Lesung im Parlament — zu solchen Vorschlägen kommen konnte.
Der Internetzugang wird in Zukunft unseren gesamten Lebensbereich beeinflussen: Telefon und Fernsehen (wie immer dies in Zukunft aussehen mag), ein Grossteil der sozialen Kommunikation und Meinungsäußerung wird über das Internet abgewickelt werden. Diese Zukunft hat für manche Bürger heute schon begonnen und wird immer mehr bei uns Einzug halten. In solch einem Szenario eine Internetsperre zu verhängen, ist daher schärfstens zu verurteilen. Dies wird natürlich nicht dadurch besser gemacht, dass diese Sperren automatisch verhängt werden sollen. Unsichere WLAN-Zugänge oder Computerviren, die illegale Inhalte herunterladen, können ihr übriges tun, jemand eigentlich Unschuldigen schnell mit einer Sperre zu konfrontieren.

In gleicher Weise trifft dies für die Wahrung der Netzneutralität zu: Niemand würde auf die Idee kommen, Telekommunikations- oder Postanbietern oder auch privaten Fernstraßenbetreibern eine inhaltsbezogene Diskriminierung zu erlauben. Ebenso unsinnig ist dies bei den Datenautobahnen. Netzdiskriminierung würde neuartige Anwendungen und damit die freie Entfaltung der Persönlichkeit der EU-Bürger behindern. Außerdem würde sie den Fortschritt hemmen und so verhindern, daß Europa zur wettbewerbsfähigsten Region der Welt werden kann.

Daher bitte ich Sie, morgen anhand der von emph{La Quadrature du Net} erstellten Abstimmungsliste abzustimmen, die Sie im Anhang finden. Besonders wichtig ist aber Ihre Zustimmung zu den Bürgerrechts-Änderungsanträgen:

egin{itemize}
item extbf{Änderungsantrag 3=7 zum Trautmann-Bericht} garantiert den Zugriff auf und die Verbreitung von jedem Inhalt, jeder Anwendung und jedem Dienst.
item extbf{Änderungsantrag 1CP=2=5=6=9} (138/46 aus der ersten Lesung) extbf{zum Trautmann-Bericht} verhindert Internet-Sperren ohne Entscheidung der Justiz.
item extbf{Änderungsantrag 101=111=117 zum Harbour-Bericht} verhindert diskriminierende Verkehrssteuerungspraktiken.
item extbf{Änderungsantrag 102=112=118 zum Harbour-Bericht} gibt den Regulierungsbehörden Maßnahmen gegen solche diskriminierenden Praktiken an die Hand.
item extbf{Änderungsantrag 62=94=104=119} (166 aus der ersten Lesung) extbf{zum Harbour-Bericht} gewährleistet die Netzneutralität.
end{itemize}

Ich freue mich darauf, in einigen Tagen im Sitzungsbericht nachlesen zu können, daß Sie sich für Bürgerrechte und Netzneutralität eingesetzt haben.

by Jens on 5.5.2009 at 23:00. #

Dein Link auf La Quadrature ist kaputt.

by Jens on 6.5.2009 at 00:49. #

Danke, gefixt.

by Christian Scholz on 6.5.2009 at 01:38. #

Weiß irgendjemand, wie die abgestimmt haben? Müßte jetzt irgendwann sein oder gewesen sein. Leider gibt es keine brauchbare Info in Textform, wieviel die gegenüber der Tagesordnung hinterherhängen. Vor der Ansprache des Präsidenten hatten sie wohl nur einen Bericht aus dem Abstimmungsblock (der nach der Ansprache fortgesetzt wurde) abgestimmt.

by Jens on 6.5.2009 at 15:58. #

Hier ist ein Live-Stream, der aber für mich im Moment ohne Sound ist. Überhaupt überzeugt der ganze Kram da nicht so:
http://www.europarltv.europa.eu/parliamentlive.as

Dort wird anscheinend jetzt abgestimmt. Man müsste nur noch die Ammendments vor sich haben, damit man weiss, wo die sind und damit man weiss, worüber die eigentlich gerade abstimmen.

Ich bau später dann noch ne Alternativ-Seite für's Parlament, die jetzige ist ja eher mager ;-)

by Christian Scholz on 6.5.2009 at 16:17. #

Von Twitter:

ManuelHuss Telecom-Package: Der Änderungsantrag 138 der grünen Fraktion wurde angenommen! 11 minutes ago from web

ManuelHuss TELECOM-PACKAGE = WE WON!!! 13 minutes ago from web

by Jens on 6.5.2009 at 16:30. #

http://twitter.com/laquadrature

by Jens on 6.5.2009 at 16:30. #

#hadopi citizens right amdments for Harbour report rejected

by Jens on 6.5.2009 at 16:30. #

Ich bin mal wieder verwirrt, was heisst das nun genau? ;-) Citizens Rights Amendmendts rejected ist ja nicht so gut, WE WON aber schon, also nu? :-) Ich glaub, ich warte mal auf die Analyse von La Quadrature.

by Christian Scholz on 6.5.2009 at 16:43. #

Netzneutralitäts-ÄAs bei Harbour sind nicht verabschiedet (Niederlage), Anti-Threestrikes bei Trautmann schon (Sieg).

by Jens on 6.5.2009 at 16:46. #

Ok, aber es geht jetzt in den Vermittlungsausschuss, oder? D.h. alles wieder offen und evtl. die Netzneutralitätsanträge egal? (wurde da nicht eh irgendwas aus dem Paket rausgenommen?)

by Christian Scholz on 6.5.2009 at 16:59. #

Wenn ich das richtig sehe, ist Harbour durch und Trautmann geht in den Vermittlungsausschuß. Habe zu Harbour jedenfalls noch nichts Gegenteiliges gelesen.

by Jens on 6.5.2009 at 17:07. #

Die Diskussion zur Netzdiskriminierung ist IMO auch etwas sehr abstrakt geblieben (bzw., eine Diskussion gab es ja eh nicht: La Quadrature und Netzpolitik haben einfach Ihren Action Alert ohne nähere Begründung hingekotzt.

Bei so einer dürftigen Motivation würde mir mein Chef ans Paper schreiben: "Konkretes Beispiel wäre gut."

by Jens on 7.5.2009 at 10:29. #

Da stimme ich zu, da müssen wir auch nächstes Mal mehr machen. Zum Thema steht aber ansonsten auch noch genug bei Wikipedia (dt. und engl.), das hätte man vielleicht schonmal als Argumentationsgrundlage nehmen können.

by Christian Scholz on 7.5.2009 at 12:06. #

Jens, die Mailingliste existiert nun:
http://netzaktivisten.eu/mailman/listinfo/netzakt

by Christian Scholz on 7.5.2009 at 21:36. #