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Begeht Twitter gerade Selbstmord auf Raten? (so wie Digg, MySpace, Second Life und andere zuvor)?

by Christian Scholz on July 4, 2012

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Am 29.6. hat Twitter einen neuen Blogpost auf ihrem Entwicklerblog veröffentlicht, der einerseits die eigenen Twitter Cards preis, aber andererseits neue Einschränkungen für Entwickler ankündigt. In topftäglich habe ich mir dazu mal ein paar mehr Gedanken gemacht:

Wenn es euch gefällt, bitte auf YouTube “Mag ich” klicken, fvorisieren und am besten auch abonnieren :-) (rechts gibt’s auch nen Button dafür).

Links:

Ankündigung vom März 2011
GigaOm zu Twitter, MySpace und Digg
LinkedIn und Twitter

Statusbericht: Verwaltungstreffen zum Ratsinformationssystem Aachen, Open Data und Aachen App

by Christian Scholz on July 2, 2012

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Am letzten Freitag war ich mit den Piraten zu Gast bei der Stadt Aachen und wir haben über das Ratsinformationssystem, die Aachen-App und Open Data gesprochen. Hier mein Bericht.

Das Ratsinformationssystem, Ratsanträge, Workflow

Wie einige vielleicht wissen, haben wir in Aachen ALLRIS im Einsatz. So wirklich gefallen tut die aktuelle Version wohl keinem und so war unsere Frage, was man generell daran verbessern kann.

Die Stadt hat uns darüber aufgeklärt, dass natürlich Updates der Software regelmässig eingespielt wurden, aber über die Zeit (seit 2004) wohl keine neuen Module hinzugefügt wurden. Insofern ist der Funktionsumfang daher auch nicht gewachsen. Das aber soll sich nun ändern.

Eine konkrete Frage war dabei die nach dem Workflow. Wer das System in Aachen kennt, der weiss, dass es eigentlich nur eine Ansammlung von Tagesordnungen mit den dazugehörigen Dokumenten ist. Der Workflow, also wie es von z.B. einem Antrag durch die einzelnen Ausschüsse in den Rat und dann zu einer Entscheidung kommt, wird also nicht abgebildet. Das allerdings soll sich wohl ändern, es soll in Zukunft möglich sein, einen Ratsantrag zu verfolgen. Das Ziel sei, Dinge sofort nach aussen zu geben, sobald sie verfügbar sind.

Das Hauptproblem sei dabei nicht die Technik, sondern eher der interne Prozess in der Verwaltung. Es geht um die Frage, wer wann genau was machen muss. Dieser Prozess ist im Moment noch in Arbeit, weswegen auch der Workflow noch nicht genau definiert ist. Es gibt allerdings Gespräche mit dem Hersteller zur Frage, wie genau sowas technisch umgesetzt werden kann (und sicherlich auch, wie viel es kostet). Zeitlich wollte man sich verständlicherweise nicht festlegen, sprach aber von etwas vorzeigbarem bis Ende des Jahres.

Nun würde es natürlich Sinn machen, den Anforderungskatalog zu veröffentlichen, so dass auch die Öffentlichkeit vielleicht noch Ideen hinzufügen kann oder überhaupt weiss, dass Erweiterungen (und welche) geplant sind. Dies allerdings will man wohl nicht, da es ja eher um interne Prozesse gehen würde, die ja den Bürger nicht interessieren. Nach aussen hin sei ja das Ziel mit der schnellstmöglichen Verfügbarkeit schon vorgegeben. Eine Verfolgung von Ratsanträgen würde sie aber auf jeden Fall schaffen. Weiterhin war von einer iPhone- und Android-App die Rede, auch da gibt es wohl schon etwas vom Hersteller. Wie weit diese Ideen gediehen sind, ist mir aber leider entgangen. Wir haben dann nochmals klar gemacht, dass eine offene Schnittstelle eigentlich das wichtigste ist, da man dann viele Erweiterungen ja auch selbst implementieren kann. Man wollte daher beim Hersteller nachhören, was möglich ist oder schon zur Verfügung steht.

Ansonsten sollen wir doch, wenn wir noch Ideen haben, diese einfach an die Stadt schicken. Das werden wir dann wohl tun, allerdings weiss ein “normaler” Bürger dann immer noch nicht, dass dies möglich ist und an wen man das denn schicken soll. Was hier wohl auch klar wurde: Eine Öffnung der Politik ist für die Verwaltung ok, eine Öffnung der Verwaltung selbst scheint eher undenkbar. Hier bedeutet das also konkret, dass ein öffentliches Brainstorming, was man am Ratsinformationssystem besser machen kann, nicht vorgesehen ist. Das ist insofern ein Problem, dass eine Verwaltung leider nicht immer weiss, welche Anforderung ein Bürger an Informations- und Partizipationswerkzeuge hat. Hier müsste also eigentlich ein Dialog stattfinden, da dies auf lange Sicht ja auch Kosten und Frust auf allen Seiten einspart. Mich persönlich interessiert nämlich sehr wohl und sehr stark, wie die Verwaltung intern eigentlich arbeitet.

