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We Rate It: kollaborative Altersbewertung als Experiment für die JMStV-Diskussion

by Christian Scholz on February 14, 2011

werateit-square

In der Diskussion rund um den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) kam oftmals der Vorwurf auf, dass wir Internet-Heinis ja gerne mal was kritisieren, aber nicht mit Alternativvorschlägen aufwarten würden. Und so wäre es ja besser, irgendwas zu machen, als gar nichts zu machen.

Doch dieser Vorwurf stimmt nicht, denn einerseits fordern wir ja, ganz umzudenken und mehr auf Medienpädagogik anstatt auf Restriktionen zu setzen und andererseits stand in dem offenen Brief an die MdL aus NRW ja ein Vorschlag, der auf einem kollaborativen Ansatz basiert, bei dem nicht die Webseiten-Betreiber Seiten bewerten, sondern die Community (also vor allem Eltern, Lehrer usw.).

We rate It

Diese Idee haben wir bei COM.lounge Ende 2010 mal aufgegriffen und in Form einer Erweiterung für Google Chrome implementiert. Wir haben dabei einfach zunächst die bekannten Altersgruppen übernommen und ein Plugin implementiert, mit jeder Website-Besucher ein eigenes Rating der Website abgeben kann.

Zu finden ist diese Erweiterung unter werateit.de und installiert man sie, hat man danach ein neues Icon in der Browser-Adressleiste.

Besucht man nun Websites, so zeigt dieses Icon die Altersklassifizierung an, die bislang die meisten Stimmen bekommen hat. Zeigt es ein Fragezeichen, so ist noch keine Bewertung eingegangen. Selbst eine Bewertung abgeben kann man durch Klick auf das Icon und Auswahl der entsprechenden Altersbewertung:

Was bringt das?

Zunächst einmal ist das ein Experiment und eine erste Version desselbigen. Aber es funktioniert und anhand der gesammelten Daten kann man zu einem späteren Zeitpunkt untersuchen, wie breit die Streuung der Bewertungen aussieht. Auch wird man selbst beim Klick auf das Icon schon merken, dass es gar nicht so einfach ist, eine richtige Bewertung abzugeben. Versucht es also mal!

Wenn man nämlich selbst merkt, wie schwer das eigentlich ist, stellt sich die Frage, wieso dies von Webseiten-Betreibern verlangt werden sollte und wie FSK und Co. das eigentlich hinbekommen.

Ob man im weiteren die Daten dann für Filterprogramme oder eher einen Empfehlungsservice nutzt, also ob man eher restriktiv oder aufklärend an die Sache herangeht, wäre die nächste Frage. Ich würde letzteres wohl bevorzugen, denn allein, wie man einen unumgehbaren Filter schreiben will, ist mir ja schon schleierhaft. Auch offen ist die Frage, wie man einen möglichst hohen Anreiz schafft, bei einem solchen Tool mitzuwirken, denn es lebt natürlich von der Masse.

Die Antworten auf diese Fragen hängen aber am meisten davon ab, wie Jugendmedienschutz in Deutschland weiter ausgestaltet wird. Vielleicht leistet dieses Tool ja einen kleinen Beitrag dazu.

Wer in Kontakt bleiben will, findet hier die zugehörige Facebook-Seite, hier den Twitter-Account und hier die Homepage mit Mailing-Liste zum Projekt.

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4 comments

[...] “Ist es überhaupt möglich, Web-Seiten nach Altersstufen zu kategorisieren?” Dieser Kernfrage des gescheiterten Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) für Online-Inhalte will die Agentur COM.lounge jetzt mit einem Experiment selbst klären: Für den Google Browser Chrome stellt die Agentur ein spezielles Plugin zur Verfügung, mit dem man eine Website selbst nach den bekannten Altersklassifizierung (frei ab 0 aka Ohne Altersbeschränkung, 6, 12, 16 und 18) einstufen kann. Im nächsten Schritt will man die zeigen, wie breit die Streuung der Bewertungen aussieht – oder vielleicht auch nicht. Die Macher sind selbst gespannt auf die Ergebnisse und versprechen Offenheit: Zum Experiment gibt es neben einer kleinen Website, einer Facebook-Page und einem twitter-Account auch eine Mailing-Liste, die allen offen steht, und in der Interessierte diskutieren können. via Christian Scholz [...]

by Experiment zur Alterseinstufung von Websites | Medienrauschen | Medienweblog | Social Media, Medien, Online Gaming on 14.2.2011 at 16:04. Reply #

Super Sache! Habe das Plugin gleich mal installiert und werde es rege verwenden.

Zur Frage ob eine Altersbeschränkung im Netz Sinn macht: Im Moment arbeite ich an diesem Thema und hatte das Vergnügen mit einigen Experten zu sprechen, so zum Beispiel vom spieleratgeber-nrw.de
Konsens: Der früheste Aufbau von Medienkompetenz ist sinnvoller als jegliche Kontrollpädagogik. Nur so lassen sich die Kinder auf eine Zukunft vorbereiten, von der wir hier nur Vages ahnen.

Danke für deine Arbeit in diesem Bereich!

by Droid Boy on 14.2.2011 at 23:39. Reply #

Wird es auch noch n Firefox-Plugin geben? Ist dies angedacht oder kommt es auf die Nachfrage an?

by Volker on 14.2.2011 at 23:57. Reply #

Das ganze begann ja als Experiment, um zu sehen, wie schwer ein Chrome-Pluginzu implementieren ist. Firefox wäre daher aus ähnlichen Gründen interessant. Ist aber eher ne Zeitfrage im Moment. Ist ja schliesslich nur son Hobby-Projekt im Moment und kein Business.

Hilfe wird aber auch gern angenommen :-)

by Christian Scholz on 15.2.2011 at 03:05. Reply #

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