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Oche rechnete mit Ihnen – alternative Ausgabe des Bürgerhaushaltes Aachen

by Christian Scholz on December 12, 2011

Oche rechnete mir Dir_ inoffizielle Ausgabe der Bürgerbefragung zum Haushalt Aachen-1

Gestern ist ja der Bürgerhaushalt Aachen (hier genannt Bürgerbeteiligung am Haushalt) zu Ende gegangen. Und da sich nun nichts mehr ändert vielleicht ein guter Zeitpunkt, meine alternative Ausgabe des Bürgerhaushaltes vorzustellen, die ich am Wochenende mal gebastelt habe: Oche rechnete mit Ihnen.

Warum habe ich dies getan? Hauptsächlich aus dem Grund, da ich bei der bestehenden Site doch ein paar Nachteile sehe:

  • in der Listenansicht nur wenig Information über den Vorschlag selbst aufgrund des Kästchen-Layouts
  • keine Möglichkeit, die Anzahl der Ergebnisse zu konfigurieren
  • keine direkte Anzeige der Wertung in der Ergebnisliste
  • keine offene Datenschnittstelle zur weiteren Verarbeitung
  • keine verständliche Anzeige der aktuellen Bewertung, da nur Zahlen zwischen 1 und 3 ausgegeben werden ohne aber zu erklären, welche Zahl was bedeutet.

Ich habe mich daher mal drangemacht, eine alternative Ausgabe zu bauen, die die obigen Probleme behebt. Zu finden ist es unter haushalt.oecher.info Ich habe dabei wohl nicht alles implementiert, was mir so vorschwebte, hier daher noch ein paar weitere Ideen:

  • Sortierung nach Kategorien
  • Kategorien und Vorschlagstypen anklickbar machen und Filter dadurch setzen
  • Benutzerseiten implementieren, die Vorschläge und Kommentare anzeigen
  • Kommentare von Moderation oder Politik entsprechend auffällig markieren sowie Statistiken dazu anfertigen
  • Freitextsuche einbauen
  • Merkzettel implementieren, so dass man Vorschläge, die einem wichtig sind schnell wieder findet.

 

Ob und welche dieser Features ich noch implementiere, ist allerdings offen, da diese ja eigentlich vornehmlich in der eigentlichen Befragung und Sinn machen, und zwar, während die Umfrage auch noch aktiv ist.

Verschiedene Zählweisen

Ich will noch auf die unterschiedlichen Zählweisen bei den TOP 50-Vorschlägen hinweisen. Wurde während der Befragung ein Mittelwert aller Bewertungen gebildet, so wird bei den nun veröffentlichten TOP 50-Vorschlägen nur noch (positiv – negativ) gerechnet, die neutralen Bewertungen werden ignoriert. Dadurch ergibt sich allerdings auch eine andere Reihenfolge der Vorschläge. Daher sind die TOP 50-Vorschläge der alternativen Ausgabe also nicht gleich den TOP 50-Vorschlägen der offiziellen Ausgabe (die zählt). Hier wäre wünschenswert gewesen, dass diese Aufteilung in Pro/Contra/neutral auch schon während der Befragung stattgefunden hätte, damit man sich nun nicht wundert, warum Vorschläge anders einsortiert werden.

Open Data

Komplett fehlte bei der offiziellen Site ja die Open Data-Komponente, was die Extraktion der Daten doch recht aufwändig gestaltete. Damit dies nicht noch einmal das Problem wird, habe ich auch direkt eine Open Data-Schnittstelle implementiert. Links dazu gibt es unter der Vorschlagsliste und jedem Vorschlag. Die Ausgabe der Liste kann zudem geblättert werden und Hilfstexte sind innerhalb der Ausgabe im Feld “help” enthalten.

Open Source

Selbstverständlich ist sowohl das Import-Tool, das versucht, die Daten aus dem HTML der offiziellen Seite zu extrahieren als auch die Web-Anwendung für die Ausgabe Open Source. Der Source Code ist auf github zu finden und unterliegt unter einer MIT-Lizenz. Das genutzte CSS-Framework Bootstrap unterliegt der Apache License v2.0.