Aachen App

Wie ihr vielleicht wisst, gibt es auch eine Aachen-App für iOS. Die jetzige Version war erstmal nur ein Versuchsballon, um zu sehen, ob überhaupt Akzeptanz da ist. Das scheint der Fall zu sein und daher soll sie nun auch weiterentwickelt werden. Hier gab es nicht soviel neues, ausser dass es sie demnächst auch für Android geben soll. Es wurde von uns noch eine iPad-Version angeregt, aber das hängt natürlich vom Preis ab.

Was aber auf jeden Fall noch eingebaut werden soll, ist ein richtiger Beschwerdeworkflow. Den gibt es im Web auch schon, er soll aber nun für die mobile App entsprechend angepasst werden.

Insgesamt war man wohl recht zufrieden, da man als Stadt Aachen auch noch relativ früh am Start gewesen sei.

Open Data

Auch hier ist man dran, allerdings ist das Haupthinderniss die mangelnden Regulierungen in diesem Bereich. Man will ungern selbst Regeln aufstellen, sondern erwartet das eher von Land oder Bund. Hier geht es vor allem um die Frage von Lizenzen und Datenschutz aber auch die Frage nach Veränderbarkeit von Daten kam mal wieder auf. Was also passiert, wenn jemand die Daten zieht und dann verändert wieder veröffentlicht. Wir hoffen, dass wir es geschafft haben, zumindest diese Angst zu zerstreuen, da es ja auch jetzt mit PDFs und gedruckten Unterlagen möglich, also nichts neues, ist.

Generell bleibt aber das Problem von fehlenden Rahmenbedingungen. Und hier würde ich mir von Open.NRW auch wünschen, dass man den Kommunen da unter die Arme greift. Denn man kann ja schlecht erwarten, dass Hunderte von Kommunen jeweils eigene Regeln erarbeiten. Synergie-Effekte wären hier sehr willkommen.

Insgesamt gibt es auch schon viele Daten, die veröffentlicht sind, allerdings nicht in maschinenlesbarem Format, sondern eher als PDF oder HTML. Wenn das nun z.B. CSV sein soll, dann muss natürlich die Verwaltung da ran, was man aber nicht machen will, bevor man nicht die Rahmenbedingungen kennt. Mein Eindruck war aber schon, dass man sich in das Thema einarbeitet.

Wir beendeten das Meeting indem wir noch ein paar Beispiele gezeigt haben, was man alles machen kann, wenn man denn nur Daten zur Verfügung hat.

Fazit

Insgesamt war es aus meiner Sicht ein recht produktives Meeting, zumindest hat man viel erfahren. Andersrum könnte man natürlich auch argumentieren, dass auch das, was die Verwaltung macht, eigentlich öffentlicher sein müsste. Aber es scheint sich was zu tun, wenn eben leider auch eher nicht-öffentlich.

Klar ist aber auch, was eigentlich schon vorher klar war: Land und Bund müssen langsam mal in die Pötte kommen und Ressourcen erstellen, wie Open Data in den Kommunen ermöglicht werden kann. Dies bedeutet nicht unbedingt ein Open Data-Portal, sondern vor allem erstmal Lizenz-, Urheberrechts- und sonstige Rechtsfragen.

Da andere Länder das ja schon machen, kann das ja eigentlich nicht so schwer sein.

Hier noch topftäglich 51, wo ich das auch noch einmal thematisiere:

topftäglich ist back on track!

by Christian Scholz on June 24, 2012

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Nach einer Preview gibt es also nun auch wieder topftäglich. Profitipp schonmal vorab von mir: Wenn ihr sowas macht, versucht es nicht zu perfektionistisch, sonst kommt nämlich nachher gar nix raus.

Daher also auch direkt die ersten neuen Folgen auch mit matschiger Webcam (Macbook Air), aber besser als keine Folgen. Ob ich das nun täglich mache, wird man sehen, wahrscheinlich nicht, aber Ziele muss man sich ja mal setzen.

Hier also die ersten drei Folgen. Folge 42 handelt von Altpapier, das 60 Jahre alt geworden ist und Schlagzeilen machen darf, die dann kaum einer kritisiert. Folge 43 handelt vom Auslaufmodell Demokratie und in 44 geht es um twit und twitter.

Wenn euch das gefällt, abonniert doch am besten meinen YouTube-Kanal und bewertet die Videos schön positiv. Eine Seite auf Google+ gibt es auch.

Ausserdem kann man hier ja mal gut das neue Embed-Feature von WordPress testen.

LQFB in der CDU?!?

by Christian Scholz on June 24, 2012

Oho, Herr Laschet hat nun angekündigt, dass die CDU Liquid Feedback einsetzen will, um den Sachverstand der Mitglieder mehr zu nutzen.

Das ist natürlich erstmal löblich, aber es stellt sich so manche Frage:

  • Wieso nur Mitglieder? Wieso nicht den Sachverstand aller Bürger? Oder anders genannt: Die Wähler. (gleiche Frage geht an die Piraten, die ja auch immer sehr mitgliederzentriert diskutieren)
  • Wieviele Mitglieder werden überhaupt mitmachen? Schliesslich ist Liquid Feedback im Moment nicht so das benutzerfreundlichste Tool. Schulungen müssten also wohl schon her.
  • Liquid Feedback wird ja hauptsächlich zur Abstimmung genutzt und nicht zum Diskurs. Dieser ist aber vielleicht erstmal wichtiger. Wo genau soll dieser stattfinden? In Wikis?!?

 

Was die CDU aber eigentlich machen muss, ist mehr online zu kommunizieren und ansprechbarer zu sein. Markets are conversations, aber für Politik gilt das ja noch viel mehr. Die CDU NRW hat es ja nichtmal geschafft, mir ein Protokoll ihres Parteitags zu schicken, geschweige denn, auf meine Mail überhaupt zu antworten. Bürgernähe sieht da anders aus.

Liebe CDU, beginnt doch erstmal mit Transparenz, was ihr da in euren Parteistuben da eigentlich so macht, dann schafft Diskursmöglichkeiten und erst ganz am Ende muss man über Entscheidungswerkzeuge wie LQFB nachdenken. Ohne die ersten beiden Dinge machen sie aber eh nur wenig Sinn.

Und noch etwas: Verkündet das nicht per Presseerzeugnis, denn das darf man bald nicht mehr verlinken und verschwindet auch aus dem Suchindex bei Google, sondern schreibt das z.B. in ein Blog auf eurer Homepage, wo man dann direkt mit euch darüber diskutieren könnte.

Innovationshemmung am Beispiel Personalausweis

by Christian Scholz on June 17, 2012

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Es ist recht offensichtlich, dass der Erfolg des neuen Personalausweises (nPA) in Bezug auf Anwendungen sich eher in engen Grenzen hält. Mir zumindest ist bislang noch kein Dienst über den Weg gelaufen, der es einem erlaubt, sich mit dem nPA anzumelden.

Woran das liegt, ist aber eigentlich auch klar, denn Informationen darüber, wie man denn nun Anwendungen dafür entwickelt, sind eher spärlich. Unklar ist, was man braucht, ob es Bibliotheken für die gängigen Programmiersprachen gibt und natürlich auch, was es kostet. Sicherlich steht das irgendwo, jedoch scheint man sich mehr auf grosse Konzerne als kleine Entwickler eingeschossen zu haben.

Dass das alles nur suboptimal ist, hat man nun anscheinend auch bei der Bundesdruckerei erkannt. Und was macht man da? Man ruft natürlich zu einem Wettbewerb auf! Zu finden ist dieser Wettbewerb unter dem Namen eIDEE und zu finden auf der griffen URL digitaler-handschlag.de. Kern des Wettbewerbs ist die Frage “Wie kann ein Unternehmen durch den Einsatz des neuen Personalausweises Geld und Zeit sparen, wie effizienter und kundenfreundlicher arbeiten?”. Gesucht werden dazu Ideen.

Zu gewinnen gibt es natürlich auch was, nämlich vor allem neben Sachpreisen, wie nem Mac und ähnlichem, den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis, wobei diese allerdings nicht ausgezahlt, sondern in die Umsetzung der Idee gesteckt wird.

Kurz also: Hab eine Idee und wir programmieren sie Dir. Dass man mit 10.000 Euro nun nicht wirklich weit kommen wird, scheint dabei kein Problem zu sein, sondern man sieht es wahrscheinlich als eine Art Anschubfinanzierung.

Wer ist die Zielgruppe

Anhand des Hauptpreises wird deutlich, dass man anscheinend Firmen (genauer: eine) sucht, die man dann unterstützen will, eine Anwendung zu entwickeln, die den nPA dann nutzt. Die Sachpreise dagegen scheinen sich mehr an Otto Normalbürger zu richten. Ob der aber soviele Ideen entwickeln wird und wer die dann eigentlich umsetzen und betreiben soll, ist wohl eher unklar.

So richtig klar ist mir die Zielsetzung dieses Wettbewerbs also eher nicht. Was aber klar scheint ist, dass dieser Wettbewerb dem nPA wohl kaum zum Durchbruch verhelfen dürfte. Nehmen wir einmal an, dass die Anwendung tatsächlich entwickelt wird und nicht nach Aufbrauchen der 10.000 Euro wegen Geldmangel eingestellt wird oder nie den Betrieb aufnimmt. Was man dann hat, ist genau 1 (EINE) Anwendung mehr. Nicht gerade viel.

Zielgruppe verbreitern

Wie immer, wenn es technische Neuerungen gibt, gibt es sicherlich auch viele Leute, die damit rumspielen und tolle Dinge implementieren wollen. Das sind aber im Zweifel nicht etwa die grossen Konzerne, sondern kleine Entwickler wie ich. Die müssen aber wissen, wie man denn den nPA einbindet. Zudem muss dies kostengünstig bis kostenfrei sein. Wenn die Open Source-Community z.B. hingeht und Schnittstellen für WordPress, Plone, Magento und Co. implementiert, dann wird sich auch der Einsatz des nPA verbreitern. Das geht aber nur, wenn man ihnen die Mittel zur Verfügung stellt, dies zu tun. Ein Wettbewerb ist da unnötig.

Der Erfolg des nPA kann sich nur einstellen, wenn Bürger ihn auch öfter nutzen können, denn im Zweifel hat man sonst die Bedienung, PIN oder ähnliches schnell wieder vergessen. Und dann ist das manuelle Eintippen seiner Daten deutlich schneller, als sich wieder mit dem Ausweis zu beschäftigen.

Solange man also die grosse Masse der unabhängigeren Entwickler ignoriert, wird sich auch am Erfolg bzw. Misserfolg des nPA nichts ändern.

SPD: Der Unterschied zwischen Wort und Tat

by Christian Scholz on June 16, 2012

Gestern gab es bekanntlich den Netzpolitischen Kongress der SPD-Bundestagsfraktion, über den heute.de so berichtet:

“Die Politik ist zu angstvoll”, sagt Frank-Walter Steinmeier. Genau das sei sein Eindruck. [...] Es geht darum, wie sehr das Internet die Gesellschaft verändert. Wie die Politik reagieren sollte. Nicht angstvoll also, findet Steinmeier. Dass sich das Verwalten von Herrschaftswissen in der Politik nicht durchsetzt, “haben selbst die alten Sozialdemokraten verstanden”, erklärt er. Das sei kein Zukunftskonzept. Es brauche mehr Transparenz sagt der Mann, der 2013 gerne gegen Angela Merkel bei der Bundestagswahl antreten würde. Klingt nach einer Volkspartei in der Post-Piraten-Phase. Nach einem Politiker, der die Veränderungen in der digitalen Gesellschaft bemerkt.

Wie man diese neue Transparenz dann umsetzt, sieht man dann heute. Da nämlich fand der Parteikonvent der SPD statt, den manche auch als kleinen Parteitag bezeichnet haben. 200 Delegierte haben sich dazu in Berlin eingefunden und haben getagt. Allerdings nicht öffentlich, wie ja sonst bei Parteitagen üblich, sondern hinter verschlossenen Türen.

So also sieht die neue Transparenz der SPD aus? So sieht es aus, wenn Politik nicht angstvoll ist? Wohl kaum. Auch frage ich mich, was dies denn für die innerparteiliche Demokratie bedeutet. Man wählt zwar Delegierte, aber bekommt dann nicht mit, was die diskutieren, noch kann man sich beteiligen? Insgesamt würde ich diesen Konvent wohl eher als Rückschritt sehen.

Doch ist es auch nicht sonderlich überraschend, wenn man weiss, wie der netzpolitische Kongress am Vortrag weiterging. So schreibt Sonja Schünemann bei heute.de weiter:

Doch beim Bemerken bleibt es bei Steinmeier dann wohl auch. Nach jedem offen klingenden Satz folgt die Einschränkung auf dem Fuße: Transparenz habe schließlich auch Grenzen, geschützte Räume seien nötig, sagt er und erzählt lauter Geschichten aus seiner Zeit als Außenpolitiker und wie überlebenswichtig Geheimhaltung da oft gewesen sei. Partizipation gehe auch nicht immer: “Es gibt infrastrukturelle Maßnahmen, die nicht mit jeder Kommune besprochen werden können”, sagt er. Die Chance, mit den mehr als hundert anwesenden Interessierten neue Ideen zu spinnen und die Zukunft ins Unreine zu denken, Chancen für seine Partei zu überlegen, verpasst er, weil sich der Politiker Steinmeier genau so benimmt, wie er vorher Politiker kritisiert hatte: Er scheint angstvoll digitalen Neuerungen gegenüber. Nach heute sei eins klar, twittert ein SPD-Mitglied prompt und klingt reichlich frustriert, “sollte Steinmeier Kanzler werden, können wir das mit einer wirklich progressiven Netznutzung vergessen”.

Dass dies aber nur ein Steinmeier-Problem ist, das wage ich doch mal zu bezweifeln – gerade nach dem heutigen Konvent und auch den dazugehörigen Tweets, die den Konvent mit einer Mannschaftsbesprechung der Nationalmannschaft verglichen, die ja nun auch nicht öffentlich sei.

SCHUFA-Empörung: Hasso-Plattner-Institut knickt ein.

by Christian Scholz on June 8, 2012

Das ging ja schnell. Eine Empörungswelle im Netz und schon verkündet das Hasso-Plattner-Institut, dass das Forschungsprojekt mit der Schufa gekündigt wurde:

Den mit der SCHUFA Holding AG bestehenden Vertrag über eine Zusammenarbeit bei der Grundlagenforschung rund um technische Verarbeitung öffentlicher Web-Daten hat das Hasso-Plattner-Institut (HPI) heute gekündigt. Angesichts mancher Missverständnisse in der Öffentlichkeit über den vereinbarten Forschungsansatz und darauf aufbauender Reaktionen könne ein solches wissenschaftliches Projekt nicht unbelastet und mit der nötigen Ruhe durchgeführt werden, erklärte HPI-Direktor Christoph Meinel.

