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Medientage München: Von Blogs und PDFs…

Wenn man wissen will, wie es früher war, dann geht man zu den Münchner Medientagen. Das ist der Eindruck, der sich bei mir nach 2 Tagen Medientagen eingestellt hat. Und dabei, so ein langjähriger Beobachter, sei es dieses Jahr schon recht progressiv gewesen, die letzten Jahre ging es wohl eher um das Zukunftsmedium Print.

Der digitale Kiosk

So ganz hat man Print aber wohl noch nicht hinter sich gelassen, denn ganz gross im Kommen, so scheint es, sind digitale Kioske. Der Marktführer hier natürlich Apple mit dem Newsstand. In Deutschland gibt dagegen keinen Marktführer, sondern nur viele zersplitterte Angebote, wie Springers iKiosk (der nur Springer-Titel enthält), PagePlace der Telekom oder pubbles.

Der Mangel an einem möglichst kompletten Sortiment an Zeitschriften wurde dabei damit abgetan, dass auch reale Kioske nicht alle Zeitschriften hätten, also z.B. der Kölner Kiosk keine Kieler Nachrichten. Von Long Tail und so hat man anscheinend noch nichts gehört und der Grund für die Vorherrschaft von Apple, Amazon und Co. wäre demnach auch schnell gefunden.

Auch Schuld seien aber langwierige Verhandlungsprozesse mit Verlagen oder gewisse Eifersüchteleien, mit denen Christoph Keese den Mangel an nicht-Springer-Titeln bei iKiosk begründete. Und wenn ich das richtig verstanden habe, hielt er die Abgabe von 30% an Apple dort für zu hoch, fand aber, wenn ich das richtig verstanden habe, eine Spanne von 20-30% beim eigenen Kiosk gar nicht so schlecht (wahrscheinlich eher so bei 29%). Derzeit sind es wohl 10% bei iKiosk, wie in den Kommentaren zu lesen ist, von daher ist mir nicht ganz klar, was Herr Keese meinte, vielleicht kann er das noch präzisieren.

PDF!

Auf die Frage des Moderators Florian Stadel, warum denn iKiosk nur auf PDF setzen würde, erging sich Keese in einem 10-minütigen Lobgesang auf PDFs. Der PDF-Markt sei unterbewertet, man könne PDFs schon einfach so super lesen und „mit unserer Vergrößerungsfunktion kann man das dann ganz prima lesen“. Er betonte zudem, dass man mit PDFs Geschichten opulent erzählen könne (siehe BILD), also nicht so wie vor der DTP-Zeit und dass Kunden ein PDF ja auch gerne mal auf Reisen mitnehmen wollen würden.

Auf die Frage nach HTML5 und vielleicht interaktiveren Formaten wurde von Bernhard Ribbrock, Manager bei PagePlace geantwortet, dass PDF ja standardisiert sei, im Unterschied zu interaktiven HTML5-Formaten.

Auf die Idee, dass man hier irgendwie mal innovativ tätig und Vorreiter werden könnte – vielleicht sogar mitzuhelfen, einen Standard zu definieren – kam auf dem Podium anscheinend keiner. Es blieb auch offen, was man neben HTML5 denn eigentlich noch standardisieren müsste.

Blogs!

Apropos innovativ: Blogs! Christoph Keese schwärmte plötzlich von TechCrunch, Mashable, AllthingsD und Huffington Post. Zu denen meinte er: „Das machen die alle beängstigend gut und wenn man ehrlich ist, besser als die traditionellen Medien“. Das müsse man sich mal anschauen, meinte aber auch: „Da sind wir auf entspannte und fröhliche Weise paranoid“. Verstanden hab ich das nicht, hört sich aber lustig oder erschreckend an, je nach Blickwinkel.

Auch beim Content-Gipfel-Panel hat er Blogs noch einmal angesprochen. Denn damals, als das Telefon erfunden wurde, hätte man in einer Redaktion ja auch eines angeschafft und gesagt „Da telefonier ich doch einfach mal mit!“ und jetzt hiesse es eben „Da blogge ich doch mal mit“. Aber das mache keiner und er wolle nochmal dazu aufrufen, dies doch zu tun!

