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Ist Deutschland bereit für Web 2.0?

by Christian Scholz on June 16, 2007

Ein bisschen Zeit ist ins Land gegangen (zumindest bezogen auf das Internet) und nicht allzuviel hat sich bei flickr getan, seit an verschiedenen Stellen über ihre Zensur berichtet wurde (mein Post hier, der von Cem hier).

So gab es zunächst eher nichtssagende Updates, dass man viel diskutieren würde, bis dann Heather Champ jenes Statement abgab (Auszug):

The central problem is that Germany has much more stringent age verification laws than its neighboring countries and specifies much harsher penalties, including jail time, for those with direct responsibility (in our case, it would be our colleagues in the German offices and we’re not willing to make a call that has that kind of consequence for them).

Wie Cem hier darlegt, scheint das Problem also in der deutschen Rechtssprechung zu liegen, die einerseits Forenbetreiber für die von ihren Nutzern eingestellten Inhalte strafbar macht und andererseits im StGB §184, wo es um Minderjährige und pornographische Schriften geht. Dies also macht flickr Bauchschmerzen.

Während man evtl. noch eine Altersverifikation einführen könnte (ähnlich den Plänen von Linden Lab), bleibt es wohl beim Problem der Kommentarhaftung und da frage ich mich, ob denn Deutschland eigentlich für Web2.0-Anwendungen bereit ist. Wer wird denn guten Gewissens in Zukunft in Projekte in Deutschland investieren wollen, die immer Gefahr laufen, Klagen anzuziehen?

Und da es in Deutschland ja eh schon schwierig zu sein scheint, ein Startup aufzumachen (schnell wird ja hierzulande alles in Grund und Boden kritisiert, wer scheitert, hat für immer verloren usw.), so wird es durch diese Gesetze nicht wirklich einfacher. Auch sehen wir ja anscheinend, dass bestehende Firmen ihr Engagement zurückfahren (müssen) und auch in Second Life (wohl nicht von Seiten Linden Lab) wurde hier und da schon der Ruf laut, dass man doch Deutschland einfach aussen vor lassen solle.

Vielleicht könnten die Damen und Herren Politiker da nochmal kurz ran? Wär gut für’s Land.

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2 comments

Das Problem ist aber schlicht und ergreifend im Fall der Kommentarhaftung bei Flickr dass Flickr/Yahoo ein Office in D hat. Schließlich juckt es Deutschland nicht was auf US-Seiten passiert, auch nicht wenn Deutsche sie sich ansehen … dann soll Flickr das deutsche Büro doch zu machen. Die getroffenen Maßnahmen sind nämlich nicht bloß sinn- und wirkungslos sondern zum Teil auch illegal nach _deutschem_ Recht. Ansonsten empfehle ich http://www.flickr.com/help/forum/en-us/42997/ zur Lektüre.

Dass die deutsche Rechtsprechung in bezug auf das WWW einen Hau hat, unterschreibe ich sofort. Man sollte sie samt Bundesinnenminister in eine Rakete auf den Mond schicken und da Sandburgen bauen lassen ;-)

by Petra on 16.6.2007 at 17:41. Reply #

Ja, aber andererseits müssen international agierende Firmen auch lokale Büros haben. Man will ja auch nicht gaaaanz weit weg von seiner Userbase sein. Hätte z.B. auch Linden Lab ein Büro in Europa gehabt, so hätte man vielleicht auch schneller auf die schlechte Presse reagieren können (nicht, dass es in Bezug auf Signups geschadet hätte, aber haben will man sowas ja doch nicht).

Und es gibt ja sicher noch andere Gründe, weswegen lokale Büros Sinn machen (hey, die zahlen dann auch Steuern ;-). Daher mein Aufruf, sie nicht alle hier rauszuekeln ;-)

by Christian Scholz on 16.6.2007 at 17:50. Reply #

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