Netzneutralität: Wie funktioniert das Internet? Teil 1: Die Struktur

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Aktuell wird ja im Rahmen der Debatte um die Netzneutralität wieder viel über das Internet an sich geredet. Oftmals werden dabei Begriffe wie Peering, Transit oder auch Next Generation Networks (NGNs) genannt, meist jedoch, ohne sie näher zu erklären. Bevor ich mich daher weiter über das Thema Netzneutralität auslasse, will ich versuchen, in diesem Post zunächst die benötigten Grundbegriffe zu erklären. Feedback ist mir hierbei wichtig, sollte also etwas unverständlich (oder auch falsch) sein, bitte ich um eine entsprechende Mitteilung, so dass ich das beheben kann.

In diesem Blogpost geht es zunächst um Peering, Transit, Bandbreite und der Struktur des Netzes generell, mit der ich auch beginnen will.

Ein Netz von Netzen

Zunächst einmal gilt: Das Internet ist ein Zusammenschluss von Netzwerken. Und eines dieser Teilnetzwerke hat jeder daheim, nämlich in Form eines DSL-Routers, an den 1 oder mehrere Rechner per WLAN oder Kabel angeschlossen sind. Dieses Netzwerk nun ist mit einem größeren Netzwerk verbunden, nämlich dem des Internetanbieters, wie z.B. die Telekom einer ist. Die dazu notwendigen Kabel muss der Provider dann natürlich gelegt haben. Meist wird man diese zu den Vermittlungsstellen der Telekom legen und die letzte Strecke von dort bis zur Wohnung von der Telekom mieten (die berühmte “letzte Meile”). Die Kabel werden dann meist zu einem Rechenzentrum gelegt, dort alle verbunden und dann kann schonmal jeder Kunde des ISPs jeden anderen Kunden erreichen. In diesem Rechenzentrum können natürlich auch noch Server weiterer Kunden stehen, die auch an dieses Netzwerk angeschlossen werden. Aus der Sicht des Internets sind aber diese Server mit den DSL-Anschlüssen gleichbedeutend.

Nur die eigenen Kunden zu vernetzen ist allerdings noch kein Internet. Dazu braucht es weitere Leitungen und diese existieren nun zwischen diesen ISPs. Manche dieser Netzwerke sind größer, manche kleiner. Manch ein ISP besitzt gar Überseekabel, so dass ISPs auf allen Kontinenten (zumindest indirekt, also über das Netzwerk weiterer Provider) miteinander sprechen können.

Dieses riesige Netzwerk (wohl im Moment ca. 32.000 ISPs) ist das Internet.

Gründet man also einen ISP und schliesst sich irgendwie an einen anderen ISP an, so ist man Teil dieses Internets, wobei man allerdings erst als ISP gilt, wenn man direkte Leitungen zu mindestens zwei ISPs besitzt bzw. mehrere Netze verwaltet. Man nennt dies auch ein Autonomes System (die genaue Definition zu verstehen, ist vielleicht etwas kompliziert, aber auch nicht ganz so wichtig für das generelle Verständnis).

Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass es auch nur ein Internet gibt. Es gibt natürlich Netzwerke, die nicht an dieses globale Netz angeschlossen sind, aber diese sind eben nur mehr oder weniger lokale Netzwerke, nicht das Internet.

Wer trägt die Kosten?

Jeder ISP bezahlt hauptsächlich Geld für zwei Dinge: Kabel, die verlegt werden müssen (eher einmalige Kosten, allerdings kann man die reinen Leitungen natürlich auch mieten) und Traffic an andere Provider.

Kabel werden z.B. von Vermittlungsstellen hin zum Rechenzentrum benötigt, weiterhin will man irgendwann vielleicht mehrere Rechenzentren miteinander verbinden. Ausserdem muss sich natürlich mit einem anderen ISP verbinden, d.h. auch zu diesem muss ein Kabel gelegt werden. Ist man zufällig mit einem anderen ISP zusammen in einem Rechenzentrum, braucht dieses Kabel allerdings nicht besonders lang zu sein, es reicht vielleicht, 2 Router durch ein handelsübliches Netzwerkkabel zu verbinden.

Zusammenfassend:

Das Internet ist ein Netz von Netzwerken. Internet-Provider erstellen Netzwerke durch das Legen von Kabeln und die Anbindung an andere Provider, so dass ein weltumspannendes Netzwerk entsteht, das man das Internet nennt.

Bei der Abrechnung des Traffic unterscheidet man nun zwischen zwei Typen: Peering und Transit.

Peering

Peering wird meist zwischen zwei ähnlich grossen ISPs durchgeführt. Diese ISPs haben ein gegenseitiges Interesse, die Kunden des anderen ISPs zu erreichen. Von daher ist der Traffic zwischen diesen Peering-Partnern kostenlos, da er sich ungefähr aufhebt. Bezahlt werden muss aber natürlich trotzdem für das Kabel zwischen den Providern sowie für Verwaltung, Monitoring usw. Peering wird zudem immer bilateral verhandelt und heraus kommt ein sogenanntes Peering-Abkommen, das die Details zwischen den beiden Peering-Partnern regelt.

Durchgeleitet wird beim Peering auch nicht jeglicher Traffic, sondern nur der Traffic, der im Netzwerk des anderen ISPs endet. Allerdings ist egal, von wo der Traffic kommt. Für alles andere muss man seinen Traffic über “Transit” beziehen.

Transit

Ist ein ISP größer als der andere, so wird der größere ISP sich seltener auf ein Peering-Abkommen einlassen, denn der kleinere hat ja mehr davon. Er kann also den Zugang verkaufen. So wird die Telekom eher selten zu einem Peering bereit sein.

Will man als ISP von einem anderen ISP Transit einkaufen, so muss man zunächst eine Leitung legen und zahlt danach für den Traffic, der über diese Leitung geht. Über diese Leitung kann man dann aber nicht nur die Kunden des anderen ISPs erreichen, sondern auch den Rest des Internets.

Der Transit-Provider macht dies möglich, indem Traffic, der nicht bei ihm oder seinen eigenen Peering-Partnern endet, wieder bei seinem Transit-Provider einkauft.

Eine Ausnahme sind die sogenannten Tier-1-Provider. Diese haben ein so grosses Netzwerk (also viele Kabel verbuddelt), dass sie nur Transit verkaufen, aber keinen selbst einkaufen müssen. Stattdessen werden sie ihren kompletten Traffic über Peerings mit anderen Tier-1-Providern los oder aber über ihre Transit-Kunden.

Mit dieser Pyramide von Transit-Providern kann man also die ganze Welt erreichen, durch sie ergibt sich das Internet.

Ein ISP braucht also im Prinzip nur eine Verbindung zu einem Transit-Provider, um das komplette Internet liefern zu können. Allerdings macht es schon Sinn, mehrere Leitungen zu haben, sei es wegen der Ausfallsicherheit und weil man aus Kostengründen möglichst viel Traffic über Peering abgeben will. Werde ich als ISP dann größer, kann ich ggf. selbst zu einem Transit-Provider werden, für DSL-Anschlüsse wäre ich das im Prinzip auch schon, auch wenn am anderen Ende keine ISPs sitzen.

Nochmal zum Vergleich also:

Bei Peering tauschen meine Kunden immer Traffic mit Kunden meines Peering-Partners aus. Dieser Traffic kostet mich nichts, ich erreiche aber damit auch nicht alle Rechner im Internet.

Beim Transit erreiche ich das ganze Internet über eine Leitung zu meinem Transit-Provider. Diesen Traffic muss ich allerdings nach Bandbreite bezahlen.

DE-CIX und Co.

Um Peering zu vereinfachen, gibt es sogenannte Peering-Points, wie es z.B. der DE-CIX in Frankfurt ist. So haben dort eine Vielzahl (im Moment ca. 350) von ISPs in Deutschland Leitungen mit dem Ziel hingelegt, dort mit anderen ISPs zu peeren. Der Vorteil hierbei ist, dass man nur eine Leitung legen muss um dann eine grosse Auswahl an möglichen Peering-Partnern vorzufinden. Trotzdem muss man allerdings noch bilaterale Peering-Abkommen mit diesen potentiellen Peering-Partnern treffen, man spart aber generell Kosten für die Leitungen.

Und wie verteilt sich nun der Traffic?

Es mag nun noch nicht so ganz klar geworden sein, wie denn ein Computer hier in Deutschland mit einem auf den Fidschi-Inseln kommuniziert. Daher mal ein Beispiel:

  1. Ich daheim verbinde mich mit meinem ISP und zahle die Leitung mit Bandbreite (im Prinzip kaufe ich also Transit ein).
  2. Der ISP hat wahrscheinlich keine direkte Leitung zu einem ISP auf den Fidschi-Inseln, muss also über Transit gehen.
  3. Der Transit-Provider hat entweder eine direkte Leitung auf die Fidschis oder einen Peering-Partner, der eine hat. Ist dies nicht der Fall, nutzt er eine Leitung zum nächstgrößeren Transit-Provider.
  4. Dies geschieht, bis man eine Verbindung gefunden hat.

IP-Adressen und Routing

Doch wie gelangen nun Daten von A nach B, d.h. woher weiss das Internet, über welche Leitungen Daten geschickt werden müssen?

Dazu benötigen alle Punkte im Internet zunächst eine Adresse, die man die IP-Adresse nennt. Diese sieht z.B. so aus:

74.125.43.103

Sie besteht aus 4 Zahlen zwischen 0-255 und identifiziert einen Knoten (z.B. einen Rechner) im Netz eindeutig, in diesem Fall einen Rechner von Google.

Für den Endbenutzer sind diese Zahlen allerdings schwer zu merken und von daher gibt es noch Domainnamen wie “www.google.de”. Diese Namen sind IP-Adressen zugeordnet und das erste, was z.B. ein Web-Browser macht, ist die Auflösung des Namens in eine IP-Adresse. Mit dieser kann dann eine Route vom heimischen Rechner bis hin zu einem Server von Google bestimmt werden:

Dabei weiss der eigene Router zunächst nur, dass er die Daten zum ISP zu senden hat. Dieser hat dann sogenannte “Routing-Tabellen” von seinem Transit-Provider oder Peering-Partner bekommen, die ihm sagen, welche Netzwerke (= Gruppe von Adressen) dort zu erreichen sind. Entsprechend entscheidet er sich. Dies zieht sich dann so durch, bis der Zielknoten erreicht ist, in unserem Beispiel also ein Server von Google.

Bei diesem Vorgang kann es aber auch vorkommen, dass mehrere Wege zum Ziel führen. Der ISP wird sich hier für den besten entscheiden, also z.B. den billigsten oder den schnellsten. Man hat zudem den Vorteil, dass man bei einem Ausfall die Daten um dieses Problem herumrouten kann (also ähnlich einer Umleitung im Strassenverkehr):

Was ist eigentlich Bandbreite?

Zunächst ist der Begriff eigentlich falsch, denn richtig ist eigentlich: Übertragungsrate oder Datenrate, denn es geht darum wieviele Daten pro Sekunde über eine Leitung gehen können. Die Bandbreite bzw. Datenrate misst also die Geschwindigkeit, mit der Daten, die man am einen Ende hineinsteckt, am anderen Ende wieder herauskommen. Man kann sich das wieder wie eine Strasse vorstellen. Über eine mehrspurige Autobahn kommen pro Minute auch mehr Fahrzeuge als über eine schmale, kurvige Landstrasse.