Neuer Twitter-Account

Es gibt zudem einen neuen Twitter-Account für alles was rund um Offenheit in Aachen vor sich geht (geschätzt geht es ab dem Jahr 2030 so richtig los):


10 comments

[...] Die Piratenpartei hat ebenfalls Stellung genommen… MrTopf berichtet in seinem Blog zu den technischen Schwächen… [...]

by Michael Servos | Beteiligung am Haushalt 2012 on 12.12.2011 at 12:52. #

Hallo Herr Scholz,

viele negative Aspekte, die von Ihrere Seite genannt werden, waren Bestandteil der Konzeption des Verfahrens. Auf einige möchte ich aber gerne gesondert eingehen:
- keine direkte Anzeige der Wertung in der Ergebnisliste:
Die Ergebnisse werden seit Montag auf der Ergebnisseite angezeigt. Es gehört zum Konzept des Verfahrens, dass die Ergebnisse erst nach der Online-Phase veröffentlicht werden.
- keine verständliche Anzeige der aktuellen Bewertung, da nur Zahlen zwischen 1 und 3 ausgegeben werden ohne aber zu erklären, welche Zahl was bedeutet: Da muss ich Ihnen recht geben. Die angezeigte Meldung war ein Drupal Standard und sollte beim nächsten Mal ausgeblendet werden
- Sortierung nach Kategorien: Dies war auf allen Vorschlagsseite im Kopf der Seite möglich
- Kommentare von Moderation oder Politik entsprechend auffällig markieren sowie Statistiken dazu anfertigen: Das Hervoheben von Kommentaren der Moderation praktizieren wir in vielen Projekten und könnte beim nächsten Verfahren auch in Aachen umgesetzt werden.
- Freitextsuche einbauen: Die Suche war und ist nach wie vor auf den Vorschlagsseiten enthalten
- Zu der Zählweise für die TOP 50 wird auf der Seite Ergebnisse eine Erläuterung dargestellt. In erster Linie zählen die Pro – Contra Stimmen. Als zweites Sortierkriterium wird die Anzahl der Pro Stimmen gewertet und als drittes Sortierkriterium die Anzahl der Neutralen Voten.
- Open Data: Eine Open Data Schnittstelle halten wir auch für eine gute Idee!

Viele Grüße nach Aachen
Sebastien Gölz

by Sebastien Gölz on 14.12.2011 at 09:22. #

Danke für die Rückmeldung. Aber eine Nachfrage: Warum sollte man nicht die Bewertungen vorher schon angeben wollen? Ich will doch auch als Verfasser eines Vorschlags wissen, wie gut der sich schlägt. Und dann sollte natürlich ein einheitliches Bewertungskonzept genutzt werden.

(also noch ein Grund, die Konzeption öffentlich zu machen, so dass man dies vorher diskutieren kann. Auch Open Data hätte dann ja schon eingeplant werden können, inklusive Klarstellung von Lizenzen).

by Christian Scholz on 14.12.2011 at 10:28. #

Hallo Christian,

die Angabe der (laufenden) Bewertungsergebnisse hat in vielen Verfahren dazu geführt, dass KONTRA-Stimmen tatkisch vergeben wurden, also Vorschläge nur deshalb mit einem KONTRA versehen wurden, um die Position eigener Vorschläge zu verbessern.

Gruß,
Oliver

(Zebralog)

by Oliver Märker on 14.12.2011 at 10:57. #

Dann sollte man vielleicht keine TOP50-Liste erstellen, die ja eh manipulierbar ist. Man kann sich da aber sicher noch weitere Dinge in einem Brainstorming überlegen. Ich kann ja auch so proforma schonmal allen anderen eine Kontra-Stimme geben.

by Christian Scholz on 14.12.2011 at 11:10. #

Hallo Christian,

von mir auch noch ein kurzer Kommentar dazu: Eine Plattform ist immer das Ergebnis eines konzeptionellen Aushandlungsprozesses, speziellen Wünschen des Kunden, vorhandenen Ressourcen, und nicht zuletzt einer zugrunde gelegeten Philosophie.
Die meisten der von Dir genannten Punkte haben wir in anderen Verfahren (u.a. Bürgerhaushalte) umgesetzt, manchmal auch alternativ zu den in Aachen realisierten Features. U.a. haben wir die Erfahrungen gemacht, dass mehr Funktionen (scheinen sie auch noch so sinnvoll) nicht in jedem Fall die Usability verbessert haben. Aber was mir am allerwichtigsten ist – und du sagst es selbst an den verschiedensten Stellen: Die Plattform ist am Ende des Tages der unwichtigste Part in einem Verfahren, das in Aachen noch längst nicht zu Ende ist.
Mit der alternativen Ausgabe des Bürgerhaushaltes Aachen gibtst du aber genau die Botschaft aus, dass es an Plattform gelegen haben könnte, was ich auch schon ohne Blick auf das Gesamtverfahren für überzogen halte, stellt man den direkten Vergleich an.

Denn – wie du selbst betonst – es kommt entscheidend darauf an, wie nun die Politik mit den Ergebnissen umgehen wird. Auch die aktuellen Interpretationen zu den Beteiligungszahlen sind letztlich eine Ersatzdiskussion: denn jeder Teilnehmende – egal wie viele es sind – darf eine ernsthafte und intensive Auseinandersetzung mit dem Bürgerinput erwarten.

