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Was ist das "One Laptop per Child”-Projekt? (und Keynote von Alan Kay)

by Christian Scholz on November 11, 2007

Gerade habe ich in meinen Video-Archiven noch die Keynote von Alan Kay zur letztjährigen EuroPython gefunden und das erinnerte mich daran, dass ich vielleicht nochmal etwas über das “One Laptop per Child“-Projekt schreiben sollte. Dieses ist nämlich einerseits wichtig, andererseits aber auch technisch recht interessant und hat der Welt so manche Innovation beschert.

Was istOLPC

Für die, die dieses Projekt nicht kennen, eine kleine Einführung. Ziel dieses Projekts ist es, ein Laptop herzustellen, das nicht mehr als US$100,- kostet, um dieses Laptop dann an Kinder rund um die Welt zu verteilen, die sich anderweitig keinen Computer leisten können. Hier geht es natürlich vor allem um Kinder in den armen Gebieten dieser Welt. Gegründet wurde dieses Projekt von Nicholas Negroponte und anderen Mitgliedern des MIT Media Lab und es wurde auf dem World Economic Forum in Davos im Januar 2005 anfekündigt.

Und es hat einiges an Erfolg zu verzeichnen, denn Firmen wie AMD, Brightstar Corporation, eBay, Google und viele andere sind Sponsoren und jede hat 2 Millionen US$ gespendet.

Netzwerk

Natürlich geht es nicht nur um die reine Herstellung eines Laptops, sondern um viel mehr, soll es denn den Kindern auch etwas bringen. So soll unter anderem auch ein Internetzugang bereitgestellt werden. Dies ist in vielen Gebieten dieser Erde nun nicht so einfach möglich (Digital Divide) und daher hat man das “Mesh Network” ersonnen. Das Laptop kommt dazu mit einer eingebauten WLAN-Karte, die von Marvell entwickelt wurde. Diese Karte unterstützt low-level Mesh-Routing-Möglichkeiten, was im Printip bedeutet, dass jedes Laptop auch als Router fungiert und somit selbst wieder eine kleine Netzwerkzelle ist. Diese Routingfunktionalität besteht sogar, wenn der Hauptprozessor ausgeschaltet ist. Diese Mesh-Routing ermöglicht benötigt daher auch nur eine recht geringe Sendeleistung, da das nächste Laptop wahrscheinlich näher als der nächste richtige WLAN-Router ist.

Die beiden “Ohren”, die ihr auf dem Bild seht, sind übrigens die Antennen, die zudem auch als Abdeckung für Audio- und USB-Anschluß dienen.

Software

Eines der Grundprinzipien des Laptop ist freie Software. Aus diesem Grund läuft das Gerät nicht mit Windows oder MacOSX, sondern unter Linux, genauer gesagt Fedora 7.

Dann ist die Zielgruppe natürlich Kinder und daher liegt der Schwerpunkt bei der Software dann auch etwas anders als bei normalen Laptops. Hier geht es (und Alan Kay beschreibt dies in seiner Keynote noch deutlicher) darum von einem “Instruktionismus” zu einem “Konstruktionismus”, also Learning-by-doing, zu kommen. Das OLPC-Wiki nennt hier 3 Dinge:

  1. Lehrer (und Schüler) können Lehrpläne und anderes Lernmaterial erzeugen
  2. Sie können dieses Material miteinander tauschen
  3. Sie können über diese Erzeugnisse diskutieren.

Das Wiki sagt außerdem noch:

“Thus we can infect the Education Industry with the ethics, methodologies, and efficiencies of the Open Source community.”

Darauf aufbauend läuft als grafische Oberfläche das X Window System und der Matchbox Window Manager. Das OLPC-Projekt beinhaltet auch ein eigenes Benutzerinterface, das sich Sugar nennt. Hier ein Screenshot:

Sugar running on Fedora

(hier gibt es noch ein kleines Demo)

Der Schwerpunkt bei der Entwicklung liegt dabei bei Python (auch deswegen finde ich es gut ;-) ) und GTK. Alle Programme für das OLPC müssen den OLPC Human Interface Guidelines entsprechen. Man sollte dabei natürlich auch nicht vergessen, dass die Zielgruppe hier Kinder sind.

