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Statusbericht: Verwaltungstreffen zum Ratsinformationssystem Aachen, Open Data und Aachen App

by Christian Scholz on July 2, 2012

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Am letzten Freitag war ich mit den Piraten zu Gast bei der Stadt Aachen und wir haben über das Ratsinformationssystem, die Aachen-App und Open Data gesprochen. Hier mein Bericht.

Das Ratsinformationssystem, Ratsanträge, Workflow

Wie einige vielleicht wissen, haben wir in Aachen ALLRIS im Einsatz. So wirklich gefallen tut die aktuelle Version wohl keinem und so war unsere Frage, was man generell daran verbessern kann.

Die Stadt hat uns darüber aufgeklärt, dass natürlich Updates der Software regelmässig eingespielt wurden, aber über die Zeit (seit 2004) wohl keine neuen Module hinzugefügt wurden. Insofern ist der Funktionsumfang daher auch nicht gewachsen. Das aber soll sich nun ändern.

Eine konkrete Frage war dabei die nach dem Workflow. Wer das System in Aachen kennt, der weiss, dass es eigentlich nur eine Ansammlung von Tagesordnungen mit den dazugehörigen Dokumenten ist. Der Workflow, also wie es von z.B. einem Antrag durch die einzelnen Ausschüsse in den Rat und dann zu einer Entscheidung kommt, wird also nicht abgebildet. Das allerdings soll sich wohl ändern, es soll in Zukunft möglich sein, einen Ratsantrag zu verfolgen. Das Ziel sei, Dinge sofort nach aussen zu geben, sobald sie verfügbar sind.

Das Hauptproblem sei dabei nicht die Technik, sondern eher der interne Prozess in der Verwaltung. Es geht um die Frage, wer wann genau was machen muss. Dieser Prozess ist im Moment noch in Arbeit, weswegen auch der Workflow noch nicht genau definiert ist. Es gibt allerdings Gespräche mit dem Hersteller zur Frage, wie genau sowas technisch umgesetzt werden kann (und sicherlich auch, wie viel es kostet). Zeitlich wollte man sich verständlicherweise nicht festlegen, sprach aber von etwas vorzeigbarem bis Ende des Jahres.

Nun würde es natürlich Sinn machen, den Anforderungskatalog zu veröffentlichen, so dass auch die Öffentlichkeit vielleicht noch Ideen hinzufügen kann oder überhaupt weiss, dass Erweiterungen (und welche) geplant sind. Dies allerdings will man wohl nicht, da es ja eher um interne Prozesse gehen würde, die ja den Bürger nicht interessieren. Nach aussen hin sei ja das Ziel mit der schnellstmöglichen Verfügbarkeit schon vorgegeben. Eine Verfolgung von Ratsanträgen würde sie aber auf jeden Fall schaffen. Weiterhin war von einer iPhone- und Android-App die Rede, auch da gibt es wohl schon etwas vom Hersteller. Wie weit diese Ideen gediehen sind, ist mir aber leider entgangen. Wir haben dann nochmals klar gemacht, dass eine offene Schnittstelle eigentlich das wichtigste ist, da man dann viele Erweiterungen ja auch selbst implementieren kann. Man wollte daher beim Hersteller nachhören, was möglich ist oder schon zur Verfügung steht.

Ansonsten sollen wir doch, wenn wir noch Ideen haben, diese einfach an die Stadt schicken. Das werden wir dann wohl tun, allerdings weiss ein “normaler” Bürger dann immer noch nicht, dass dies möglich ist und an wen man das denn schicken soll. Was hier wohl auch klar wurde: Eine Öffnung der Politik ist für die Verwaltung ok, eine Öffnung der Verwaltung selbst scheint eher undenkbar. Hier bedeutet das also konkret, dass ein öffentliches Brainstorming, was man am Ratsinformationssystem besser machen kann, nicht vorgesehen ist. Das ist insofern ein Problem, dass eine Verwaltung leider nicht immer weiss, welche Anforderung ein Bürger an Informations- und Partizipationswerkzeuge hat. Hier müsste also eigentlich ein Dialog stattfinden, da dies auf lange Sicht ja auch Kosten und Frust auf allen Seiten einspart. Mich persönlich interessiert nämlich sehr wohl und sehr stark, wie die Verwaltung intern eigentlich arbeitet.

Aachen App

Wie ihr vielleicht wisst, gibt es auch eine Aachen-App für iOS. Die jetzige Version war erstmal nur ein Versuchsballon, um zu sehen, ob überhaupt Akzeptanz da ist. Das scheint der Fall zu sein und daher soll sie nun auch weiterentwickelt werden. Hier gab es nicht soviel neues, ausser dass es sie demnächst auch für Android geben soll. Es wurde von uns noch eine iPad-Version angeregt, aber das hängt natürlich vom Preis ab.

Was aber auf jeden Fall noch eingebaut werden soll, ist ein richtiger Beschwerdeworkflow. Den gibt es im Web auch schon, er soll aber nun für die mobile App entsprechend angepasst werden.

Insgesamt war man wohl recht zufrieden, da man als Stadt Aachen auch noch relativ früh am Start gewesen sei.

Open Data

Auch hier ist man dran, allerdings ist das Haupthinderniss die mangelnden Regulierungen in diesem Bereich. Man will ungern selbst Regeln aufstellen, sondern erwartet das eher von Land oder Bund. Hier geht es vor allem um die Frage von Lizenzen und Datenschutz aber auch die Frage nach Veränderbarkeit von Daten kam mal wieder auf. Was also passiert, wenn jemand die Daten zieht und dann verändert wieder veröffentlicht. Wir hoffen, dass wir es geschafft haben, zumindest diese Angst zu zerstreuen, da es ja auch jetzt mit PDFs und gedruckten Unterlagen möglich, also nichts neues, ist.

Generell bleibt aber das Problem von fehlenden Rahmenbedingungen. Und hier würde ich mir von Open.NRW auch wünschen, dass man den Kommunen da unter die Arme greift. Denn man kann ja schlecht erwarten, dass Hunderte von Kommunen jeweils eigene Regeln erarbeiten. Synergie-Effekte wären hier sehr willkommen.

Insgesamt gibt es auch schon viele Daten, die veröffentlicht sind, allerdings nicht in maschinenlesbarem Format, sondern eher als PDF oder HTML. Wenn das nun z.B. CSV sein soll, dann muss natürlich die Verwaltung da ran, was man aber nicht machen will, bevor man nicht die Rahmenbedingungen kennt. Mein Eindruck war aber schon, dass man sich in das Thema einarbeitet.

Wir beendeten das Meeting indem wir noch ein paar Beispiele gezeigt haben, was man alles machen kann, wenn man denn nur Daten zur Verfügung hat.

Fazit

Insgesamt war es aus meiner Sicht ein recht produktives Meeting, zumindest hat man viel erfahren. Andersrum könnte man natürlich auch argumentieren, dass auch das, was die Verwaltung macht, eigentlich öffentlicher sein müsste. Aber es scheint sich was zu tun, wenn eben leider auch eher nicht-öffentlich.

Klar ist aber auch, was eigentlich schon vorher klar war: Land und Bund müssen langsam mal in die Pötte kommen und Ressourcen erstellen, wie Open Data in den Kommunen ermöglicht werden kann. Dies bedeutet nicht unbedingt ein Open Data-Portal, sondern vor allem erstmal Lizenz-, Urheberrechts- und sonstige Rechtsfragen.

Da andere Länder das ja schon machen, kann das ja eigentlich nicht so schwer sein.

Hier noch topftäglich 51, wo ich das auch noch einmal thematisiere: