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Innovationshemmung am Beispiel Personalausweis

by Christian Scholz on June 17, 2012

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Es ist recht offensichtlich, dass der Erfolg des neuen Personalausweises (nPA) in Bezug auf Anwendungen sich eher in engen Grenzen hält. Mir zumindest ist bislang noch kein Dienst über den Weg gelaufen, der es einem erlaubt, sich mit dem nPA anzumelden.

Woran das liegt, ist aber eigentlich auch klar, denn Informationen darüber, wie man denn nun Anwendungen dafür entwickelt, sind eher spärlich. Unklar ist, was man braucht, ob es Bibliotheken für die gängigen Programmiersprachen gibt und natürlich auch, was es kostet. Sicherlich steht das irgendwo, jedoch scheint man sich mehr auf grosse Konzerne als kleine Entwickler eingeschossen zu haben.

Dass das alles nur suboptimal ist, hat man nun anscheinend auch bei der Bundesdruckerei erkannt. Und was macht man da? Man ruft natürlich zu einem Wettbewerb auf! Zu finden ist dieser Wettbewerb unter dem Namen eIDEE und zu finden auf der griffen URL digitaler-handschlag.de. Kern des Wettbewerbs ist die Frage “Wie kann ein Unternehmen durch den Einsatz des neuen Personalausweises Geld und Zeit sparen, wie effizienter und kundenfreundlicher arbeiten?”. Gesucht werden dazu Ideen.

Zu gewinnen gibt es natürlich auch was, nämlich vor allem neben Sachpreisen, wie nem Mac und ähnlichem, den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis, wobei diese allerdings nicht ausgezahlt, sondern in die Umsetzung der Idee gesteckt wird.

Kurz also: Hab eine Idee und wir programmieren sie Dir. Dass man mit 10.000 Euro nun nicht wirklich weit kommen wird, scheint dabei kein Problem zu sein, sondern man sieht es wahrscheinlich als eine Art Anschubfinanzierung.

Wer ist die Zielgruppe

Anhand des Hauptpreises wird deutlich, dass man anscheinend Firmen (genauer: eine) sucht, die man dann unterstützen will, eine Anwendung zu entwickeln, die den nPA dann nutzt. Die Sachpreise dagegen scheinen sich mehr an Otto Normalbürger zu richten. Ob der aber soviele Ideen entwickeln wird und wer die dann eigentlich umsetzen und betreiben soll, ist wohl eher unklar.

So richtig klar ist mir die Zielsetzung dieses Wettbewerbs also eher nicht. Was aber klar scheint ist, dass dieser Wettbewerb dem nPA wohl kaum zum Durchbruch verhelfen dürfte. Nehmen wir einmal an, dass die Anwendung tatsächlich entwickelt wird und nicht nach Aufbrauchen der 10.000 Euro wegen Geldmangel eingestellt wird oder nie den Betrieb aufnimmt. Was man dann hat, ist genau 1 (EINE) Anwendung mehr. Nicht gerade viel.

Zielgruppe verbreitern

Wie immer, wenn es technische Neuerungen gibt, gibt es sicherlich auch viele Leute, die damit rumspielen und tolle Dinge implementieren wollen. Das sind aber im Zweifel nicht etwa die grossen Konzerne, sondern kleine Entwickler wie ich. Die müssen aber wissen, wie man denn den nPA einbindet. Zudem muss dies kostengünstig bis kostenfrei sein. Wenn die Open Source-Community z.B. hingeht und Schnittstellen für WordPress, Plone, Magento und Co. implementiert, dann wird sich auch der Einsatz des nPA verbreitern. Das geht aber nur, wenn man ihnen die Mittel zur Verfügung stellt, dies zu tun. Ein Wettbewerb ist da unnötig.

Der Erfolg des nPA kann sich nur einstellen, wenn Bürger ihn auch öfter nutzen können, denn im Zweifel hat man sonst die Bedienung, PIN oder ähnliches schnell wieder vergessen. Und dann ist das manuelle Eintippen seiner Daten deutlich schneller, als sich wieder mit dem Ausweis zu beschäftigen.

Solange man also die grosse Masse der unabhängigeren Entwickler ignoriert, wird sich auch am Erfolg bzw. Misserfolg des nPA nichts ändern.

2 comments

http://digitaler-faustschlag.de :^)

by suchenwi on 17.6.2012 at 15:14. #

[...] Innovationshemmung am Beispiel Personalausweis "Es ist recht offensichtlich, dass der Erfolg des neuen Personalausweises (nPA) in Bezug auf Anwendungen sich eher in engen Grenzen hält. Mir zumindest ist bislang noch kein Dienst über den Weg gelaufen, der es einem erlaubt, sich mit dem nPA anzumelden." [...]

by Aktuelles 19. Juni 2012 on 19.6.2012 at 07:01. #