Wer das alles selbst mal ausprobieren möchte, kann die Live-CD benutzen (die aber alt ist) oder aber das Betriebssystem emulieren, was wichtig ist, um z.B. Software für das Laptop entwickeln zu können.

Wie kann man mitmachen?

Am besten natürlich durch den Kauf eines solchen Laptops für ein Kind in einem Entwicklungsland. Das kostet US$ 200,- inklusive Lieferung. Wer in Nordamerika wohnt hat zudem die Möglichkeit, am “give 1 get 1″-Programm teilzunehmen. Dazu zahlt man US$ 399,- und hat damit 2 Laptops gekauft, eines für sich selbst und eines für such selbst. Diese Aktion beginnt in ein paar Tagen, nämlich am 12. November.

Weitere Möglichkeiten des Mitmachens findet man hier und hier. Zudem gibt es einen Cause auf Facebook.

Die Keynote von Alan Kay zum Thema

Alan Kay hat, wie oben schon angedeutet, mehr über die Herangehensweise in Bezug auf das Lernen als über die Hardware zu sagen (da gibt es natürlich trotzdem eine Einführung zu). Und in diesem Bereich ist natürlich auch wieder Mark Shuttleworth beteiligt, denn er kommt ja aus Afrika (wenn auch Südafrika) und seine Mark Shuttleworth Foundation hat nicht nur Ubuntu ins Leben gerufen, sondern z.B. auch SchoolTool initiiert, eine auf Python und Zope aufbauende Software, die Schulsoftware an die Schulen Afrikas bringen soll. SchoolTool ist dabei Open Source und hat außerdem Zope 3 viele Ergänzungen und Projekte beschert.

Im übrigen erinnert mich dies an die Keynote, die Mark Shuttleworth auf der EuroPython 2004 gehalten hat, die vom Vortragsstil die beste war, die ich bislang gesehen habe und wo außerdem Ubuntu angekündigt wurde (damals hiess es noch nicht so, er hat mehr seine Intention dargelegt, eine Linux-Distribution zu machen, die viel mehr auf Python aufbaut. Und dahin scheint bei Ubuntu ja die Reise zu gehen).

Hier aber nun Teil 1 der Keynote von Alan Kay (der leider nur per Videokonferenz aus LA zugeschaltet war), die beiden anderen Teile kommen bald.


PS: Wer Alan Kay nicht kennt: Der hat im Prinzip die Objektorientierte Programmierung erfunden und war ein Pionier im Bereich grafischer Benutzeroberflächen. Hier der deutsche Wikipedia-Eintrag über ihn.

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6 comments

Danke für die Zusammenfassung. Von der Realisierung (im Sinne von Hardware und Software Design) mal abgesehen – macht so ein Gerät Deiner Einschätzung nach wirklich Sinn? Ist eine ganz ernst gemeinte Frage, ich bin selbst nämlich hin- und hergerissen zwischen:
a) das braucht doch da niemand ernsthaft, die haben doch ganz andere Probleme mit Themen wie Bildung eher auf der Rückseite der Prioliste
b) grade so etwas wird gebraucht damit man eben mal einen wirklich Schritt weiter kommt.

Dann wiederum – hat sich jemand mal Gedanken gemacht wie man verhindert, daß irgendwelche Warlords die Teile unter ihre Kontrolle bringen? (nein, nicht per Trojaner mehr so durch wegnehmen :-) ) Wurde das adressiert?

by dirkk on 11.11.2007 at 12:33. Reply #

Den Grundgedanken dieses Projekts finde ich ja sehr gut, aber ich frage mich, ob das ganze nicht ein bisschen vorbei an der Realitaet ist???
http://blog.cubalaya.de/2007/11/mit-dem-100-dol.h…

by Anki on 11.11.2007 at 16:07. Reply #

Admitting that I can't read anything on this page asides from the title…

I think I saw more OLPCs in the wild yesterday than I had ever seen while at the HBS Cyberposium 13. I think most of them were owned by OLPC employees, but I overheard one of them telling Philip Rosedale of Linden Labs that they were sending him one. Second Life on the OLPC? That would be sweet.

by David Fisher on 11.11.2007 at 20:58. Reply #

Hallo Christian,

sehr schöne Einführung! Wenn du Interesse an dem Projekt hast, laden wir dich ganz herzlich auf http://www.olpc-deutschland.de ein. Wir haben auch eine Möglichkeit vorgestellt, wie man die Beschränkung von Give 1 Get 1 auf Nord-Amerika umgehen kann.