Gestern gab es anscheinend auch schon eine Pressemitteilung (Achtung: PDF!), die versucht hat, klarzustellen, was genau das Forschungsprojekt eigentlich umfasst:

Es geht bei dem Drittmittelprojekt schlicht um Forschung, die eine fundierte und belastbare Grundlage für eine abgewogene Bewertung dessen liefern kann, welche WebDaten überhaupt verwertbar und welche Informationen generierbar sein könnten im Netz – dies ausdrücklich und vor allem auch unter dem Aspekt von gesellschaftlichen Risiken.

Nur ein kleiner Teil der Ideen in der zitierten Liste bezieht sich überhaupt auf ausdrücklich personenbezogene Daten, der viel größere auf ganz allgemeine Daten, zum Beispiel Bevölkerungsdaten, aus dem Internet. Das HPI hat den Journalisten gegenüber betont, dass es selbstverständlich weder geplant noch vertraglich vereinbart ist, personenbezogene Daten, die im Rahmen der Forschungstätigkeit des HPI entstehen, der Schufa zur Verfügung zu stellen.

Leider wird daraus immer noch nicht klar, was genau sie denn untersuchen wollen. Angeblich gab es weiterführende Informationen per Pressemitteilung und auf den Homepages, jedoch konnte ich diese nicht finden. Ein bisschen mehr Social Media-Kompetenz täte dem Institut also gut, vor allem, wenn man genau das untersuchen will.

Weiter unten wird es dann aber zumindest ein bisschen klarer:

Zum Hintergrund: Es geht nicht etwa um das Ausspionieren von Geheimdaten, sondern um das Auffinden öffentlicher Informationen, die im Netz stehen, weil sie jemand dort bewusst hinein und damit zur Verfügung gestellt hat. Die meisten dieser Daten sind für jeden Internetnutzer durch ganz normale Suchmaschinen-Abfragen manuell recherchierbar. Das HPI untersucht lediglich die automatisierte Suche – sowohl an der Oberfläche als auch in der Tiefe des Web. Suchmaschinen und ihre Webcrawler werden ja ständig weiterentwickelt, so dass Internetseiten, die in der Vergangenheit noch zum so genannten Deep Web gehörten, längst schon Teil des „Oberflächenwebs“ sind. Ignoriert wird von den beiden Journalisten schlichtweg, dass etwa Daten im Deep Web zwar für die meisten unsichtbar, aber doch recherchierbar sind. Berücksichtigt wird auch das so genannte „dark web“, also Daten, die für angemeldete Internetnutzer offen sichtbar sind.

Mir ist nun leider unbekannt, was denn das “Oberflächenweb” und das “Deep Web” sein sollen und auch ist unklar, ob mit “dark web” nicht doch Freundesdaten gemeint sind. Denn “öffentlich” gibt es ja gar nicht, es gibt immer nur einen angenommenen und tatsächlichen Kontext. Und genau darum geht es ja bei diesem “Skandal”. Der User hat beim Veröffentlich ja eben nicht daran gedacht, dass es mal von der SCHUFA ausgelesen werden könnte. Und er weiss dann auch immer noch nicht, was die SCHUFA damit machen würde. Insofern hört sich dieser Absatz doch eher so an, als würde er den Kritikern recht geben. Er zeigt zudem, dass das HPI die Problematik noch nicht einmal reflektiert zu haben scheint.

Hier würde ich mir mehr Informationen wünschen, auch wenn das Projekt jetzt abgeblasen ist, was ich im übrigen auch schade finde, denn mehr Forschung in dem Bereich wäre nicht schlecht.

Vielleicht kann man das ja noch einmal überdenken, es an eine unabhängigeren Auftraggeber koppeln und dann vor allem auch hier viel transparenter kommunizieren.

Der Schufa-Vorstoss zeigt: Datennutzung muss reguliert werden

by Christian Scholz on June 8, 2012

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Die Empörung ist gross: Die SCHUFA “spioniert” soziale Netzwerke aus, um die so gewonnenen Informationen zum Scoring mit nutzen zu können (heise). D.h. zunächst soll erstmal nur geforscht werden, ob das überhaupt Sinn macht.

Während Haupt-Panik-Datenschützer Thilo Weichert meint, dass dies rechtlich schon gar nicht ginge, ist Thomas Stadler da anderer Meinung. Allerdings hängt es natürlich davon ab, wie sie es machen. Nehmen sie einfach das, was öffentlich auffindbar ist oder tricksen sie Nutzer dazu, Freund zu werden? Arbeiten sie gar mit Facebook zusammen um an alle Daten zu kommen? Letzteres halte ich für deutlich unwahrscheinlich, denn generell rückt Facebook Daten ja nicht so einfach raus.

Datennutzung ist das Problem

Nun ist das mit der SCHUFA nur ein akuter Fall, von denen sicherlich in der Zukunft noch weitere auftreten werden. Die Frage ist aber, wie man das in Zukunft denn regeln will. Datenschützer rufen gerne “Datensparsamkeit!”, doch würde dies ja bedeuten, dass man besser gar nicht mehr öffentlich kommuniziert, da man ja nie weiss, was später einmal mit diesen Inhalten gemacht wird. Dann aber wäre eine Riesenchance der vernetzten Gesellschaft dahin.

