FutureMusicCamp 2009: Ralf Plücker über die Musik-Retailer-Problematik - mrtopf.demrtopf.de

FutureMusicCamp 2009: Ralf Plücker über die Musik-Retailer-Problematik

My report from the german FutureMusicCamp and a session about the problems of music retailers

Ralf Plücker auf seiner Session

Das Thema der Session ist ein Erfahrungsbericht aus der Sicht eines Musik-Retailers (wie Musicload, iTunes, Vodafone, NokiaComesWithMusik) und welche unerwarteten Probleme dort auftreten.

Was es gibt an Produkten: Freizeichentöne, Klingeltöne, komplette Musikstücke.

Die Frage ist: Wie bekommt man neue Musikdienste in den Markt.

Ralf hat sich zunächst gefragt, warum alles so schlecht läuft. Warum gibt es z.B. DRM? Mit DRM wird man nie gewinnen. Er dachte, nach einem Monat ist dies abgeschafft. „Wie habe ich mich geirrt!“.

DRM-freie Musik einzuführen hat sehr lange gedauert trotz der dauernden Ankündigungen.

Musik-Flatrate

Was Vodafone jetzt auch hat ist eine Musik-Flatrate, a la Napster, wo man die Musik nur leiht und nicht mehr drauf zugreifen kann, wenn man den Dienst beendet.

Seine Frage: „Wie kann das funktionieren?“ Wir haben alle eine Musik-Sammlung zu Hause, a la Jäger-und-Sammler. Wie also kann das tun? Vodafone hat es ja trotzdem eingeführt.

Antwort: Für die neue Generation ist das egal, was ich jetzt runterlade ist ja in 6 Wochen wieder alt.

Die Antwort ist eher: Es geht nicht um die Sammlung an sich, sondern um die Auswahl. D.h. es geht mehr um den Zugriff auf Musik.

Er stellte die Frage: „Wieviele CDs würdet ihr neu kaufen, wenn euer Haus abbrennt und ihr das Geld bekommt?“

Der Wert der Sammlung liegt daher mehr in der Auswahl begründet. Durch das Ausschalten der Flatrate wird ja das Musikhören nicht beendet, wenn man zu einem neuen Anbieter wechselt.

Aber Problem für mich trotzdem: Es ist noch DRM drauf und es läuft nur auf bestimmten MP3-Playern.

a la carte

Aber es wird auch mehr DRM-freie Musik verkauft, da geht es dann um Interoperabilität. Man hat verstanden, dass es eine Kundenanforderung ist, dass man Musik, die man gekauft hat, auch überall anhören kann. Das nennt man „a la carte“.

D.h. in dem einen Bereich wird DRM abgeschafft, in dem anderen wird es noch wichtiger, denn das DRM-System muss auch noch rausfinden, ob der Kunde auch noch bei dem Dienst ist.

Diskussion

Bzgl. Flatrate wurde das Problem geäussert, dass man als Musiker ja gar nicht mehr weiss, wie toll man wirklich die entsprechende Musik findet. Flatrate würde Musik beliebiger machen. Man sieht Verflachung der Qualität.

Ralf: Auch von der GEMA wird das als „minderwertiger“ Konsum bewertet, d.h. eine über die Flatrate gekauftes Musikstück schüttet weniger aus als ein gekauftes Album. Man würde gerne fairer gegenüber der Musikindustrie sein, dass man jeden Play registriert und nicht Download. Hat aber technische und Datenschutz-Probleme.

Das gibt es aber per last.fm auch schon, aber dort wird es freiwillig vom Benutzer gemacht.

(Eigene Anmerkung: Es geht hier immer noch um Abrechnung, ist das nicht auf lange Sicht egal? Wird Musik nicht mehr ein Service werden anstatt ein Produkt?)

Auch „Upselling“ wird angeboten: Dass man ein Stück aus der Flatrate heraus für immer kaufen kann.

Noch zur Qualität: Die kleinen Indy-Labels sind gar nicht bei den all-you-can-eat-Modellen vertreten.

Guter Einwurf von meinem Nachbar: Es geht nicht darum, was die Künstler wollen, sondern was die Kunden wollen. (und es sei ein Drama, dass der Kassettenrekorder von damals auf Handygrösse geschrumpft ist, ist aber ein Fakt). Die Verflachungsdiskussion wird auch nicht von Vodafone und anderen Retailern bestimmt, sondern von den Multiplikatoren, wie Medien. Auch Qualität wird gefragt sein, aber eher eine Nische, die trotzdem funktionieren kann.

Seine Meinung: Flatrates sind hip, da es nicht um die Qualität geht, sondern darum wie neu und cool es ist. Man müsste auch eher die Diskussion führen wie „Brauchen wir Labels noch?“ „Wie werden wir die GEMA los?“ usw.

Noch ein weiteres Problem: Musikindustrie hat gesagt, dass sie gerne DRM-freie Musik auf dem PC anbieten dürfen, aber nicht auf dem Handy. Grund: Dann könnten Schüler ja alles auf dem Schulhof tauschen. Davor hatte man Angst. Hat lange gedauert, das zu kären.

Oder: Man will Vodafone zwingen, die wegbrechenden CD-Zahlen zu kompensieren, denn „die“ machen ja mit ihrem Digitalem alles kaputt.

Solche Verhandlungen sind sehr langwierig und dauern auch immer noch an.

Aus dem Publikum: Auch die Diskussionen über „a la carte“ laufen immer noch und daran verdienen aber im Moment nur Anwälte.

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