Viele Grüße,
Gregor
http://www.olpc-deutschland.de

by Gregor on 12.11.2007 at 16:17. Reply #

Ich bin da etwas hin- und hergerissen bei der Kritik. Sicherlich gibt es viele Dinge, die man statt einem Laptop vielleicht zunächst angehen sollte. Aber würden dieselben Leute, die das OLPC jetzt machen, dies angehen? Wahrscheinlich nicht.
Das OLPC passiert zusätzlich.

Ich sehe das Ganze glaube ich mehr als Chance. Jedes Kind hat ihr potentiell die Möglichkeit sich aus der Masse herauszuheben. Es ist definitiv dank des Netzwerks ein Fenster zur Welt. Ich finde diesen Aspekt evtl. sogar den wichtigsten. Wenn ich mich recht erinnere, nennt auch Eben Moglen gerade diesen in der Keynote, die er bei der Plone Conference im letzten Jahr gehalten hat (Eben Moglen ist bei der Free Software Foundation beschäftigt und u.a. sehr in die Entwicklung der GPL v3 involviert. Daher sieht er das sicherlich auch sehr aus diesem Blickwinkel, zugegeben).

Ich denke auch, dass es viele Gegenden gibt, wo es vielleicht gerade genug zu Essen gibt, aber mehr auch nicht. Gerade da hilft es IMHO ungemein, den Anschluss an den Rest der Welt nicht zu verlieren.

Vielleicht glaube ich ein bisschen zu sehr an die Macht des Netzes, aber generell sehe ich das OLPC nicht als Mittel, die Armut dieser Welt auszuräumen, sondern eben nur als Puzzlestück, um den Digital Divide etwas zu verringern.

(BTW, die Kinder zahlen das Laptop natürlich nicht selbst, das wird gesponsort, z.B. indem man denen US200,- überweist).

@Gregor Danke für den Link!

@David I never know when to post in which language ;-) But it's mostly from the official pages. I think at the last EuroPython there have been some OLPCs around as some people are developing for it. I doubt though that SL will run on it, at least not a graphical version. But in some years… :-)

by Christian Scholz on 14.11.2007 at 23:35. Reply #

@Christian: Deine Anmerkung über die potentielle Zuhörerschaft, finde ich sehr anregend und richtig!Definitiv ein Aspekt, der nicht zu unterschätzen ist. Den Punkt über eine mögliche Gefahr den Anschluss an unsere Kommunikationsgesellschaft zu verlieren finde ich wiederum schwierig, denn wer sagt, dass die kids sich unseren Vorstellungen einer modernen Gesellschaft anschließen sollten. Was ich primär an dem ganzen OLPC Projekt kritisiere ist, dass es an die Realität der Kids vorbei geht – und immer diesen "unangenehmen" Beigeschmack von " wir helfen euch unsere Welt zu verstehen" hat. Denn was passiert denn wenn die Kids die Schule beendet haben – nehmen wir dabei ruhig an sie haben die OLPC -Laptops genutzt und wissen jetzt um das Internet und all die bunten Moeglichkeiten in der weiten Welt. In den meisten Faellen werden Sie wahrscheinlich das Computerwissen nicht weiter nutzen koennen…und deshalb verstehe ich die Aufregung um das ganze Projekt nicht, denn es wirkt kurzgedacht und leider auch etwas "goennerisch" – Ich denke davon hatten wir genug in den vergangenen Jahrzehnten. Ein Blick auf die Statistiken der Entwicklungszusammenarbeit der vergangenen Dekaden beweist das mit einer ernuechternden Bilanz. Auch ist mir der Abhaengigkeitsgedanke bei dem OLPC – Projekt zu hoch, im Sinne von wir zeigen euch "unseren Weg" auch wenn der fuer eure Realitaet nicht unbedingt zutreffend ist.

by Anki on 15.11.2007 at 16:28. Reply #

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