Leitung bedeutet dabei nicht notwendigerweise ein Kabel in der Erde, es kann u.a. auch ein Satellit, WLAN oder eine UMTS-Verbindung sein. Funk-Verbindungen sind dabei eher langsam, kabelgebundene Verbindungen eher schnell. Dies hängt einerseits mit den genutzten Protokollen (also der Art und Weise, wie Daten kodiert werden) und den physikalischen Gegebenheiten zusammen. So hat man bei Lichtwellenleitern/Glasfaser andere Voraussetzungen als bei elektrischen Leitungen, da diese z.B. störanfälliger sind und bei Funknetzen hat man das Problem, dass man keine 1-zu-1-Verbindung hat und sich die Empfänger zudem bewegen können.

Heutzutage zahlt man beim ISP meist für eine bestimmte Übertragungsrate. So hat die der DSL-Leitung zugrunde liegende elektrische Leitung eine bestimmte Maximalleistung, die dann künstlich je nach Tarif eingeschränkt wird. Ähnlich ist es beim Transit zwischen ISPs.

Man kann aber Bandbreite (also Bits pro Sekunde) auch in allerlei andere Metriken umrechnen. So kann man sie in eine Trafficmenge pro Monat umrechnen, für die man zahlt oder man könnte per Zeiteinheit abrechnen, wie das früher üblich war (hier nimmt man an, dass in einer bestimmten Zeit nur x Bytes über die Zuleitung kommen können und mittelt das noch irgendwie). Am Ende muss sich dann das Legen der Leitung (oder Kauf des Equipments bei Funk) rentiert haben.

Ein Problem bekommt man allerdings dann, wenn die maximal verfügbare Übertragungsrate einer Verbindung überschritten wird, wenn also mehr Bits ankommen, als die Leitung in der Zeit abtransportieren kann. Es kommt also zum Stau. Man hat dann zwei Möglichkeiten: Daten solange zwischenzuspeichern, bis wieder Platz ist oder aber die Daten verwerfen und sie später noch einmal schicken lassen. Man kann natürlich bestimmten Daten Priorität einräumen, damit sie auf jeden Fall ankommen. Da dies aber schon direkt mit dem Thema Netzneutralität zu tun hat, werde ich darauf in einem späteren Artikel noch genauer eingehen. Generelle Abhilfe hier schafft aber in jedem Fall nur ein Ausbau der Bandbreite, also das Verlegen eines neuen Kabels (die immer noch die beste, da schnellste, Option sind, auch wenn es inzwischen neue Funktechnologien wie LTE gibt).

Und damit schliesse ich Teil 1 dieser Reihe. Im nächsten Teil will ich dann beschreiben, wie das Internet kommuniziert, was das Internet Protocol ist und warum Ende-zu-Ende-Kommunikation wichtig ist. Und wie gesagt: Feedback ist erwünscht!

Weiterführende Links

Wer sich noch weiterbilden möchte, findet hier noch hilfreiche Links (weitere Vorschläge gern per Kommentar):

Ars Technica: How the ‘Net works: an introduction to peering and transit
Hier werden Peering und Transit im Detail beleuchtet, auch im Hinblick darauf, was ökonomisch für ein Unternehmen Sinn macht.

Wikipedia: Bandbreite
Wie erwähnt, bedeutet Bandbreite eigentlich etwas anderes und dieser Artikel erklärt dies (sehr technisch).

Wikipedia: Internet
über Geschichte, Technik und gesellschaftliche Aspekte

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32 comments » Write a comment

  1. Ab Transit und Peering hab ich geistig abgeschaltet, aber das davor war für mich (erfahrener und langjähriger Internet-Nutzer, keine Ausbildung im PC-Bereich) neu.
    Wenn ich langfristig "ISP" mitnehme, dann hat's sich gelohnt ;)

  2. Pingback: Netzneutralität: Wie funktioniert das Internet? Teil 1: Die Struktur | Les enfants terribles

  3. Schön, dass es hilft :-) Wenn ich das noch irgendwie näher erklären kann, sag Bescheid. Wäre hilfreich zu wissen, was genau nicht klar ist. Ist immer schwer alles nochmal selbst zu vergessen ;-)

  4. Alles klar und super formuliert! Die Sachverhalte waren schon bekannt und dennoch kann man einiges daraus ziehen. Schön, dass jemand dieses Thema einmal richtig gründlich und leicht verständlich aufbereitet. Danke für dieses super Post. Ich bin gespannt auf die "Kommunikations-Fortführung". Werd ich meinen Freunden empfehlen, die von dem Thema gar keine Ahnung haben ;)

  5. Lieber @mrtopf,

    vielen Dank für die guten und hilfreichen Erläuterungen. Sie sind eine gute Unterrstützung auch für die Arbeit der Internetenquete und die Diskussion rund um das Thema “Netzneutralität”. Gerne verlinken wir den Artikel auch über http://www.facebook.de/openenquete . Wir sind gespannt auf Teil 2 !

    Beste Grüße vom Team von Open-Enquete

  6. Danke für das Lob! Der zweite Teil ist schon in der Mache! Und wenn Deine Freunde etwas nicht verstehen, sollen sie sich gern hier melden, um zu sagen, was genau nicht. Dann versuche ich noch, dies zu verbessern. Auto-Vergleiche helfen ja zur Not immer ;-)

  7. Hallo,

    mir großem Interesse habe ich diesen Artikel gelesen.
    Eine Wendung führte bei mir zu Verwirrung beim Lesen, vielleicht kann man da noch was
    verbessern.

    Absatz:IP Adressen und Routing
    "74.125.43.103
    Sie besteht aus 4 Zahlen zwischen 0-255 und identifiziert einen Knoten (…)"

    Feedbackvorschlag: "Eine IP-Adresse besteht aus einer 10-stelligen Zahlenfolge. Jede dieser Zahlen liegt zwischen 0-255. Strukturell ist jede IP-Adresse in vier Blöcke unterteilt. Die Blöcke sind durch simple Interpunktionszeichen (".") voneinander getrennt."

    Vielleicht lohnt es sich noch -wenn möglich- den Sinn der einzelnen Nummern zu erläutern (ähnlich wie eine ISBN bei Büchern).

    Ich freue mich auf Teil 2 :-)
    Herzliche Grüße & Danke

  8. Danke für das Feedback, ich werde da morgen nochmal nachdenken, wie man das besser beschreibt, denn es sind auch nicht immer 10 Ziffern, sondern in der Tat 4 Zahlen zwischen 0 und 255, die mit Punkten getrennt werden. Es kann also auch 192.192.192.192 sein oder 1.2.3.255.

    Die Bedeutung der Zahlen ergibt sich hier, wenn man diese als Bits betrachtet. So steht jede Zahl für ein Byte = 8 Bit. Zählt man diese zusammen, kommt man also auf 32 Bit (4×8) und eine IP-Adresse hat damit eine Länge von 32 Bit. Das Binärsystem ist hier z.B. näher erläutert: http://www.arndt-bruenner.de/mathe/Allgemein/bina

    Also Beispiel: 1.2.3.255 ist Binär 00000001 00000010 00000011 11111111

    Diese 32 Bits teilen sich dann normalerweise noch in Netzwerk-Adresse und Rechner-Adresse auf. Wird einem ISP z.B. ein 256 IP-Adressen zugeteilt, so sind die Bytes 1-3 die Netzwerkadresse und das letzte Byte die Rechneradresse. Man kann sich das evtl. wie eine Telefonvorwahl vorstellen. In Routern wird dann übrigens nur diese Vorwahl abgespeichert, d.h. ein Router muss nicht alle Adressen direkt kennen, sondern weiss anhand der "Vorwahl", wo Daten hingesendet werden müssen. Den Rest macht dann das Empfängernetzwerk. (Die Vorwahl heisst eigentlich Netzmaske und weiteres dazu gibt es hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Netzmaske)

    Wie man vielleicht merkt, ist dies alles aber etwas schwieriger zu erklären und für das Verständnis bzgl. Netzneutralität vielleicht nicht unbedingt notwendig. Eventuell kann man dazu aber auch nochmal einen Teil schreiben, ist halt nur nicht so ganz einfach zu erklären, da es dann auch mathematisch wird (zumindest so ein bisschen).

    Aber wie gesagt, ich schau es mir nochmal an. Danke!

  9. Pingback: Linkdump for 27. Oktober 2010 Links synapsenschnappsen

    • Danke, sowas in der Art wolle ich ja hier auch nochmal anlegen. Vielleicht auch als Etherpad erstmal, damit alle mitmachen können. Kann man dann ja zusammenführen. Aber erstmal halt die Grundlagen erklären :-)

  10. Eine kleine Ergänzung zu "Wer trägt die Kosten": Kabel komplett neu zu verlegen ist aufgrund der dazugehörigen Tiefbauarbeiten sehr kostenintensiv und damit eine sehr hohe Investition, die sich bei Profitorientierung nur dann rechnete, wenn diese Kabel zu genug gut zahlenden Kunden führen. Genau daran hakt es aber im Moment beim Netzausbau in der Fläche bis zum entlegenen Bauernhof.
    Und dieses Kostenproblem betrifft die Netzneutralitätsfrage mindestens zweimal: Einmal bei der "generellen Abhilfe" für Datenstau mit der Du diese schöne Einführung schließt. Und einmal eben bei dem Punkt, das eine Forderung wie "Gleiches Netz für alle" eben auch beinhalten müsste, das der entlegene Bauernhof zu gleichen Konditionen ins Netz kann, wie ein Konzern im Ballungsraum.

    • Klar, Infrastruktur aufbauen sind die Hauptkosten und die Frage ist, wie man das Geld wieder hereinholt. Insofern ist es natürlich problematisch, wenn die DSL-Preise immer weiter fallen.

      Das "gleiche Netz für alle" auf dem Land würde ich allerdings nicht als Netzneutralitätsproblem sehen, sondern eben ein Problem des Ausbaus. Und da eben im Moment vieles in die Debatte gemischt wird, was mit dem eigentlichen Begriff gar nichts zu tun hat, sollte man vielleicht eh einen anderen nehmen ;-)

  11. Pingback: Netzneutralität und Funktionsweise des Internet « Das Philoblog

  12. Hallo,
    super Artikel! Ein kompliziertes Thema einfach und verständlich aufbereitet.
    Allerdings gibt es einige kleinere Punkte, die mich stören:

    – NGN: Steht ausgeschrieben für Next Generation Network, siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Next_Generation_Netw… . Ist vermutlich nur ein Typo, aber Fachbegriff ist Fachbegriff.

    – "Das Internet ist ein Zusammenschluss von Netzwerken. Und eines dieser Teilnetzwerke hat jeder daheim, nämlich in Form eines DSL-Routers, an den 1 oder mehrere Rechner per WLAN oder Kabel angeschlossen sind." Natürlich braucht man den DSL Router, um ins Internet zu kommen. Aber genau genommen ist die Verbindung zwischen DSL-Router und Heim-PC ein sogenanntes Local Area Network (LAN), welches nicht Teil des Internets ist. Daher stellt der DSL-Router eine Verbindung zwischen LAN und WAN (Wide Area Network, z.B. Internet) her, diese Funktion nennt man Gateway . Ein weiterer Unterschied ist, dass im LAN überlichweise besondere IP-Adressen, sogenannte "private IP's" verwendet werden, die nicht im Internet geroutet werden und somit vom Gateway erstmal in öffentliche IP's "übersetzt" (Stichwort NAT) werden müssen.

    – "Gründet man also einen ISP und schliesst sich irgendwie an einen anderen ISP an, so ist man Teil dieses Internets, wobei man allerdings erst als ISP gilt, wenn man direkte Leitungen zu mindestens zwei ISPs besitzt. Man nennt dies auch ein Autonomes System." Autonomes System bezeichnet normalerweise einen Zusammenschluss von Teilnetzen unter einer gemeinsamen administrativen Hoheit d.h. alle Netze die von einer bestimmten Person/Firma verwaltet werden, bilden gemeinsam ein AS. Bei größeren ISP's ist es darüber hinaus nicht unüblich, mehrere autonome Systeme zu betreiben, wenn diese z.B. von verschiedenen Teams gemanagt werden.

    Ich freue mich auf weitere Artikel aus dieser Themenreihe und hoffe, dass ich selbst in den nächsten Wochen mal einen Blogartikel zum Thema Netzneutralität geschrieben bekomme, da dies ein wichtiges Thema ist.

    Grüße

    Stefan

    • Danke für die Hinweise. Das mit Next Generation werde ich gleich noch ändern.

      Bei LAN/WAN bin ich mir aber nicht so sicher, denn das ist ja mehr auf der Ebene von Netzwerktopologien und nicht dem logischen Zusammenschluss, den man Internet nennt. Habe ich also ein LAN in einem Rechenzentrum, würde ich trotzdem sagen, dass die Rechner in diesem LAN im Internet stehen. Ich würde hier eher unterscheiden, was für Technologien genutzt werden, also z.B. Ethernet im LAN, Glasfaser im WAN.

      Das mit den NATs würde ich zudem eher dem Problem der Adressknappheit zurechnen. Hätten wir von Anfang an IPv6 gehabt, hätte ja wenig Notwendigkeit bestanden, so etwas zu nutzen, da es ja doch alles eher komplizierter macht.

      Das mit dem AS habe ich so bei Chaosradio gehört, aber Wikipedia gibt Dir da wohl recht :-) Mal schaun, wie ich das noch einbaue.

      Ansonsten hoffe ich, dass ich demnächst mal zu Teil 2 komme, freue mich aber auch auf Deinen Artikel! :-)

  13. Hi,

    das mit dem LAN ist in der Tat nicht ganz so einfach. Du hast völlig recht, dass ein Datacenter LAN in den meisten Fällen Teil eines größeren Netzwerkes bzw. des Internets ist (Aufpassen, im Datacenter gibt es übrigens auch Ethernet über Glasfaser z.B. bei 10Gbit/s http://de.wikipedia.org/wiki/Ethernet#Glasfaser).
    Ich bin aber immer noch der Meinung, dass das Heimnetz hinter dem DSL-Router im Normalfall nicht Teil des Internets ist, da dieses Netz meist von Außen nicht erreichbar oder sichtbar ist. Darüber hinaus ist dieses Netz durch die Zwangstrennung auch nicht immer mit dem Rest verbunden.

    Mit NAT hast du weitgehend Recht, dies wird meistens aufgrund von Addressknappheit verwendet. Man sollte aber beachten, dass NAT nachträglich auch für IPv6 spezifiziert wurde, da es oft fälschlicherweise als Sicherheitsfeature eingesetzt wird (Security by Obscurity).

    Grüße

    Stefan

  14. Pingback: “Wie funktioniert das Internet”- Die Ausgangsfrage, die man sich bei der Debatte über Netzneutralität stellen sollte. @http://mrtopf.de/ | ollisvalley

  15. Mir ist noch nicht so ganz klar, wer jetzt für welchen Traffic bezahlt. Es heißt zwar immer abstrakt Traffic, aber dieser ist ja bidirektional: Wenn ich nun etwas herunterlade, bspw Videos von Youtube, zahlt dann mein ISP an den überlagerten oder umgekehrt? Und dreht sich das um, wenn ich dann Fotos zu flickr hochlade?

    Der Begriff NGN wird nur in der Einleitung als Appetithappen genannt, aber später nicht erläutert. Da bleibt also eine Lücke.

    Tobi

    • Generell ist Traffic bidirektional, man zahlt also für beide Richtungen, wenn man der kleinere ISP ist und auf den Zugang zu einem größeren angewiesen ist. Wenn Du als Kunde eines kleinen ISPs dann YouTube schaust oder selbst was veröffentlichst ist dabei egal. Wenn Du also 1 GB hochlädst und 1 GB herunter, dann zahlt der ISP für 2GB Traffic.

