Was die 18. Sachverständigen zum Thema Medienkompetenz zusammengetragen haben - mrtopf.demrtopf.de

Was die 18. Sachverständigen zum Thema Medienkompetenz zusammengetragen haben

Ein oft getätigter Vorwurf gegenüber der Netz-Gemeinschaft allgemein ist ja, dass man immer nur meckert, sich nicht wirklich in Themen einarbeiten will und mit Texten größer als 140 Zeichen sowieso schon überfordert ist. Ganz anders dagegen muss ja dann wohl der Politiker sein, der sich in allen Themen, für die er stimmt, 100%ig auskennt und der augenscheinlich ja wirklich meist Probleme hat, sich kurz zu fassen.

Doch wurden zum Thema Medienkompetenz durchaus schon mal mehr als 140 Zeichen geschrieben, nämlich in einem Etherpad, das ich aufgrund der Anhörung zur Medienkompetenz in der Enquete mal aufgesetzt und wo ich die Fragen reinkopiert habe. Dort finden sich über 60, zum Teil längere, Beiträge. Da dies in einem inoffiziellen Pad mit wenig Werbung passiert ist, zeigt dies einerseits, dass Potential da ist und andererseits, dass vor allem rund um die öffentlichen Sitzungen der Enquete das Interesse und die Beteiligung gross sind. Wer anderes behauptet, hat dann wohl andere Gründe, gegen Partizipation zu sein.

Ich verblogge das nun hier mal, da man ja nie weiss, wie langlebig solche Pads sind. Die Urheber der Texte sind daher auch nicht wirklich klar und sollten im Pad nachgeschlagen werden.

I. Vermittlung von Medienkompetenz und deren Rahmenbedingungen

Welchen Einfluss hat die technische Ausstattung bei Kindern und Jugendlichen auf die Erlangung von Medienkompetenz? Wie viele Kinder und Jugendliche haben Zugang zu einem Computer? Können eigene Laptops Bildungschancen eröffnen und den Unterricht unterstützen? Ist die Ausstattung mit Computern oder Spielkonsolen abhängig vom Milieu der Familie? Sind die Bildungschancen in Haushalten geringer, die nur über Spielkonsolen verfügen? Wie kann dem ggf. seitens des Staates entgegengewirkt werden?

  • die JIM-Studie sagt, die Geräte werden vor allem zur Kommunikation genutzt.
  • JIM Studie sagt, es hängt mit der Literalität zusammen. Je eher Jugendliche Lesen und schreiben können umso eher erschließt sich ihnen auch das Internet. Von den Zugang zu den Geräten hängt es nicht ab, die ist durch alle Bevölkerungsschichten lauf JIM Studie recht gut erschlossen. So gibt es zu nahezu 100% eine Verfügbarkeit zu Handys, schon ab 12 Jahren. 100% können auf einen Computer/Laptop zugreifen, Knapp 80% besitzen sogar ein eigenes Gerät. (JIM 2010, S.8)
  • Shell Studie sagt ja (wenn ich mich recht erinnere), dass Jugendliche aus sozial schwächeren Schichten mehr spielen und die aus höheren mehr kommunizieren. Ob nun die Spielkonsole vor der Nutzung kam oder andersrum, das wäre noch interessant zu wissen. 
  • Ansonsten würde ich denken, dass ein eigener Rechner doch sehr hilfreich ist. Allerdings geht’s wohl auch mehr in Richtung Smartphone. Reicht ja für Kommunikation. 
  • Kommunikation bei Jugendlichen ist im übrigen wahrscheinlich auch anders als bei unsereins. Da geht es mehr um die Peer-Group und wer was wie sehen darf oder nicht. Bei uns geht es mehr um viele, um was bewegen zu können. Ob man dieses Mittel der Demokratie irgendwie vermitteln kann, wäre interessant zu untersuchen.
  • Ansonsten sollte der Staat den Spielekonsolen nicht entgegenwirken sondern die Bildung fördern ;-)

Welche Instrumente der Medienkompetenzförderung sind erfolgversprechend? Wie können noch mehr Kinder und Jugendliche beispielsweise direkt in sozialen Netzwerken erreicht werden, welche Rolle können dabei virale Kampagnen spielen und gibt es bereits erfolgreiche Beispiele?