Wenn etwas reguliert werden sollte, dann wohl eher die Frage der Datennutzung. Es ist ja nicht so schwer, der Schufa und ähnlichen Unternehmen vorzuschreiben, welche Daten sie erheben dürfen und zu welchem Zweck. Auch muss man dabei sicher die andere Seite im Auge behalten, denn als Unternehmen hat man sicherlich kein Interesse daran, dass 50% der Rechnungen nicht bezahlt werden. Die Schufa macht also schon Sinn.

Doch müssen SCHUFA und Co. transparenter werden. Ein Auskunftsanspruch reicht da meines Erachtens nicht aus. So sollte klar dokumentiert sein, welche Daten welche Auswirkungen haben, also der Algorithmus offengelegt werden. Auch sollte man bei einem negativen Bescheid als Kunde auch eine ausführliche Erklärung bekommen, warum man diesen bekommen hat (inklusive Einspruchsmöglichkeit).

Und dann stellt sich eben die Frage, welche Daten überhaupt zum Scoring herangezogen werden dürfen. Gerade im Bereich der sozialen Netzwerke stellt sich z.B. die Frage des Identity Theft oder generell der Unschärfe der Identifizierung. Und selbst im Offline-Bereich ist fraglich, ob man denn die Gegend, in der man wohnt, als Scoring-Input nutzen können darf. Zahlen alle meine Nachbarn keine Rechnungen und hat ein Scoring-Unternehmen keine Daten über mich, so kann es ja durchaus passieren, dass man allein aus diesem Grund keinen Vertrag bekommt (was ja schon passiert ist). Das aber darf nicht sein (und wie man liest, tut die SCHUFA das auch nicht).

Also ist die Politik hier gefragt, und zwar nicht für das Schreiben von Pressemitteilungen, sondern für eine Diskussion des Themas und klare Regeln. Noch aber ist das alles ja eh erstmal ein Forschungsprojekt und ich muss zugeben, dass ich an den Ergebnissen eigentlich auch recht interessiert bin. Danach aber sollte man noch mal reden.

Medienpolitik is broken, please fix!

by Christian Scholz on June 4, 2012

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Es wird wohl nicht viele Menschen überraschen, wenn ich sage, dass Medienpolitik in der vor-Internet-Zeit steckengeblieben ist. Vieles, was reguliert wird, passt einfach nicht auf das Internet und statt Innovationen zu fördern, werden sie eher verhindert. Google Hangouts on Air ist dabei nur das aktuellste Beispiel.

Mit einem Modell, das von wenigen Sendern, die an viele Empfänger senden, ausgeht, kommt man also heutzutage nicht mehr so richtig weit. Das Kernproblem ist heutzutage ja schliesslich nicht mehr die Knappheit von Frequenzen, sondern eher im Gegenteil, die unbegrenzte Verfügbarkeit.

Von daher ist es auch kaum überraschend, dass man das Medium Internet kaum durch Mittel der klassischen Rundfunkregulierung fassen kann. Das aber genau ist das, was derzeit passiert, indem man nämlich das Thema Internet an Rundfunkstaatsverträge und ähnliches andockt.

Dabei gibt es natürlich sehr deutliche Unterschiede:

  • Dank des Internets kann jeder senden, so er einen Internetzugang hat. Und dies sogar auf beliebige Art: Text, Bild, Video, Audio, Live Stream, alles geht. Und nicht nur geht es, es ist auch viel interaktiver möglich denn je – TED ist jetzt erwachsen.

  • Sendefrequenzen sind begrenzt, im Internet aber gibt es keine erfahrbaren Grenzen. Jeder kann senden, soviel er will.
  • Die Formate im Netz sind vielfältiger. Es gibt weniger Sender, die “always on” sind und ein festes Programm haben. Stattdessen findet alles unregelmäßiger und auch kleinteiliger statt (z.B. Tweets).
  • Beim klassischen Rundfunk sind die Sender gross, im Internet sind es eher die Verteilungsplattformen wie YouTube, Facebook und Co. Dies jedoch bedeutet einen deutlich anderen Regulierungsansatz. Die Sender selbst sind dagegen eher klein, haben aber in den meisten Fällen eher wenig Reichweite, die potentiell aber unendlich ist.
  • Sind beim klassischen Rundfunk die Sender (fast) alle im Inland, so ist dies bei den Verteilungsplattformen nicht mehr der Fall. Rechtsdefinition und -durchsetzung wird damit schwieriger.

(von den Herausforderungen für das Urheberrecht sehe ich hier einmal ab)

All diese Dinge scheinen bislang nur in Ansätzen von der Medienpolitik beachtet zu werden und wenn, dann versucht man es durch die Mittel des Rundfunks regulieren zu wollen.

Bedenkt man aber, dass das Internet auf dem Vormarsch ist und selbst dank Digitalisierung die Begrenzungen bei den Rundfunkfrequenzen fallen, wäre es da nicht genau jetzt die Zeit, mal über eine komplette Überarbeitung nachzudenken, Zielsetzung inklusive?

