Verteilte soziale Netzwerke mit WordPress: DiSo
by Christian Scholz on January 14, 2008
Im Moment ist ja die Data Portability Working Group in aller Munde und auch ich beschäftige mich ja so ca. seit November letzten Jahres vermehrt mit dem Thema. Das was mir im letzten Jahr aber zunächst also Projekt aufgefallen war, war nicht die DP Working Group, sondern DiSo.
DiSo steht für “Distributed Social Networking Applications“. Ins Leben gerufen wurde es von Chris Messina und Steve Ivy, die sich nach der Veröffentlichung von OpenID 2.0, OAuth Core 1.0 zusammengetan haben, um die Idee eines verteilten sozialen Netzwerks mit Leben zu füllen. Als erstes Ziel haben sie sich dazu WordPress herausgepickt, da es für WP schon diverse Plugins gibt, die in die Richtung gehen (und wahrscheinlich wegen des persönlichen Gefallens). Damit das ganze Sinn macht, sollen die dabei umzusetzenden Konzepte jedoch nicht nur auf WP beschränkt bleiben, sondern später auch auf anderen Plattformen implementiert werden.
Was ist denn nun DiSo?
Man kann es vielleicht als konkrete Implementierung der Ideen sehen, um die sich die Data Portability Group kümmert, wobei es teilweise aber wohl auch ein paralleles Projekt ist, denn man will wohl nicht erst warten, bis die DP Group ihre Idee in einem technischen Draft ausformuliert hat. Man hat daher auch schon mit der Implementierung begonnen.
Zunächst wurde das wp-microformatted-blogroll plugin genommen, in wp-contactlist umbenannt und als Ausgangspunkt für die Freundesrelationships genommen. Weiterhin spielt natürlich OpenID eine grosse Rolle, denn dies wird wohl in den meisten Initiativen als eindeutige Identifikation eines Users und natürlich auch für dessen Authentifizierung genutzt. Hinzu kommt dann OAuth, welches dazu dient, einem User auf einer anderen Site als der eigenen beschränkten Zugriff zu geben, z.B. um die Freundesliste abzufragen.
Es wird daher auch auf Will Norris’ wp-openid-plugin zurückgegriffen.
Ein Beispiel Use Case (leider scheint sich bislang noch niemand die Mühe gemacht zu haben, allerlei möglichen Anwendungsfälle erstmal aufzuschreiben): Spam-Reduktion durch Whitelisting. Nur wenn eine Person, die bei mir kommentieren will in meinem Freundeskreis bis zu einem Grad x (also Freund eines Freundes eines Freundes…) auftaucht, soll der Kommentar auch durchgehen. Oder zumindest nicht in der Moderation landen.
Das generelle Ziel ist aber, Daten mehr abonnierbar zu machen und nicht alle Daten immer neu eingeben zu müssen. Dazu wird z.B. auch diskutiert, ob man denn XMPP oder vielleicht doch lieber RSS für Profilupdates benutzen will, denn man will ja also Abonnement auch über Profiländerungen informiert werden (z.B. wenn neue Freunde hinzukommen, man das Foto wechselt usw.). Ausser den oben genannten Standards wie OpenID und OAuth setzt man wohl auch stark auf Microformats wie hCard, XFN oder XOXO, um die Daten aufzubereiten. Also alles sehr ähnlich der Data Portability Working Group.
Wer sich dafür interessiert, sollte sich die Ideen für WordPress-Plugins einmal anschauen, die DiSo-Homepage besuchen oder aber der Google Group beitreten.
Es soll allerdings nicht verschwiegen werden, dass seit dem Hype um die DP Working Group der Traffic rund um DiSo etwas eingeschlafen zu sein scheint. Es ist sicherlich auch die Frage, wie das beste Vorgehen nun ist. In der DP sind recht viele (und inzwischen auch wichtige) Firmen vertreten, um ein solches Anliegen zumindest theoretisch durchsetzen zu können. Wenn man also in der DP einen anderen Weg einschlägt, als man mit DiSo implementiert, dann wird DiSo sicherlich eher eine Randerscheinung bleiben. Wenn man aber zusammenarbeitet (und viele der handelnden Personen sind ja in beiden Gruppen aktiv), dann kann das was werden. Dies sollten auch alle anderen Projekte bedenken, die jetzt vielleicht gestartet werden. Nur wenn es einen gemeinsamen Standard gibt, funktioniert das auch.
Nachtrag: Eine sehr interssante Diskussion zum Thema verteile soziale Netzwerke findet sich auch noch bei Robert Basic (vor allem in den Kommentaren) und auch Matthias Schwenk hat das Thema auf seinem Blog aufgegriffen.
Technorati Tags: dataportability, diso, microformats, openid, oauth, xmpp, wordpress, socialnetworks, web2.0

9 comments
Ich finde der DiSo Ansatz unterscheidet sich etwas von dem DataPortability Ansatz. Während die DataPortability Workgroup einen einheitlichen Standard und Zentrale Services (http://www.dataportability.org/graphsync/) zum Austausch persönlicher Daten schaffen will, geht DiSo den viel pragmatischeren Weg, löst geziehlt Probleme im kleinen und gibt den Social Graph (wirklich) in die Hand des Users.