Insgesamt wird mir zu wenig anerkannt – auch in den aktuellen Medienberichten, dass nach vielen Jahren faktischen Bürgerausschluss hier erste Schritte in Richtung mehr Bürgerbeteiligung gegangen werden, dass dazu ein Lernprozess auf allen Seiten erforderlich ist. Die aktuelle Botschaften wie “vorerst gescheitert” oder “Pleite” halte ich daher für wenig hilfreich – insbesondere mit Blick auf die Politik ist das wenig motivierend, die sich ja jetzt ernsthaft mit dem Verfahren und seinen Ergebnissen auseinandersetzen muss. Ich beschäftige mich seit über 12 Jahren mit dem Thema E-Partizipation – dort wo wir heute sind, haben wir seinerzeit nur Träumen können.

Besten Gruß,
Oliver

(Zebralog)

by Oliver Märker on 14.12.2011 at 10:31. #

Deswegen muss die Konzeption eben öffentlich erfolgen. Sonst kann ich nachher nur meckern. Das ist doch das Hauptproblem von Hinterzimmerprozessen.

Und sorry, wenn die Politik nicht genau dann mitdiskutiert, wenn es möglich ist, dann ist es für mich gescheitert und dann sage ich das auch so. Aber auch hier weiss ich ja wieder nicht, ob in der Konzeptionsphase darauf hingewiesen worden ist, wie wichtig eine Partizipation der Politik ist.

(Persönlich glaube ich eh, dass das Thema Haushalt wahrscheinlich eh das falsche Thema ist, um mit so etwas zu beginnen, da es einfach zu komplex und breit ist und auch deswegen als Sammelbecken für alle möglichen Vorschläge dient. Wenn dem aber eh so ist, muss man das nicht an einem Haushalt festmachen, den erstmal eh keiner versteht und vielleicht auch nicht jeder verstehen muss)

by Christian Scholz on 14.12.2011 at 10:59. #

Ich muss mrtopf in seiner Kritik in fast allen Punkten recht geben. Die tatsächliche Umsetzung war in so vielen Details so offensichtlich schlecht und lieblos gemacht, dass es dafür keine Rechtfertigung gibt.
Zebralog hat lange Erfahrung in der Erstellung von Beteiligungswerkzeugen und großzügig Geld für die Ausführung erhalten, dass man sich über so ein Ergebnis nur wundern kann .

Ich muss übrigens widersprechen, wenn der Eindruck geweckt wird, das sei genau so gewollt gewesen. Das Konzept von Zebralog war nie so detailiert ausgearbeitet und vorgestellt worden, dass man die zahlreichen Probleme bei Übersichtlichkeit, Bedienbarkeit und allgemeiner Benutzerfreundlichkeit hätte vorhersehen können.

Wenn man außerdem erwartet, dass die Politik Zebralog sagt, wo man besser welchen Button hinmacht, nach welchen Kriterien man sortiert und wohin das Kommentarfeld kommt, dann macht es auch keinen Sinn mehr die Ausführung an eine externe Firma zu vergeben, dann macht man es besser selbst.

by Guntfred on 16.12.2011 at 13:39. #

Naja, Politiker sind aber auch keine Usability-Experten und müssen es ja auch nicht sein. Am ehesten muss es ein kontinuierlicher Prozess sein, bei der man sich Kritik anschaut, diese diskutiert und entsprechend nachbessert. Auch in Bezug auf den Prozess weiss ja heute noch niemand, wie der optimale Prozess von Bürgerbeteiligung aussieht. Dies selbst muss halt ein Prozess der andauernden Reflektion, Diskussion und Verbesserung sein und zwar zwischen Politik, Verwaltung und Bürgern. Laut Politik sei das ja eh geplant, nur wollte bislang keiner darüber diskutieren, wie genau denn das stattfinden soll. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt (bzw. direkt im neuen Jahr dann wohl eher).

by Christian Scholz on 16.12.2011 at 15:56. #

Hallo Guntfred,

ich halte Deine Ausführungen zur Plattform bzw. zu Christians Anmerkungen zu http://www.aachen-rechnet-mit-ihnen.de für überzogen. Das zeigt alleine schon der direkte Vergleich mit Chrisitans Vorschlag und mit allen anderen Verfahren bzw. Plattformen in Deutschland, die von anderen durchgeführt wurden. Du blendest aus, dass es sich bei Plattformgestaltung und -funktionsspektren immer um konfligierende Aspekte handelt, d.h. man nie alles nur verbessern kann, sondern mit der Modifikation einer Darstellung oder einer Funktion immer Vor- und Nachteil verbunden sind, die man gegeneinander abwägen muss.

Besten Gruß,
Oliver Märker
Zebralog

by Oliver Märker on 21.2.2012 at 12:42. #