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vor dem Barcamp den Long Tail wagen

Auf Anraten von Franz Patzig im Vorfeld des Barcamps Köln habe ich am Freitag schon die Veranstaltung „Wag the Long Tail“ besucht, wobei ich aber immer noch nicht weiss, ob man das deutsch oder english aussprechen soll. Das Ziel dieser vom eco Verband durchgeführten Veranstaltung war wohl, den Begriff „Long Tail“ auch dem deutschen Publikum näher zu bringen (wohl, weil es das Buch nun auch auf deutsch gibt). Die Frage ist nun, ob dies wohl gelungen ist.

Die Keynote

Ich denke nicht so wirklich. Die Veranstaltung ging meiner Meinung nach doch mehr über Web2.0 und User Generated Content als dass denn der Long Tail wirklich erklärt worden wäre. Sicherlich gehört User Generated Content zum Long Tail, aber es war halt alles sehr einseitig in diese Richtung. So wurde die Keynote von Susanne Stürmer von der UFA gehalten (vorher gab es noch einen abgelesenen Vortrag, das sollte man nicht machen), die mir mehr darüber erzählt hat, was die UFA so macht und wie sie bei großen Produktionen vorgeht, als denn über den Long Tail. Sie sprach z.B. mehr darüber, dass sie für große Fernsehproduktionen auch direkt weitere Verwertungswege andenken, also von Beginn an (Web usw.). Dies hat jedoch meiner Meinung nach doch mehr mit Multichannel-Strategien oder WIederverwertung denn mit Long Tail zu tun. Natürlich hat die UFA auch Produktionen im Programm, die nur eine Nische ansprechen, jedoch meinte sie selbst auf die entsprechende Frage, dass sie mit diesen wohl nie mehr Umsatz machen werden wie mit den Top Hits. Recht hat sie. Auf die Frage, ob sie denn YouTube als Konkurrenz sähr, verneinte sie ebenfalls und wieder zu Recht, denn ich wüsste jetzt nicht, wo denn da die Konkurrenz herkommen sollte. YouTube ist mehr ein Vertrieb und UFA mehr Produzent (überhaupt geht es beim Long Tail ja mehr um den Vertrieb).

Und so ging es im Prinzip auch weiter. Ausnahme war vielleicht das Musikpanel, in dem es um Services wie last.fm usw. ging. Einziges Problem hier war nur, dass die Teilnehmer des Panels an sich fast alle das gleiche gemacht haben (zumindest 3 von denen) und man sich im Vorfeld also dreimal anhören musste, wie man denn nun ähnliche Musik findet (generell mag ich diese Selbstdarstellungen vorher eh nicht so, lieber doch gleich zum Thema). Dies gehörte aber zumindest zum Long Tail, denn diese Services helfen ja, neue Dinge im Long Tail für sich zu entdecken.

Theseus

Dann hat Stefan Wess noch Theseus vorgestellt. Bei diesem Vortrag ist aber bei mir nur hängengeblieben, dass dort viele (vor allem große) Firmen mitmachen, ein Riesenbudget zur Verfügung haben, es irgendwie um’s semantische Web geht (im Titel genannt Web3.0), dass sie keine Suchmaschine bauen und dass sie so weit anscheinend noch gar nicht sind. Was sie aber nun genau erforschen wollen und was hinterher rauskommen soll , das ist mir auch nach dem Vortrag noch unklar. Wohl keine Suchmaschine.

Gefolgt davon gab es ein Multimediapanel, wo es dann zu hören gab, wie es da mit dem Long Tail aussieht. Viel hat man da aber auch nicht erfahren. Sushel Bijganath von RTL Online hat ClipFish vorgestellt, was sicherlich eine Long Tail -Anwendung sein könnte, hat aber verpasst, den Bezug zum Long Tail herzustellen. Stattdessen habe ich gelernt, dass die Hauptaufgabe dieses Portals ist, dass man einerseits durch z.B. GZSZ-Clips die Leute wieder ins Fernsehen holt und andererseits eben fürs Fernsehen billigen Content abgreifen kann, indem man User Generated Content nimmt und wiederverwertet. Sicherlich sinnvoll für RTL, aber natürlich ist Clipfish jetzt nicht das Videoportal, wo ich z.B. alle je gemachten Filme finden würde. Es ist eben auch „nur“ User Generated Content (plus RTL).

Am besten war dann doch noch der Vortrag von Heiko Hebig, zumindest vom Vortragsstil her. Da war er sicherlich der Beste. Über den Long Tail hat er allerdings auch nichts erzählt, sondern eher gezeigt, dass man direkt vom Handy in sein Blog posten kann (hatte eine Aufnahme gemacht, während er im Panel sass) und was denn Twitter ist, was sicherlich viele Personen im Publikum auch noch nicht kannten. So hat mit Olver Ueberholz erzählt, dass eine Rundfunk-Mitarbeiterin wohl neben im sass, ganz geschockt war, wie schnell man publizieren kann und auf ihren Block nur das Wort „Twitter“ geschrieben und dreimal unterstrichen hätte. Sie zumindest hat etwas gelernt, jedoch nicht über den Long Tail ;-)

Medienpanel

Dann kam die von Michael Imhoff moderierte sogenannte Blaue Stunde mit Podcastern und Bloggern. Hier waren es aber natürlich nicht Blogger wie ich und Du, sondern Ute Welty vom Tagesschau-Blog und Ingo Schmoll von 1Live (als Podcaster). Als mehr grassroots kann man dann vielleicht noch die anderen Teilnehmer bezeichnen, nämlich ehrensenf und center.TV. Auch hier ging es aber leider nicht um Long Tail, sondern nur darum, warum z.B. die Tagesschau bloggt und teilweise eben wieder User Generated Content. An diesem Punkt bin ich dann aber mal Kaffee trinken gegangen ;-) Wie man bei Heiko Hebig aber noch nachlesen kann, ging es wohl später noch um DRM und digitale Rechte.

Long Tail?

Zu Beginn der Veranstaltung wurde gefragt, wieviele Leute denn wüssten, was der Long Tail sei. So ca. 30-40% haben aufgezeigt, der Rest wusste es nicht. Daraufhin wurde dann mit 1 Folie und 5 Sätzen erklärt, was denn dies sei – etwas, wofür das Buch viele Seiten braucht. Danach ging es dann eben hauptsächlich um Nischenprodukte und -märkte, aber nur im Einzelfall und nicht im Gesamtzusammenhang. Ich bezweifel daher doch einmal stark, dass man nach dieser Veranstaltung dann schlauer ist als zuvor.

Was man dagegen machen kann ist klar. Vielleicht sollte man die erste Hälfte der Veranstaltung erstmal an vielen Beispielen erklären, was der Long Tail ist, was die Kriterien sind und dergleichen mehr (regionale vs. globale Märkte …). Dann würde man vielleicht auch schlauer aus der Veranstaltung kommen und man hätte den zweiten Teil immer noch für eine Serie von Eigenwerbungsvorträgen Zeit.

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