Auch weiss Keese nur Gutes über Blogs zu berichten: Während in der Redaktion Qualität durch internes Gegenlesen entstehe, so wäre das Korrektiv bei Blogs die Lesergemeinde. Es gehöre dazu, Fehler zu korrigieren und dies zu dokumentieren. Durch diesen iterativen Prozess könne die Qualität von Blogs teilweise besser werden als bei klassischen Medien. Das müsse man sich näher anschauen, da helfe keine Theorie sondern nur Mitbloggen.

Bei soviel Lob für Blogs verwundert dann schon sein Engagement für ein Leistungsschutzrecht, denn weiss er denn nicht, dass zum Bloggen eben auch das Aggregieren a la rivva oder TechMeme dazugehört? Weiss er etwa nicht, dass zum Miteinander im Netz gerade und vor allem das Teilen gehört?

Aber vielleicht spart man sich diese Erkenntnis dann auch einfach für die Medientage 2015 auf.

Und sonst so?

So zieht sich das eigentlich durch. Beim Thema Fernsehen wurde diskutiert, ob nun 3D oder HD die Zukunft sind, von Social Media und Community-Building war zumindest laut Programm keine Rede. Stattdessen wurde lang und breit über neue Herausforderungen der Regulierung debattiert. Denn es kann ja nie zu wenig reguliert sein.

Kostenfreies WLAN gab es natürlich nicht, getwittert haben ca. 2-5 Personen und wie man mir sagte gab es schon Anregungen an den Veranstalter, im nächsten Jahr doch mal mehr über Print zu reden.

Insgesamt kann man festhalten, dass es also nach wie vor eben das Festhalten ist. Man wartet auf Standards und setzt auf Regulierung, anstatt all die Chancen, die ungenutzt vor einem liegen, mal zu ergreifen und etwas neues zu machen. Man entschuldigt das mit unveränderlichen Produktionsprozessen, ist aber anscheinend auch nicht in der Lage, Ausgründungen wie AllThingsD zu verwirklichen.

Und wenn am Ende innovativere US-Unternehmen alles an sich gerissen haben, wendet man sich dann jammernd an den Staat wenden und bittet um Rettung!

Aber selbst das ist ja keine neue Einsicht. Deutschland bleibt also Entwicklungsland.

Update: Ich wollte noch klarstellen, dass ich es natürlich gut finde, wenn Christoph Keese seinen Kollegen zuruft, mehr zu bloggen. Ich hoffe, viele folgen. Denn ich denke ähnlich wie Keese: Nur durch das Machen versteht man das Medium, da hilft kein Erklären.

Die Mitschrift des Panels „Digitaler Kiosk“ gibt es hier und die Mitschrift des Content-Gipfels hier

Update 10:40: Prozente beim iKiosk berichtigt und Ende versöhnlicht.

38 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Aktuelles 25. Oktober 2011

  2. Zum iKiosk von Axel Springer (den ich verantworte): Wir haben vor einiger Zeit entschieden, diesen für andere Verlage zu öffnen (bei einer Umsatzbeteiligung von 10% übrigens!). Die neue Version mit zahlreichen neuen Titeln wird in den nächsten Wochen veröffentlicht.

    Zum Thema PDF: Ich halte PDF für kein Format einer Zukunftsvision. Aber bei aller Euphorie über HTML5, Multimedialität und Interaktivität darf der Kunde nicht vergessen werden: ein großer Teil will einfach nur das gewohnte Printprodukt als „Scan“ am iPad lesen. Bumms, fertig. Dass sich die Ansprüche in den nächsten 5 Jahren verändern werden, ist klar. Aber trotz Planungen für zukünftige Produkte sollten wir das derzeitige Kundeninteresse auch bedienen.

    Gruß aus Berlin!

    • Danke für den Kommentar! Es ist mir klar, dass oftmals nur gescannt wird, mache ich ja auch so. Aber wenn mich ein Thema interessiert, dann würde ich da eben gerne stärker einsteigen. Das erfordert natürlich auch einen anderen Prozess, das ist mir auch klar, aber vielleicht könnte man ja klein beginnen und mal was ausprobieren. Wie oben schon gesagt, fand ich Zoomer schonmal einen guten Ansatz, mehr Experimente in diese Richtung (dann auch mit mobilem Zugang) würde ich mir eben wünschen. Ich will dann z.B. auch nicht nur mit anderen Lesern diskutieren, sondern auch mit der Redaktion oder aber selbst Inhalte beitragen. Wie Jay Rosen letztens sagte: Früher war das Publizieren eines Artikels das Ende des Prozesses, heute ist es der Beginn.

      • Übrigens wollte ich noch sagen, dass ich es gut finde, dass inzwischen auch von Verlagsseite aus mal kommentiert wird. Das war ja nicht immer so. Ich glaube auch, dass man nur so den Graben zwischen online und offline (wenn man das mal so platt sagen kann) überwindet. Denn meine Meinung ist ja schon, dass man da nur zusammen weiterkommt. Aber dazu gehört eben auch das Gespräch (ähnlich ja in der Politik, auch da gibt es tiefe Gräben).

        • @Christian: Ich sehe gar nicht mehr so viele „Gräben“. So wie es auf Verlegerseite unterschiedlich schnelle Entwicklungen gibt, existieren diese auch auf Kundenseite. Nicht jede/ hat ein 3G-Tablet, einen Connected TV, möchte Artikel twittern und bewerten, Empfehlungen aus dem Social Graph erhalten, etc. Viele wollen einfach nur eine Zeitung/Zeitschrift digital auf dem iPad-Screen lesen ohne Druckerschwärze am Finger. :-)

          • Naja, man dachte auch mal, dass der Nutzer sein Telefon nur zum Telefonieren benutzen wolle ;-)
            Es schliesst sich aber ja auch nicht aus: Es beginnt sicherlich mit einem Artikel. Wer dann weitermachen will, der kann, wer nicht, der braucht ja nicht.
            Aber wenn man ein überzeugendes Produkt anbietet, vielleicht wollen dann auch einfach mehr.
            Zudem ist ja Community im Prinzip DAS Gegenmittel gegen Contentklau, dann braucht es auch keine Leistungsschutzdiskussionen mehr.

            Aber auch hier sehe ich hauptsächlich das Argument, dass der Kunde das nicht wolle. Ist dem wirklich so? Hätte man vor 30 Jahren gefragt, wer Internet braucht, hätten ja auch alle gesagt „Was fürn Quatsch“. Ähnlich bei Twitter. Nur durch Ausprobieren bekommt man raus, was Sinn macht und was die Kunden/Nutzer nachher wollen.

            Und eigentlich will ich ja nur zu mehr Experimenten aufrufen. Muss ja nicht unter dem Hauptbrand sein.

          • @Georg Konjovic

            Eine Aussage eines Verlagsvertreters über „was Menschen wollen“ ist immer mit Vorsicht zu geniessen. Inwieweit das Teilen von Inhalten und die generelle Nutzung von Pads auf hohem Niveau eine breite Basis finden, hängt oftmals von den Erfahrungen ab, die mit innovativen Produkten gemacht werden. Anbieter wenig innovativer Lösungen sind hier also wenig förderlich.

            Darüber hinaus muss die Frage nach der Sicherstellung der demokratischen Pressevielfalt bei einem steigenden Erfolg sogenannter „Kioskangebote“ im Web gestellt werden.
            Wenn die Informationsversorgung durch Online-Kioske ein beliebtes, also weitverbreitetes Anwendungsprinzip in der Webnutzung werden, muss die auch offline über die Verpflichtungen des Presse-Grosso sichergestellte Meinungsvielfalt durch vergleichbare Regelungen sichergestellt werden.

    • Noch ein Vorschlag zu iKiosk: Irgendwas zum Probelesen mal beilegen, damit man sich mal ein Bild machen kann, wie gut das Produkt ist (oder wenn was dabei war, dann habe ich es nicht gefunden).

      • Zur Zeit ist es so, dass alle im iKiosk enthaltenen Publikationen nach Installation der iPad App für 4 Wochen kostenfrei freigeschaltet sind. Wir werden das jedoch mit Relaunch der App ändern: Die User können dann selbst auswählen, wann sie je Titel 14 Tage Probelesen starten. Natürlich nur 1x pro iPad und pro Titel :)

        • Danke für die Info. Ist das auch beim iPhone so? Evtl. habe ich aber auch was übersehen, denn irgendwie konnte ich nur kaufen, wenn ich mich recht erinnere.

          Werde nochmal nachschauen.

  3. Ich war nicht bei den Medientagen, das vorweg. Wenn ich mir den Beitrag durchlese, kriege ich das Gefühl, dort liefen nur Dinosaurier herum. Es ist so lustig und schnoddrig beschrieben, dass ich mich totlachen möchte über die verschnarchte Papierverlagswelt. Mit dem Finger auf sie zeigen und die Zunge rausstecken.
    Ich tu´s aber nicht.
    1. Weil ich selber zwischen Papier- und Digitalwelt wechsle. 2. Weil die Branche sich selbstverständlich mit der „Zukunft des Papiers“ auseinandersetzen muss – weil es das Medium noch gibt. 3. Weil der ganze Texttenor für mich arg einseitig die Rolle des „überlegenen Digital Native“ einnimmt. Ganz ehrlich: Diese Schnoddrigkeit kann ich nicht mehr hören. Die ist mir schlicht zu einseitig; sie bringt keine Lösungsvorschläge, sondern igelt sich in der Rolle des scheinbaren Gewinners ein. Nach dem Motto: Wer nicht allein auf das Web setzt, und zwar auf eine ganz bestimmte Weise, der ist von Gestern.
    Bringt das irgendetwas außer das Zementieren von 2 Systemen – der Papierwelt und Digi-Welt nämlich? Nö.

    • Aber ich habe doch ein paar Ideen genannt: Mal einfach was ausprobieren und z.B. mit mehr Interaktivität und HTML5 arbeiten. Beim Fernsehen würde ich mir schon lange wünschen, dass es mehr auf Community-Building setzen würde, ZDF Neo macht das im Ansatz, aber sonst? Man schaue sich http://twit.tv an, das ist für mich ein Schritt in die richtige Richtung. Da wird auch öffenrlich mit der Community überlegt, wie man es besser machen kann. Das würde ich mir auch hierzulande wünschen. Dasselbe gilt für Zeitungen, auch hier ist Community, die man ernst nimmt, Key. Zoomer war ein interessanter Versuch, aber zu früh wieder weg vom Fenster. Von sowas will ich mehr haben!

      Und was soll ich denn machen, wenn anscheinend nur auf Standards wartet, die dann aus den USA kommen? Da kann ich nur sagen: Nicht warten, machen! Und ich bin der letzte, der nicht helfen würde.

  4. Ausgerechnet PDF? Hoffentlich noch im mehrspaltigen Satz, ganz so wie man es aus der Zeitung gewohnt ist? Zugegeben: Die Kontrolle des Erstellers über das Layout ist total, Bilder bleiben wie festgenagelt an der entsprechenden Stelle und Zeilenumbrüche ändern sich nie.
    Was das auf einem elektronischen Lesegerät mit einem etwas kleineren Bildschirm bedeutet, weiß jeder Besitzer eines Kindle.

    • @Martin: Das PDF ist zweifelsohne nur für 10″ Geräte (und darüber) gut geeignet. Zeitschriften kann man hier quasi ohne Zoomen lesen, Zeitungen im nordischen Format natürlich nicht so gut. Wir kämen nicht auf die Idee PDFs für kleinere Geräte wie zB Kindle anzupreisen (für Kindle gibt es die WELT/WamS als Kindle-Produkt). Aber – um beim iPad zu bleiben – viele Kunden finden das statische PDF attraktiv, das müssen auch wir „rein digitalen“ Menschen akzeptieren. Es macht keinen Sinn, diesen Kundenwunsch komplett zu ignorieren.

  5. „Man entschuldigt das mit unveränderlichen Produktionsprozessen, ist aber anscheinend auch nicht in der,“
    Da fehlt vermutlich das Wort „Lage“ vor dem zweiten Komma.

    Zum Thema:
    Es ist wohl mit der Innovation wie mit dem Protestieren.. Bis die Deutschen sich da mal bewegen ist der Zug schon (fast?) abgefahren. Schade eigentlich.

  6. Pingback: Anonymous

  7. Pingback: Sonntagslinks (heute am Montag) — KALIBAN

  8. Ich glaube kein Kunde mit einem iPad oder einem anderen Tablet findet ein PDF attraktiv. Da gibt es wirklich bessere Lösung und die Zukunft gehört HTML5. Da bin ich ganz sicher.

    • zumindest Fluid Layouts wären ja schonmal klasse. Als ich eine MacUp per puddles auf dem iPhone geladen habe, hatte ich plötzlich das Printlayout in winzig mit allen Spalten, aller Werbung, selbst mehrseitiger (aber nur halb zu sehen) da drin. Welchen Sinn genau soll das machen, wenn es mehr oder weniger unlesbar ist?!?