Ich denke dass beide Ansätze gut nebeneinander existieren können und würde sogar fast sagen dass DiSo durch die kleinere Community fast sogar eine größere Chance hat. Beide Bewegungen sind auf alle Fälle spannend und ich bin gespannt welche Services und Plugins daraus entstehen.
by Pfefferle on 14.1.2008 at 16:17. #
Ich glaube, das Problem ist, dass beide Ansätze noch etwas darunter leiden, dass sie nicht genau definieren, welche Probleme sie eigentlich lösen wollen ;-)
Bei DiSo scheint es in dem initialen Post mehr um Spam-Protection zu gehen, aber in der Diskussion geht das natürlich auch viel weiter.
Bei der DP scheinen dagegen im Moment recht viele Menschen unterschiedliche Ideen und Vorstellungen zu haben.
Ich denke, bei beiden Ansätzen wäre es gut, wenn recht bald mal ein paar Anwendungsfälle definiert würden, so dass man sehen kann, wer eigentlich welches Problem lösen will. Vor allem bei DiSo sehe ich im Moment nämich nur Lösungen oder Lösungsideen, die Problemstellung wurde nur irgendwie noch nicht so konkret genannt.
Ich habe ja auch im gestrigen Post noch ein paar Use Cases, wie ich sie sehe formuliert und werde die später noch in das DP-Wiki übertragen. Auf der DiSo-Liste wollte ich ausserdem auch nochmal die Diskussion um Use Cases anregen.
Recht hast Du natürlich, dass DiSo der pragmatischere Ansatz ist. Bei DP habe ich so ein bisschen die Angst, dass das alles in Regelwerken stecken bleibt, denn die Roadmap sieht ja als erstes anscheind eher organisatorische Dinge wie Board etc. vor. Das ist wahrscheinlich wichtig, wenn so große Firmen mit dabei sind, damit die das nicht einfach überrennen, aber dadurch kann natürlich viel Energie verlorengehen.
Aber wir werden es sehen. Die Ideen sind auf jeden Fall da und werden diskutiert und auch wenn beides nix werden sollte, wird ein neuer Versuch kommen. Ich denke, da gibt es kein Zurück mehr.
Gespannt bin ich auf jeden Fall auch :-)
Danke für Deinen Kommenar.
by Christian Scholz on 14.1.2008 at 16:25. #
Dann bin ich mal gespannt auf die Updates :)
by Pfefferle on 14.1.2008 at 16:45. #
… deiner Ideen in den beiden Wikis
by Pfefferle on 14.1.2008 at 16:47. #
Mit den Use Cases hast du einen wichtigen Punkt angesprochen, Christian. Gerade bei der Data Portability Working Group wäre das sehr angebracht, damit auch die einzelnen Firmen sehen können, ob sie da einen Weg zumindestens bis zu einem bestimmten Punkt mitgehen können oder ob sie nicht besser gleich die Segel streichen.
Ich habe Data Portability / Portable Social Networks eigentlich immer so verstanden, dass ich mir selbst eine Grundlage schaffe (ob auf eigenem Server oder bei einem Anbieter, der das von Beginn an zulässt), um mit anderen interagieren zu können. Mir erscheint es zunächst einmal nebensächlich, ob MySpace, Facebook,… sich öffnen oder nicht.
Bei der Working Group besteht die große Gefahr, dass man sich 1) verzettelt, 2) die großen die Entwicklung bremsen und 3) Data Portability zu Grabe getragen wird, weil die Working Group zu keinem Ergebnis gekommen ist. Deshalb erscheint mir DiSo sogar wichtig, da man hier im Kleineren Ergebnisse präsentieren könnte, um den angesprochenen Punkten entgegen zu wirken. Use Cases sollten aber auch hier definiert werden.
by Carsten Pötter on 14.1.2008 at 21:35. #
Klar, erstmal das Problem aufzuschreiben ist nie eine schlechte Idee ;-)
Du hast auch recht mit DP vs. DiSo. Meine Idee war auch, einfach mal was für Plone in dieser Richtung zu implementieren, denn ich persönlich kann am konkreten Beispiel immer schneller sehen, was wie klappen könnte oder eben nicht. Auch werden die Probleme dann IMHO schneller klarer.
Wenn das dann noch mit WP-DiSo interagieren kann, umso besser.
Klar mag es nebensächlich sein, ob sich nun alle öffnen, aber es wäre ja umso besser, wenn sie es täten :) Auch hat man ein Problem wenn jeder das gleiche Ziel hat es aber jeder ein bisschen anders löst.
Wenn ich jetzt noch Zeit fände, würde ich auch die Use Cases endlich mal einstellen…
by Christian Scholz on 14.1.2008 at 21:42. #
Ich war nochmal etwas auf dem DP Wiki unterwegs und bin auf die Action Packs gestossen: http://groups.google.com/group/dataportability-pu…
Ich glaube der Punkt ActionPacks " For Bloggers and Media" wäre eine schöne Möglichkeit die zwei Projekte zu verbinden.
by Pfefferle on 14.1.2008 at 21:50. #
[...] gehaltener Artikel zum Thema. Und erste Projekte zur Umsetzung der Idee gibt es auch schon: DiSo zum Beispiel setzt auf der verbreiteten Blog-Software WordPress auf und versucht das persönliche [...]
by davidp.de » Für offene soziale Netzwerke. on 29.1.2008 at 15:32. #
Das klingt ja schon interessant.Danke für diesen ausführlichen Bericht zum Thema DiSo , hoffentlich hilft mir das-danke.
by Karla on 27.7.2009 at 14:18. #