  • erfolgreich ist auch in vor allem f2f. Dort kann klar gemacht werden, dass es vor allem um die Erlangung sozialer Kompetenzen geht und dass es um einen ganzheitlichen Ansatz gehen muss
  • Es geht aber natürlich nicht nur um die Kompetenzen der Kinder, sondern auch der Eltern und der Erziehenden generell
  • Instrumente: workshops zum selber Ausprobieren, Begleitung in eigenen Aktivitäten, Anleitung in unbekannten Techniken und Software, Verknüpfung von realen und virtuellen Aktivitäten
  • erfolgreiche Kampagne ist natürlich webman; Ansprache in soz. Netzwerken: Präsenz, Austausch u. Kommunikation vs. one-way als blosse Veranstaltungs- o. Ankündigungsplattform, Verlinkung von websites in Portalen und Profilen, Vielfältigkeit der angebotenen Kanäle (mail, chat, skype, private chats)

Wie kann Medienkompetenz besonders erfolgreich vermittelt werden? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?  Welche neuen Strategien zur Vermittlung von Medienkompetenz zeichnen sich ab? Ist die Vermittlung von Medienkompetenz in jedem Alter gleich erfolgreich? Welche altersspezifischen Unterschiede sind bei der Vermittlung von Medienkompetenz zu berücksichtigen?

  • Schaut man auch hier in die JIM Studie und in die Nutzung Jugendlicher, so stellt man fest, dass über alle Alltersaggregate hinweg, also von 12-19 die Jugendlichen das Netz vor allem zur Kommunikation nutzen. Hierbei steht vor allem der Instant Messenger, also ein sehr restriktiv nicht öffentlicher Dienst im Vordergrund. Mit zunehmendem Alter gewinnt die Recherche nach Informationen zugunsten des Computerspielens an Bedeutung. Je höher das Bildungsniveau, um so mehr wird das Internet zur Informationsrecherche genutzt. (JIM 2010, S.29) Grundsätzlich sind die Jugendlichen in der Nutzung der stark frequentierten Dienst sehr medienkompetent. Das ist z.B. ablesbar an dem eher konservativ, reflexiven Umgang mit sozialen Netzwerken. Man muss jedoch an dieser Stelle aufpassen, dass nicht reaktivierend Angst geschürt, sondern aktivierende Kompetenzen vermittelt werden. D.h. in der Nutzung des Internets wird die aktiv informationsverarbeitende Dimension komplett unterbelichtet. Jugendliche sollten in der aktiven Nutzung und Produktion von Informationen Kompetenzen erlernen und den Umgang mit dem Feedback schulen. Wenn der Umgang mit Medien aktiv erfahren wird, eröffnet sich ein vollkommen neuer Erfahrungshorizont. Je Älter also die Jugendlichen sind, umso abstrakter kann die Informationsproduktion und die Reflektion von Öffentlichkeit erfolgen.
  • Reden wir darüber, wie Eltern Kindern Medienkompetenz beibringen, wie Kindern Eltern das beibringen oder beides?
  • Besteht evtl. die Gefahr, dass Eltern und Erziehende nicht so „neu“ denken können wie Kinder und man deswegen Potentiale vergräbt? Konnte man sich früher z.B. vorstellen, was wir heute alles ins Netz stellen. Hätte Ängste ausgelöst (tut es heute ja auch noch), aber es hat auch all das hier erst ermöglicht. Das kann insbesondere ein Problem sein, wenn man, wie unsere Gesellschaft, eher die Risiken als die Chancen sieht.
  • neue Strategien: Präsenzen und Profile in sozialen Netzwerken (keine Fan-Pages) und offensiver Umgang/Werbung damit/dafür

Welche Methoden und/oder Ansätze halten Sie bei der Vermittlung von Medienkompetenz für besonders zielführend und warum?

  • aktive handlungsorientierte  medienpädagogische Projektarbeit (ahmP) hat sich in der Medienpädagogik mit allen Zielgruppen als allgemein akzeptierter Standard durchgesetzt (vgl. die vielfältigen Veröffentlichungen der GMK, des Institut Jugend Film Fernsehen und vieler anderer). Aufenanger bezeichnet mit Baacke ahmP als „Königsweg“ zur Förderung der Medienkompetenz (zur Vertiefung vgl. auch den Wikipedia-Eintrag zu Medienkompetenz). Medienkompetenzförderung geschieht in der Regel in Gruppen durch MedienpädagogInnen anhand der medialen Bearbeitung unterschiedlicher Themenstellungen. Bei Kindern und Jugendlichen hat sich die Lebensweltorientierung als wichtiger methodischer Zugang herausgestellt. Dabei stehen Themen aus der Lebenswelt von Zielgruppen im Vordergrund der ahmP. So wird z. B. Jugendlichen ermöglicht, ihre eigenen Themen einzubringen und medial zu bearbeiten.  Der letzte Schritt der ahmP ist die Veröffentlichung der medialen Produktionen, entweder durch Vorführung im Bekanntenkreis, auf Festivals unter Gleichaltrigen oder im Internet. ahmP hat kein „Curriculum“ im Sinn der Schule. 

Wo sehen Sie die bislang größten Defizite in der Vermittlung von Medienkompetenz?  Wenn sich die Anforderungen an die Fähigkeiten der Nutzerinnen und Nutzer stetig verändern, was sind dann die Basis-Fähigkeiten, die notwendig sind, um später auf diesen weiter aufzubauen?

  • Unsere Mediensozialisation ist zutiefst vom Informationsempfang bestimmt und die Produktion von Medien in dieser Sozialisation von Massenöffentlichkeit. Das Internet unterstellt jedoch eine vollkommen neue Dimension des Öffentlichkeitsbegriffs und einen Relaunch des Medienbegriffs. Zum Medienbegriff kann man bei Lisarosa und mir weiterlesen: http://www.dotcomblog.de/?p=2493, http://shiftingschool.wordpress.com/2010/11/20/nachlieferung-zum-medienbegriff/ Demnach müssen sich Jugendliche aber auch Erwachsene von den bisherigen Vorstellungen über Medien befreien, weil das Internet eine vollkommen andere Qualität hat. Die größten Defizite bisheriger nicht aller Versuche, der Vermittlung des Umgangs mit dem Internet liegt darin, dass es als Analogie zum Fernsehen, Radio und der Zeitung verstanden wird. Genauso wird es auch bisher genutzt, auch von Jugendlichen. Es werden aber zunehmend kollaborative und soziale Kompetenzen erforderlich, die das Individuum alsTeil eines Ganzen begreifen lassen. Sehr selten werkelt man im Internet alleine vor sich hin, in der Regel, handelt es sich um Kooperationen, es sei denn man nutzt das Internet nur zur Informationsrecherche. Aber schon die Nutzung von Computerspielen macht deutlich, welche Fertigkeiten von den Jugendlichen verlangt werden. Wenn dazu ein offener reflexiver Diskurs stattfindet, können die Jugendlichen die in anderen Bereichen gemachten Erfahrungen auf die Produktion und Weiterverarbeitung von Informationen ausweiten.
  • Defizite: die Verurteilung von Medienkompetenzvermittlung als extra Disziplin und ihre Erklärung zur NEUEN Technik mit Welt umzugehen, dazu gehört die Distanz zu solchen Menschen und nicht die Integration der Technik in pädgogische und Alltagsdinge, niemand würde LESEN als distanziert-neue Technik abstempeln und Lehrkräfte in die Nähe von mehr o. weniger gefährlichen Freaks rücken, die ebenso gefährliche Dinge tun, wo so viel passieren kann; das kann, muss aber nicht mit der Diffamierung des Begriffs Medienkompetenzzvermittlung mit ihrer ausschließlichen Orientierung auf technische Belange zu tun haben, im besten Begriff sind pädagogische Faktoren integriert (!), aber die Integration dieser 4. Kulturtechnik (s.u.) und ihr Begreifen als Querschnittstechnik fehlen am meisten!

Wir haben in der Vergangenheit immer erlebt, dass die Aneignung neuer Fähigkeiten dazu geführt hat, dass andere – bereits vorhandene – Fähigkeiten in den Hintergrund gerückt sind (z.B. das Auswendiglernen, nachdem die Schrift erfunden worden ist). Gibt es bei den neuen Informationstechnologien Hinweise darauf, dass „alte“ Fähigkeiten zusehends bedeutungslos werden? Lässt sich – im Gegenzug – erkennen, dass sich durch neue Technologien bei den Menschen auch neue kognitive Fähigkeiten herausbilden?