    • Das habe ich auch mal geglaubt, ist aber falsch. Ich muss Georg Konjovic zustimmen: Es sind nun mal (derzeit) viele Leute der Meinung, so eine »pdfisierte« Zeitung sei genau das Richtige. Ich arbeite bei der Neuen Zürcher Zeitung, deren E-Paper auf dem iPad recht erfolgreich ist, auch wenn es wirklich nicht viel kann. Wir kriegen regelmäßig positives Feedback von einzelnen Kunden, wonach gerade der Verzicht auf »Schnickschnack« einer App gut ankomme, und wir kriegen dieses Feedback auch bei strukturierten Befragungen mit vielen Kunden. Klar kann das nicht der Weisheit letzter Schluss sein (und wird es auch nicht, daran arbeiten wir durchaus), aber es gibt überhaupt keinen Grund, solche Zufriedenheit abzuwerten.

      • Mein Problem ist ja auch nur, dass es sich bei dem Panel so anhörte, als sei dies der Weisheit letzter Schluss und man müsse da gar nichts weiter machen. Das mag solange stimmen, bis denn einer daherkommt und doch mal was neues macht und dann für eine wachsende Anzahl von Leuten eben nicht mehr nur Schnickschnack ist. Von daher finde ich das Warten auf den Interaktiv-Standard etwas problematisch.

        Ich persönlich kann das auch gar nicht nachvollziehen, warum sollte man nicht neue Dinge ausprobieren wollen? WIll ich täglich, minütlich! Allerdings muss man wohl auch mehr im Bereich Social Media unterwegs sein, um Ideen zu entwickeln, denke ich. Und daran hapert es (so meine Erfahrung nach den Medientagen) dann doch. Selbst die Bereitschaft dazu scheint eher gering zu sein. Ist aber ja nicht nur hier der Fall, sondern eher durch die Bank durch Wirtschaft und Politik.

        Ich persönlich würde also gerne mehr Experimente sehen, gern auch ein Brainstorming mit den Nutzern zusammen anstatt zu raten, was man denn mal machen könnte.

  9. Den Vorschlag mit Test-Content „by Jens Best on 25.10.2011 at 14:23. #“ würde ich unterstützen. Und wenn es nur Aldi-Kataloge sind.
    Wichtig ist auch, das jeder ohne tausendseitigen NDA-Vertrag beim Notar gleich sieht, was und wie was geht.

    PDF geht auch fliessend. Allerdings nutzt es wohl kaum jemand. Da könnte man auch nachhelfen. Beim Kindle kann man die Schriftgröße wohl größerdrehen(?). Bei Stanza kann man mit Wisch die Helligkeit einstellen. Handelsblatt-App u.ä. bieten auch Schriftgrößen und Download für Offline in der Bahn o.ä. an. Damit kommen auch Rentner und Hausfrauen klar. Das mit den 5 Jahren für PDF ist wohl also zu lange. Denn heute schon kennt der User IBook bzw. Kindle und Fliesstext.

    Die Browser müssten auf Handies die festen Tabellenbreiten ignorieren sobald man reinzoomed. Blackberry ? oder WebOs hat das angeblich gemacht. Leider die anderen nicht :-(

    Am Kiosk oder Tankstelle gibts auch 100-200 Titel (vermute ich mal). Zählt doch mal.
    8*8 sind 64 Titel wenn man im Supermarkt nur eine 1m-Regalwand für Zeitschriften hat (Lidl, Penny, Netto).

    Ich hätte ja gerne die Unterseite des Zeitschriften-Eisbergs digitalisiert: Hunderte Hobby- und Fachzeitschriften die beim Herausgeber im Wohnzimmmer entstehen und keine Adressen verkaufen müssen und gerne digital verbreiten als teuer Print+Porto zu latzen und eh kein Gewinn machen. Leider müsste ich mit Juristen teilen oder mit Inkubatoren teure Büromieten und Aufsichtsräte usw. bezahlen oder Abmahnungen und Verfassungsklagen statt es alleine einfach zu machen.
    Auch deshalb kriegen die Amerikaner diese Märkte. Der englische Prime-Minister wollte ein fair-use in London einführen damit England auch Projekte wie Google oder Facebook hochziehen könnte. Ist vielleicht nichts draus geworden.