      Zu NGN kam ich leider nie, zumal das da auch ein bisschen schwammig ist. Die Grundidee ist aber einfach die, dass über eine Leitung beliebige Datenarten (also z.B. Internet, Telefon, Fernsehen) gehen können. Dies kann man ja alles digitalisieren und in Datenpakete verpacken. Das Problem ist dann, wie genau “Internet” definiert ist. Denn wenn man x TV-Sender gleichzeitig schaut, bleibt halt weniger für Youtube. Nun kann man das im eigenen Haus selbst steuern, was man tut, aber diese Leitungen existieren ja auch zwischen ISPs und da könnte dann schon jemand auf die Idee kommen, bestimmte Dienste oder Datenpakete bevorzugt zu behandeln, wenn jemand dafür zahlt. Das wäre dann eine Einschränkung der Netzneutralität (z.B. wenn ein Businesskunde eine höhere Prio bekommt als ein Privatkunde oder auf Anbieterseite ein Anbieter wie Google gegen Aufpreis schneller durchgeleitet wird als Startup xyz ohne grosse finanzielle Mittel). Das ist bei reinen IP-Netzen schon etwas schwierig zu definieren, bei NGNs wird’s aber nochmal ein Level komplexer.

      Ansonsten gibt es hier noch ein bisschen was zu NGNs (aber eher technisch, aber siehe z.B. Kritik): http://de.wikipedia.org/wiki/Next_Generation_Network

      Meine Meinung dazu noch: Erstmal schauen, was eigentlich schief geht und die Bundesnetz-Agentur auch prüfen lassen (was ja mW auch schon passiert). Wenn denn anscheinend etwas gedrosselt wird, reagieren (dies aber auch tun, denn im Moment sieht’s eher so aus, dass sich dann doch keiner mehr drum kümmert, wenn denn mal so Pläne genannt werden). Den Ausschluss von irgendwelchen Diensten (wie Skype, p2p usw.) kann man aber getrost generell unterbinden. Entweder volles Internet oder kein Internet, dazwischen sollte es IMHO nichts geben.

      Hoffe, das hilft.

  16. Eine IP Adresse referenziert nicht auf einen Server, sondern auf ein Interface.
    (Davon gibt es eine Menge die nicht zu Servern gehören, sondern zu Routern).
    Ein Server kann (und hat auch oft) mehr als ein Interface.

  17. Zu den Kommentaren: welcher Teil der IP Adresse zum Netz und welcher zu den Hosts (routing endpoints) im Netz gehört, kann man aus der Sicht des Kommunikationspartners nicht sagen, denn dazu müsste man die Netzmaske des lokalen (geographisch, nicht technisch, also nicht mit LAN zu verwechseln) Netzes kennen.
    Den Unterschied sollte man auch nicht kennen, denn seit CIDR (classless internet domain routing) wird nicht mehr nach A, B oder C Adressen geroutet, sondern entsprechend der Subnetzmaske auf dem jeweiligen Interface.

  18. “Mit dieser [der IP Adresse] kann dann eine Route vom heimischen Rechner bis hin zu einem Server von Google bestimmt werden:”

    Ist missverständlich, nicht das ganze Internet nutzt BGP oder IS-IS.

  19. Pingback: Ignoranz in Pink: Warum das Internet gesellschaftliche Infrastruktur ist

  20. Kommt denn irgendwann nun noch Teil 2 und folgende? So ist ja, außer in der Headline, noch kein Wort über Netzneutralität gefallen. :-)

    • Tja, das mit der Zeit ist immer so eine Sache und wenn man einmal wieder raus ist aus dem Thema, wird es auch schwer. Für das nächste Mal lerne ich aber, dass ich vielleicht erst alle Teile schreibe und dann erst veröffentliche. Andererseits hat es so zumindest ein Teil online geschafft. Also keine Garantie leider, dass der 2. Teil dann noch irgendwann kommt.

      • Schade, denn mit der Absicht der großen Koalition, die Regulierung des Telko-Marktes zugunsten der Telekom zurück zu fahren, wird es in Sachen Netzneutralität echt spannend. ;-)