  • Handschrift wird weniger
    • oder noch besser die Schreibschrift wird weniger
      • Stimmt, die hab ich eh ganz verdrängt (wahrscheinlich gibt es deswegen demnächst Förderprogramme oder ähnlichen Mumpitz)
  • Multitaskingfähigkeit wird mehr
    • das ist ein Gerücht
      • Was meinst Du wie ich twitter? ;-)
  • Wissen wo man was findet statt auswendig lernen
  • bzw: Fragen, wo man was findet, statt es selbst zu wissen
    • wichtig dabei: Es einordnen können, mehrere Quellen anschaun.
  • durch ständige Kommunikation wird kleinteilig kommuniziert, dadurch wird es aber als ein Mehr ein Kommunikation wahrgenommen
    • Hm, weiss nicht. Es ist halt anders und man müsste definieren, was „Mehr“ heisst. Mehr Information? Mehr Bytes? Es hat sicherlich noch andere Auswirkungen, z.B. direkter Test, ob ein Argument hält.

Halten Sie es für sinnvoll, Medienkompetenz zusätzlich zu Lesen, Schreiben und Rechnen als vierte Kulturtechnik zu verstehen und unterrichten oder favorisieren sie ein integriertes Modell, dass Medienkompetenz als Querschnittsthema versteht und sich durch alle Lern- und Lebensbereiche zieht?

  • integriert, da es kein Werkzeug wie Lesen und Schreiben ist. Dazu gehört soziale Kompetenz/Netiquette, Verständnis der Technik,… 
  • eigentlich sind beide Alternativen dasselbe. Aber nur als Querschnitt denkbar
    • soso :-)
  • beides: es IST vierte Kulturtechnik und kann in allen Bereichen zur Anwendung kommen, da sehr viele Bereiche von Medientechnik profitieren, aber nicht alle gleichartig dafür geeignet sind; Medieneinsatz ist immer noch MITTELeinsatz
  • Es steht außer Frage, dass Medienkompetenz als eine wichtige Kulturtechnik anzusehen ist, wenn man von den Kompetenzen ausgeht, die alle Menschen aller Altersgrupopen benötigen, um sich in der Welt zu informieren, zu orientieren und ein Unterhaltungsangebot kompetent zu nutzen. Die Medienpädagogik trägt dieser Tatsache Rechnung, indem sie aktuell akzentuierter von „Medienbildung“ als von „Medienkompetenz“ spricht. „Bildung“ meint in diesem Zusammenhang Fähigkeiten und Prozesse, um sich zu der Welt und sich selbst reflexiv in Beziehung zu setzen (Marotzki). Inhaltlich heißt dies, sich in der Welt orientieren zu können, sich zu positiionieren und aktiv an einem demokratischen Gemeinwesen zu partizipieren. 
  • Besonders deutlich wird dieser Bildungsanspruch, wenn man in Rechnung stellt, dass Medienkompetenz – das ist empirisch gut abgesicherter Stand der Forschung – weitgehend in der Familie, der Freizeit sowie durch handlungorientiertes Lernen im Kontext der Peergruppe erworben wird. Medien werden – inhaltlich, technisch und kommunikativ-sozial – „angeeignet“, was für die die Vermittlung von Medienkompetenz von entscheidender Bedeutung ist. Schule – mit einem festgefügten Lehrplan/Curriculum oder Bildungsplänen – hat in der Medienkompetenzvermittlung schon immer eine untergeordnete Rolle gespielt,  weil Medienkompetenz praktisch, im Tun und in der Kommunikation erworben wird  (vergleichbar der Sprachentwicklung).Sie ist eingebettet in inhaltlich-thematische Vorlieben und soziales/kommunikatives Handeln und steht in enger Verbindung zu anderen sozialen und kognitiven Kompetenzen.

Die Etablierung von Medien als „Massenmedien“ hat immer verschiedenste Anforderungen mit sich gebracht. Mit der Entstehung der alphabetisierten Schrift und (später) des Buchdrucks wurde z.B. eine Alphabetisierung notwendig. Bei der Etablierung des Rundfunks hat man entsprechende technische Gerätschaften benötigt. Welche Anforderungen werden die internetbasierten Medien mit sich bringen (von den technischen Anforderungen einmal abgesehen)?

  • Es ist ersteinmal wichtig festzuhalten, dass das Internet zwar ein Massenmedium ist, aber anders als die Zeitung, das Radio und der Fernseher keine Massenöffentlichkeiten schafft, sondern cladestine Öffentlichkeiten. Ich denke die allerwichtigste Anforderung wird sein, den Menschen Lesen und Schreiben beizubringen, und zwar nicht nur für den Eigenbedarf, sondern für die gesellschaftliche Teilhabe. Knapp 4 Millionen funktionale Analphabeten (http://www.internet.fuer.alle.de/content/stories/index.cfm/aus.10/key.2948/secid.16/secid2.48/schrift.1) kann sich eine wissensgesellschaft nicht leisten. Der Zugang zum Internet wird bestimmt von Lesedurst und Informationsverarbeitungsdurst. Wenn Menschen keine 2 Sätze hintereinander schreiben können, werden sich sich trotz aller technischer Möglichkeiten nur rezeptiv mit den Angeboten auseinandersetzen.
  • Wie soll man das wissen? Anschaun, aufpassen und staunen..
  • Auch ist die Frage IMHO falschrum gestellt. Es war ja nicht so, dass man zuerst alphabetisiert hat und man dann erst den Buchdruck erfand. Das eine führte zwangsläufig zum anderen.
  • Das Internet reflektiert gesellschaftliche Entwicklungen, die ab den 1980er Jahren die Soziologie, allen voran Ulrich Beck,  Sennett, und Manuel Castells, aber auch viele andere beschrieben haben. Stichworte sind „Individualisierung“, „Flexibilisierung“ und „Globalisierung“. Auch unsere Medienkommunikation hat sich individualisiert, flexibilisiert und globalisiert. Für Nutzer (das sind Bürger) bedeutet das eine ungeheure Bereicherung und sehr viel stärkere Diversifizierung des Angebots. Die Lektüre der Tageszeitung und die tägliche Tagesschau allein genügen nicht mehr, um sich zu orientieren, vielmehr kommt der Kompetenz zur Selektion medialer Angebote, zur Beurteilung der Authentizität, zu Bewertung und Beurteilung eine größere Bedeutung zu. Damit wird die Gatekeeper- und die Orientierungsfunktion der klassischen Massenmedien teilweise entwertet. Die Selektion und Rezeption eines Informationsangebots, das für mich zielführend ist, wird die zentrale  Kompetenz einer Wissensgesellschaft: Welche Informationen/Nachrichten muss ich (regelmäßig) lesen? Welche Kanäle gibt es dafür (TV, Blogs, Onliezeitungen, …)? Welche Geräte werden neu entwickelt, und welche sollte ich nutzen, welche sind verzichtbar?  Wie informieren und orientieren wir uns in Zukunft? Welche wirtschaftlichen Interessen stehen z. B. hinter Google-News?

In welchen Bereichen bestehen strukturell Defizite für Bürgerinnen und Bürger, sich aktiv der für sie wertvollen internetbasierten Dienste selbstbestimmt zuzuwenden?

  • Angst vor dem Kontrollverlust der eigenen Privatsphäre ist ein sehr treibendes Moment, dass die Zugang zum Internet verhindert, siehe http://www.dotcomblog.de/?p=2054
  • Weiss nicht ob „Angst“ zu strukturellen Defiziten passt ;-) Aber wir haben ja durchaus eine Struktur, die zunächst Risiken betrachtet. Ansonsten fehlt es hauptsächlich an Bandbreite und dem Willen, Dinge auszuprobieren.
  • Unkenntnis, rasante Entwicklung der Medienlandschaft, Umwälzungen in den Massenmedien, Wegfallen der Gatekeeper-Funktion der Massenmedien, Mediennutzungsgewohnheiten, Traditionen, Angst vor Neuem, notwendiger Aufwand, um sich in neue Techniken einzuarbeiten, Mediennutzung im unmittelbaren sozialen Umfeld. Das größte Erschwernis für Bürger, die sich informieren wollen, liegt in der ungeheuren Vervielfältigung und Diversifizierung, die Kommunikation und Information mit dem Internet erfahren haben (vgl. meinen Beitrag zur letzten Frage).  Praktisch täglich entstehen neue Informationsdienstleistungen im Netz. Da diese zum allergrößten Teil privatwirtschaftlich-kommerziell gewinnorientiert funktionieren und es keine „Gesamtübersicht“ über  das Angebot gibt, fällt es selbst Bürgern, die politisch orientiert und informiert sein wollen, schwer, sich einen geeigneten Medienmix für ihr persönliches Orientierungsbedürfnis zusammenzustellen. Ein solcher Medienmix (bezogen nur auf politische Information) könnte z. B.bestehen aus: am Morgen der lokalen Tageszeitung,  einem Blick in die Email mitsamt einigen abonnierten Newsfeeds, ein Blick in Spiegel-online, am Abend die Tagesschau (vielleicht auch nur in 100 Sekunden am dem Handy), dazwischen einige ständig mitliaufende Tweets, die auf interessante Beiträge in Blogs hinweisen. All das kostet Zeit und Geld (z. B. für das mobile Internet auf tragbaren Endgeräten). Einges an Information ist sicher verzichtbar. Die große Frage ist aber: WAS????