Schön wäre es, aber wohl eher illusorisch. Dennoch sollte man einzelne Themen bald angehen, hier ein paar Beispiele:

Bürgermedien kann viel mehr sein als nur Bürgerfunk

Bürgermedien sind je nach Bundesland unterschiedlich geregelt, bedeuten unterschiedliche Dinge und werden mit unterschiedlich viel Geld versorgt. Dennoch ist oftmals der Bürgerfunk im Zentrum, also einer durch Bürger produzierten Sendung im klassischen Rundfunk.

Wenn Bürger senden, ist das natürlich zu begrüßen, aber dazu bedarf es heutzutage keines klassischen Rundfunks mehr – ein Internetanschluss reicht.

Gefördert werden sollten also Bürgermedien 2.0. Das heisst, es müssen nicht notwendigerweise Sendetechnik und Frequenzen zur Verfügung gestellt werden, sondern generell eher Motivation und Hilfestellung, so dass Bürger eigenständig senden können und wollen. Je mehr dies tun, desto besser für unsere Demokratie und unsere Gesellschaft.

Ein weiterer Vorteil ist zudem, dass diese Art des Sendens unabhängiger von Staat, Rundfunk oder Sendezeitfenstern ist. Es geht auch weiter, wenn das Geld weniger wird und ist damit eher eine Investition in die Zukunft.

Dies könnte durch folgende Maßnahmen geschehen:

  • Bereitstellung von Tutorials und Schulungen zum Thema. Dies sollte schon in der Schule beginnen. Vermittelt werden sollten einerseits das technische Rüstzeug, was das Senden betrifft, aber auch Grundlagen von Journalismus, Recherche oder Sprachtraining.

  • Bereitstellung von Rohmaterial durch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten unter CC-Lizenz und einfach herunter- und weiterverarbeitbar. So braucht nicht jeder Blogger oder Podcaster ein weltweites Korrespondentennetz, sondern könnte auf das bestehende Netz der Sender zurückgreifen. Auch Langfassungen von Interviews könnte man so durch Bürger weiterverarbeiten und kommentieren lassen. Schlussendlich fände ich persönlich ja einen Feed rein mit Pressekonferenzen nicht schlecht.

Überarbeitung der Medienregulierung in Bezug auf das neue Sendermodell

Dank Google Hangouts on Air haben wir einmal mehr von der 500-Zuhörer-Regelung erfahren, ab der ein Medienangebot als Rundfunk gelten könnte. Gilt es aber einmal als Rundfunk, wird alles komplizierter. Da schon potentiell 500 gleichzeitige Zuhörer reichen, fällt eigentlich jeder Livestream schon darunter.

Das aber erstickt Bürgermedien 2.0 ja gleich im Keim. Sicherlich gibt es noch weitere solche Regelungen, die wahrscheinlich alle mal mit gutem Grund eingeführt wurden, aber heutzutage vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß sind. (Nebenbemerkung: Ich fände gut, wenn man in Gesetze auch den Grund für dessen Entstehung dokumentieren müsste).

Hier sollte man also mal durchgehen und aufräumen. Und man sollte einmal hingehen und sich fragen, was denn eigentlich genau die Ziele einer Medienregulierung sind.

Überregulierung der öffentlich-rechtlichen Anstalten

Ich denke, wir sind uns alle einig, dass die Depublizierung von Inhalten abgeschafft gehört. Es ist generell ein Unding, wenn jemand gezwungen wird, einstmals veröffentlichte Inhalte wieder zu entfernen. Zudem ist es ja leider nicht so, dass man diese dann bei den privaten Mitbewerbern finden würde. Information wird also vernichtet.

Von daher ist eher das Gegenteil zu fordern: Das Online-Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender muss ausgebaut werden. Auch eine 17 Uhr-Tagesschau sollte auf ewig auffindbar sein und zudem sollte eine Weiterverwendung ohne grosse Probleme möglich sein – auch kommerziell. Man könnte wie bei Open Data von Open Media sprechen. Wir GEZ-Zahler haben es bezahlt, wir wollen es auch nutzen dürfen.

Wann beginnen wir?

Dies wäre die Frage. Pressemeldungen über Missstände veröffentlichen ist ja nur Schritt 0, die nächsten Schritte sollten bald folgen. Einfach wird es natürlich auch nicht, da unser förderales System und vor allem Staatsverträge (die das sozusagen wieder entförderalisieren und zwar auf eine demokratisch etwas problematische Art) dies verhindern.

Packen wir also noch ne Frage dazu: Wie beginnen wir?

Was fällt euch noch ein? Was muss dringend mal überarbeitet werden? Weitere Anregungen gern in den Kommentaren!

Oberbürgermeister Aachen so: Bürgerbeteiligung in Aachen gut gelöst. Bürger so: Hä?

by Christian Scholz on May 23, 2012

Heute in der der Fragestunde für Einwohner vor der Ratssitzung in Aachen gab es eine Frage, die die Bürgerbeteiligung thematisierte. Wenn ich das richtig verstanden habe, wurde das Verfahren gerade in Bezug auf die Musikschule hinterfragt (es ging um Brandschutz und einen evtl. Umzug, der nun aber plötzlich doch nicht mehr stattfinden muss).

Die Antwort des Oberbürgermeisters darauf war, dass die Stadt Aachen Bürgerbeteiligung sehr ernst nehme. Man würde in interfraktionellen Sitzungen besprechen, welche Art der Beteiligung für welchen Fall geeignet sei und man wisse das wohl auch immer genau. Das Beispiel Musikschule würde auch zeigen, dass das Mittel Bürgerforum sehr gut geeignet sei, um den Bürger einzubinden. Bürgerbeteiligung in Aachen sei also schon sehr gut.

Dumm nur, dass man nur von Seiten der Politik hört, wie toll Bürgerbeteiligung schon sei. Die Bürger, die ich so höre, sind da durchaus anderer Meinung. Auch diese Beschwerde zeigt ja, dass es wohl noch nicht so optimal läuft. Auch das Mittel der interfraktionellen Sitzung, politisch für “Geheimtreffen”, dient wohl kaum der Verbesserung der Bürgerbeteiligung, denn was der Bürger eigentlich will und erwartet, weiss Politik ja gar nicht. Dazu müsste man ja mit dem Bürger erstmal sprechen.

Runder Tisch Neue Medien

Ansätze und Anträge dazu gab es ja, leider mit eher mäßigem Erfolg. So wurde einerseits im April 2010 per interfraktionellem Ratsantrag der Runde Tisch Neue Medien angeregt, der aber erst in der Sitzung des Hauptausschusses vom November 2011 behandelt wurde, also anderthalb Jahre später. Statt aber den Tisch einfach einzurichten, wurde von der Verwaltung vorgeschlagen, dies doch im Online-Forum zu diskutieren. Nun ist das eh schon mau besucht und vor allem diskutiert da kein Politiker mit und diejenigen, die vom Segen des Internets erst noch überzeugt werden müssen (wohl die Mehrheit), schon gar nicht. Die Intention war ja auch die Aufklärung darüber, was geht.

Nun ist es zum Glück doch ein physikalischer Tisch geworden, also wäre es geworden, wenn er denn mal irgendwann beginnen würde. Auch kann natürlich nicht jeder Bürger teilnehmen (“jeder Bürger?!? Das geht doch nicht!”), sondern man muss jetzt extra eingeladen werden und Spezialkenntnisse vorweisen oder sowas. Bürger sein allein reicht nicht. Barrieren abbauen sieht anders aus.

Bürgerbeirat

Weiterhin wurde ein Beirat zur Bürgerbeteiligung zum Haushalt vorgeschlagen – wieder vergeblich. Ein weiteres Gremium ist für das angeblich so wichtige Thema Bürgerbeteiligung dann wohl doch zuviel. Als Kompromiss ist es nun im Bürgerforum angesiedelt. Das aber bedeutet, dass man wohl kaum Unter-AGs gründen kann und sich die Zeit mit all den anderen Themen teilen muss. Wenn also mal wieder eine Schule geschlossen werden soll, wird dieses Thema wohl eher unter den Tisch fallen.

Online?

Und auch bei der Online-Beteiligung geht man rückwärts. So gab es zum Haushalt zunächst einen Fragebogen und dann die etwas komplexere Lösung, die allerdings weniger Leute zum Mitmachen motiviert hat. Woran dies aber lag, wurde gar nicht erst analysiert, vor allem nicht mit den Beteiligten zusammen, sondern wieder nur interfraktionell. Das Ergebnis war nur der Blick auf die Zugriffszahlen und die Entscheidung, nun wieder Fragebögen zu machen.

Problem bei Online-Beteiligungen ist aber eh, dass man den Bürger dort eher allein lässt und der Politiker gar nicht mit diskutiert. Sieht man sich die Social Media-Präsenz der Parteien und Politiker so an, so sieht es bei schwarz/grün bei uns leider eh eher mau aus. Auch daher täte Aufklärung über die Vorteile Not.

Selbst informative Dinge, wie zeitnahe Protokolle, Open Data oder Livestreams gibt es ja nicht. Open Data wird nur am Rande mal angesprochen und Livestreams aufgrund der Angst vor dem Kontrollverlust eh ausgeschlossen (und Twittern laut Selbstverpflichtung auch, zumindest für Ratsmitglieder).

Bürgerbeteiligung bleibt erstmal mau

Wie man also sieht, leben Politiker und Bürger leider in verschiedenen Welten. Politiker meinen, alles sei super, Bürger meinen, alles sei Mist. Hier hilft nur miteinander statt übereinander reden und da helfen interfraktionelle Treffen wohl eher wenig. Und solange es aus der Politik heisst “Man kann keinen zwingen zu lernen” (wie man mir gegenüber erklärte) wird das mit der Bürgerbeteiligung wohl auch eher mau bleiben.

Wenn dem so ist, sollte man aber auch dazu stehen! Dann macht sich zumindest niemand Hoffnung.