Kann mal jemand Frau von der Leyen das Internet erklären? - mrtopf.demrtopf.de

Kann mal jemand Frau von der Leyen das Internet erklären?

Wie bei heise zu lesen ist, will Frau von der Leyen also immer noch das Internet sperren, zumindest zunächst einmal kinderpornografische Sites. Dies will sie tun, indem Internetprovider eine Liste von solchen Sites bekommen und diese blockieren.

Im Artikel bei netzpolitik zur werden z.B. dazu DNS-Sperren angesprochen. Dies bedeutet also, dass bei deutschen ISPs die entsprechenden Sites aus den DNS-Servern gelöscht würden, so dass eine Namensauflösung in die IP-Adresse nicht mehr möglich ist. Und ohne die IP-Adresse kann der Server nicht angesprochen werden.

Das Problem ist nur, dass sich ruckzuck ein neuer DNS-Server eintragen lässt, der z.B. im Ausland steht und nicht von der deutschen Justiz erreicht werden kann. Das wird sich relativ schnell rumsprechen und nur „Gelegenheitskonsumenten“ (wie es bei der BITKOM genannt wird) werden davon wohl ausgesperrt.

Diskutiert wurden auch IP-Sperren, wo dann die IP-Adresse direkt gefiltert würde. Bei netzpolitik heisst es:

Die Diskussion ging in großen Teilen um die Sperrung per DNS. IP-Sperren wurden zwar erwähnt, aber immer mit dem Hinweis, dass damit viele unschuldige Seiten auch gesperrt werden können, was bereits geschehen ist.

Dies ist klar, werden doch meist mehrere Web-Server auf einer IP-Adresse gehostet, die man dann alle mit einem Schlag sperren würde.

Zudem ist KiPo leider auch ein Millionengeschäft und die Anbieter werden sicher Wege finden, diese Sperren zu umgehen, z.B. durch Proxies (die natürlich auch wieder gesperrt werden könnten, aber das können ja z.B. unfreiwillig offen gelassene Proxies sein, die dann als weitere Kollateralschaden in die Liste eingehen).

Auch Content-Filter wurden wohl angesprochen, die anhand von bestimmten Prüfsummen KiPo erkennen und ausfiltern. Problem nur ist, dass diese Filterung natürlich zu Lasten der Performance geht, denn wenn jeglicher Traffic beim Provider zunächst gefiltert wird, kann man davon ausgehen, dass Übertragunsraten in den Keller gehen. Zudem kostet das natürlich auch viel Geld.

Und noch ein anderes Detail:

Eine Sperrung der Seiten mittels Stopp-Seite könne User in einer solchen Situation auf die Unrechtsmäßigkeit hinweisen und Access-Versuche gleich noch protokollieren

Nun kann man natürlich auch zufällig auf eine solche Site kommen (z.B. da nicht auf jedem Link draufsteht, was drin ist) und wird damit schon verdächtig.

Weitere Probleme sind:

  • Kommt eine solche Liste mit zu filternden Sites an die Öffentlichkeit, so wäre das der GAU, wird sich aber wahrscheinlich nicht verhindern lassen, da jegliche Datensammlungen niemals sicher sind (vor allem, wenn sie noch an alle ISPs geschickt wird).
  • Eine Filterung von KiPo ist nur der Anfang, andere Themenbereiche werden dann schnell hinzukommen. Kollateralschäden sind bei all diesen Methoden nicht ausgeschlossen. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat ja nicht zu unrecht darauf hingewiesen, dass diese Sperren „verfassungsrechtlich bedenklich“ sind. Es wird z.B. auch erwähnt, dass „Provider aus Furcht vor Geldbußen auch Inhalte sperren, die an sich unbedenklich sind“ (laut Spiegel).
  • man von der Sperrung krimineller Sites auch schnell zur Diskussion um das Urheberrecht kommt, wie netzpolitik weiss. Davon träumt die Medienindustrie ja eh, wird aber auch durch solche Filterungen ihren Umsatz nicht ankurbeln können. Nicht umsonst wird die Industrie ja für eine Internetfilterung bei der EU.

Ich verstehe zwar, dass man der Kinderpornographie möglichst einfach Herr werden will (wobei das einfach allerdings auch mit sehr hohen Kosten für die Provider verbunden sein dürfte), aber funktionieren wird es meiner Meinung nach leider nicht. Im Gegenteil wird es eben eher zu einer Atmosphäre führen, in der Zensur ok ist. Das aber ist sie niemals.

(Klar sollte hier natürlich auch sein, dass KiPo verfolgt werden muss, nur sind leider Internetsperrungen nicht der richtige Weg).

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