Für welche der bestehenden Defizite existieren bislang keine adäquaten (qualitativ, räumlich, zielgruppengerecht etc.) Angebote?

  • Die Frage, wie geht man mit der im Internet herzustellenden Öffentlichkeit um, wird zur Zeit sehr selten beantwortet, und wenn dann mit der Warnung nicht zu viel von sich preiszugeben. Es geht jedoch im Internet nicht um die Person, sondern immer um das, was sie sagt bzw. schreibt. Im Bereich der Jugendbildung ist also die Frage, wie die pubertären Selbstfindungsprozesse mit Hilfe des Internets kompensiert und damit verarbeitet werden können.
  • Politik khat eine hohe Verantwortung bei der Gestaltung der Wissensgesellschaft. Insbesondere öffentliche Rechtsgüter müssen gestärkt werden gegenüber privatwirtschaftlichen Interessen. Beispiele: Unsichere Rechtslage bzgl. Urheberrechten: Rechte der Nutzer müssen gestärkt werden (Freiheit des Zugangs zu Information, Diskussion  um Kulturflatrate)
  • Förderung des Internetzugangs in ländlichen Räumen/Infrastruktur.
  • Förderung medienpädagogischer Qualifizierungsmaßnahmen vor Ort zur Vorbeugung eines Digital Divide, Ziel:  Medienbildung für alle Zielgruppen (Orientierung)

Gibt es strukturelle Defizite bei der Förderung von Medienkompetenz (Wissensmangel, Geldmangel, Kompetenzkonflikte) und wie könnten sie ggf. behoben werden? Empfiehlt es sich, ein lernfähiges System zu etablieren, das frühzeitig neuen Bedarf erkennen und möglichst adäquate Lösungen entwickeln hilft, und wie könnte es ggf. aussehen?

  • Ich empfehle keine allgemein gültigen Lösungen zu entwickeln. Führerscheine und Zertifikate bescheinigen keine Medienkompetenz, sie beschreiben eher einen Lernprozess der abschließbar ist. Letztendlich handelt es sich aber um die Fähigkeit auf die immer wieder neuen Herausforderungen reagieren zu können. Vor 10 Jahren wurde ein Computerführerschein etabliert, der bei den Jugendlichen heute ein leises schmunzeln auslöst. Es geht darum diese Kompetenzen mit den Lerneinrichtungen Schule und Co zu verschmelzen. Es kann nicht darum gehen Bedarfe frühzeitig zu erkennen, weil sie auf der Umsetzungsebene schon wieder veraltet sind, wenn sie benötigt werden.
  • Ein agiles System, dass sich den neuen Gegebenheiten anpasst, ist wohl zu befürworten. Das Internet ist ja auch noch nicht zu Ende entwickelt. 
  • Legt man die aktuellen Überlegungen der medienpädagogischen Fachdiskussion zugrunde, wonach Medienkompetenz nur als ein persönlicher Bildungsprozess („Medienbildung“) konzipiert werden kann, so ist ein „System“ zur Operationalisierung fragwürdig. Während schon allein das Kompetenzkonstrukt problematisch zu erfassen ist (vgl. Gapski), gilt dies noch mehr für Bildung  als einen unabgeschlossenen und unabschließbaren Prozess der reflexiven Orientierung. Die Frage verweist im Kern auf eine Debatte, die schon vor mehreren Jahren bei der Diskussion um „lernende Organisationen“ oder auch um das „Lebenslangen Lernen“ diskutiert wurde: Der Stand der eigenen „Bildung“ bemisst sich am Stand der „Bildung der gesamten Gesellschaft“. Beispiel. das Ausmaß, in dem ich selbst relativ neue Dienste wie Blogs, Youtube oder Twitter nutze, sagt nichts über meine Bildung aus. Entscheidend ist, ob die Nutzung persönlich zielführend ist und in ein förderndes soziales Umfeld eingebettet ist. Da all diese Techniken KOMMUNIKATIONstechniken sind. geschieht die Aneignung und Nutzung  immer gemeinschaftlich in einem sozialen Umfeld.