    Als Taxifahrer muss man nicht Motorrad oder Fahrrad fahren oder als Restaurantbesucher muss man nicht kochen können. D.h. selber bloggen ist nicht unbedingt eine Notwendigkeit. Gute und schlechte Texte erkennt man halt auch an den Leser-Kommentaren. Aber ein guter Redakteur lernt auch an den Kommentaren auf seine Texte. Am ständigen Dazulernen-wollen scheint es aber zu hapern.
    Die meisten konsumieren Twitter überwiegend. Ich glaube 30-40(kann auch falsch erinnert sein) würden Kommentare abgeben die meist nur Rauschen oder Anfeindungen geben. Trotzdem gibts immer auch berechtigte Kritik aus der man lernen sollte.

    Da Juristen und Internet-Verweigerer und Email-Ausdrucker auch in Deutschland mitregieren, können wir auf Lösungen vermutlich lange warten.
    Die anderen Länder sind aber auch nicht besser. Es gibt trivial einfache verbessernde konstruktive legale Ideen die leider nirgendwo existieren und viele sofort nutzen würden. Meist wegen Diktaturen oder Bedrohungen. Gewerkschaften, Parteien und Presse und NGOs sind oft wohl auch zu hörig. Wenn man mit solchen Projekten (die man sogar aus dem Taschengeld finanzieren kann, weil Hosting nichts kostet) dort ankommt, wird man nur komisch angeschaut :-(
    Alle machen was sie immer gemacht haben. Z.b. die Politiker als Griechenland sich immer näher an die Klippe schob.
    Probleme lösen oder voraus-erkennen scheint unbeliebt. Die Presse müsste dafür sorgen, aber ist wenig interessiert.
    Ein faules Schulkind sagt ja immer auch nur, das die Prüfungen viel einfacher werden müssen und der Lehrer ungerecht ist.

    Blogs sind kein Problem. Wenn seriöse politische legale konstruktive Diskussionen im Internet laufen würden, hätten DIE ein Problem. Tja. Bloss wo aufsetzen ohne seinen Job zu verlieren :-(

  10. Lieber Herr Konjovic,

    Wirklich niemand WILL pdfs auf dem Ipad lesen. Viele müssen eben. Und machen es dann auch, weil es fast nix anderes gibt.
    Noch dazu will nicht jeder pdfs auf dem IPAD lesen. Auch für Desktop/Laptop/Telefon fehlen günstige, ergonomische und geeignete Bezahlmedien.
    Was Magazine ja immer ausgemacht hat, war Design + Content. Dafür ist das Ipad sowie html5-fähige Geräte mehr als gut geeignet.
    Innovativ ist zb Lampenfieber, wobei eben bisher leider nur für Ipad und noch etwas groß. Aber toll! http://itunes.apple.com/ch/app/lampenfieber/id460963223?l=de&mt=8
    Wie man es nicht macht, sieht man hier: http://www.spreeblick.com/2011/10/04/test-die-zeit-auf-dem-ipad/

  11. Hm, laut den Kommentaren unter dem Spreeblick Post kamen einige Probleme durch Veränderungen im iOS Update. Ist irgendwie traurig, da macht die ZEIT, was alle haben wollen (HTML5, Webview usw.) und Apple liefert den Grund, doch PDF zu nehmen.

    Ich find bei allen Lösungen die Offline-Lesbarkeit wichtig – geht mit HTML5 aber wirds genutzt?

  12. Pingback: Too much information - Papierkorb - Nachtgeschichten

  13. Man sollte beim Naserümpfen über PDF für Tablets auch bedenken, daß die Produktion eines interaktiven Rich-Media-Magazins in HTML5 (mit Filmen, interaktiven 3D-Diagrammen etc.) natürlich um viele Größenordnungen aufwendiger ist als die Produktion von Print-Content. Wenn Printmarken mit ihren Inhalten auf Geräte wie das iPad gemünzt werden sollen, geben manche Inhalte gar nicht mehr her als der bereits für Print erstellte Text plus ein paar Bilder und vielleicht statischer Infografiken. Hat man es mit einem Titel mit schneller Erscheinungsfolge zu tun, entstehen durch solch aufwendige Produktionen in kurzer Abfolge lauter Geschäftsrisiken. Wie teuer darf das Endprodukt werden, damit es sich noch verkaufen läßt?

  14. Es gibt da so kleine feine Tools, mit denen man sehr unkompliziert aus einer PDF ein HTML5-Dokument erstellen kann. Das scheint sich noch nicht überall herumgesprochen zu haben. Schade.

    • »Es gibt da so kleine feine Tools, mit denen man sehr unkompliziert aus einer PDF ein HTML5-Dokument erstellen kann.«

      Eine gute digitale Publikation entsteht nicht, wenn man ein für Print entwickeltes Layout mehr oder weniger automatisiert übernimmt.

      • Mir geht es eigentlich auch nicht um viele bunte Bildchen und Videos und was weiss ich, mir geht es mehr um die Vernetzung, also Community. Sicherlich bedeutet das auch eine Umstrukturierung und vielleicht noch viel mehr. Aber irgendwer wird es halt machen und wahrscheinlich dann eher eine Neueinsteiger, der den ganzen Ballast nicht hat und von Beginn an im Kontext Netz unterwegs ist.

        Ich glaube als Anfang wäre ja schonmal gut, wenn mehr Verlagsmitarbeiter und Co. den Aufruf von Christoph Keese beherzigen und einfach mal bloggen, twittern etc. würden. Dann entsteht zumindest mal ein Verständnis für das, was das Internet eigentlich ist. Dann merkt man vielleicht auch selbst, was einem fehlt.

  15. Wenn man hier so einige Kommentare liest, die aus ihrer Erfahrungswelt die Schwierigkeit von Innovation mit „Den Menschen“ begründen fallen mir nur zwei Dinge ein.

    Einmal den Satz von Ford, dass wenn er die Leute gefragt hätte, was er erfinden soll, wären es bessere Pferdekutschen und nicht das Auto geworden.

    Und dann noch diesen herrlichen Artikel über den deutschen Hate Cycle, der in Anlehnung an Gartner Hype Cycle das Verhältnis der Deutschen zu Technikinnovation beschreibt. http://www.wiwo.de/blogs/ungedruckt/2011/10/13/der-hate-cycle-deutschlands-merkwurdiges-verhaltnis-zu-neuen-technologien/

    Und die Münchner Medientage haben noch nie der Innovation gedient, sondern immer wird dort in den Vortragen und den Hintergrundgesprächen nur das Status Quo verteidigt. Die Münchner Medientage sind eine Speerspitze im deutschen Hate Cycle.

    • Abgesehen davon, dass Ford das Auto nicht erfunden hat: Ich sehe hier nur Kommentare, die darauf hinweisen, dass es gute Gründe gibt, Produkte, die aus Sicht von uns »Digitalkultur-Fortgeschrittenen« jämmerlich ausschauen, noch eine ganze Weile anzubieten. Nutzer zum Beispiel sind so ein Grund, nicht der schlechteste, meine ich. Ob ein Unternehmen zur Innovation fähig ist, ist eine davon unabhängige Frage. Dass viele Verlage nicht bereit zum Experimentieren sind, ist ein davon unabhängiges Problem.

  16. Lösungsorientiert:
    Wenn Verlage Ihren Lesern ePaper anbieten, die sie aus Ihrem Print-PDF erstellt haben, ab und zu mit einem Video anreichern, mit Verlinkungen im Netz und es die Möglichkeit gibt, einzelne Seiten zu verteilen via Social Media – dann ist das doch zumindest ein Anfang Richtung Fortschritt, den hier alle Beteiligten wollen.

    Peux a Peux könnte dann das Print-Layout zugunsten des Web-Layouts angepasst werden. Und es entsteht vielleicht etwas ganz Anderes.

  17. Ich als Außenstehender frage mich gerade, wozu diese Medientage überhaupt gut sind. Werden hier Innovationen vorgestellt oder einfach nur Kontakte geknüpft? Was mich darüber hinaus viel mehr interessiert (auch als Konsument): Wie sieht es mit Paywalls und Monetarisierung von Content aus? Gab es dazu Panels? Deine Fragen haben sich eigentlich fast nur auf die Präsentation bezogen

    • Naja, die Frage ist generell, wozu Podiumsdiskussionen gut sind. Sicher nicht, um weiterzukommen, sondern eher, um mal alle Meinungen gehört zu haben. Und hauptsächlich dienen solche Veranstaltungen sicher eher zum Kontakte knüpfen. Zu der anderen Frage: Ich habe leider nur die Panels mitbekommen, von denen ich berichtet habe. Es gibt aber unter http://www.medientage.de/kongress.php das Programm und es gibt dort auch eine Mediathek, die auch Audio/Video-Mitschnitte hat und ich glaube auch Zusammenfassungen.

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