Wie definieren Sie die Begriffe Medienkompetenz und Medienbildung und welche Inhalte und Fähigkeiten sollten vermittelt werden? Plädieren Sie für ein bestimmtes Alter, ab dem mit der Vermittlung von Medienkompetenz begonnen werden sollte und auf welche Art und Weise sollte dies erfolgen?

  • Def nach Baacke, weiterführend siehe die Medienkompetenzartikel in der dt. Wikipedia. Inhalte ergeben sich aus dieser Definition: in erster Linie geht es darum, Medien als Kommunikationsinstrumente nutzen und verstehen zu lernen. Baacke wurde in der Folge weiter ausdifferenziert und die Definition um weitere Gesichtspunkte bereichert. http://de.wikipedia.org/wiki/Medienkompetenz
  • Bildung nach Marotzki: „Marotzki versteht unter Bildung und deren Reflexion in der Bildungstheorie: „Bildungstheorie  beschäftigt sich mit der zentralen reflexiven Verortung der Menschen in  der Welt, und zwar in einem zweifachen Sinne: zum einen hinsichtlich der  Bezüge, die er zu sich selbst entwickelt (Selbstreferenz) und zum  anderen hinsichtlich der Bezüge, die er auf die Welt entwickelt  (Weltreferenz). Bildung ist aus dieser Perspektive der Name für den  reflexiven Modus des menschlichen In-der-Welt-Seins.“ [1]  Die bildungstheoretischen Überlegungen werden von Marotzki in der  erziehungswissenschaftlichen Biographieforschung empirisch gehaltvoll  angewendet“ Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Winfried_Marotzki
  • zu beachten ist, wie schon mehrfach dargestellt, dass Bildung immer eine ganzheitliche Sicht auf die Person einschließt  und daher weiter gefasst ist als „Kompetenz“ (vgl dazu auch die Kontroverse Spanhel Schorb in den letzten Ausgaben von merz). Was allerdings auch die Schwierigkeit der Messung und Operationalisierung mit sich bringt.  Der Begriff der „humanistischen Bildung“ etwa prägte nachhaltig unser gymnasiales Bildungsverständnis seit mehr als hundert Jahren, ohne jemals wirklich messbar gewesen zu sein.

Wie beurteilen Sie die die aktuelle Medienkompetenzvermittlung in der Bundesrepublik? Findet sie ausreichend Berücksichtigung in Aus- und Fortbildung?  Werden die Angebote ausreichend koordiniert zwischen den verschiedenen Bildungsformen, zwischen einzelnen Anbietern, zwischen Bund, Ländern und Kommunen? Medienkompetenz wird durch andauernden Medienwandel zu einem kontinuierlichen und gesamtgesellschaftlichen Lernprozess. Was sollte die Politik tun, um diesen Lernprozess für alle zu ermöglichen?

  • sie sollte Querschnittsaufgabe und fokussiert auf altersgemäße Teile fester Bestandteil der grundständigen Schulbildung sein, koordiniert mit Inhalten anderer Schulfächer und die Möglichkeiten erweiterend
  • Aus- u. Fortbildung: nötig ist ein flächendeckendes Angebot und v.a. bei LehrerInnen die Breite des Angebotes einerseits und die Fokussierung auf praktikable Unterrichtsinhalte andererseits
  • Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Rahmenbedingungen gesellschaftlich;  rechtlich; staatlich / föderalistisch; (netz-)politisch; technisch;  wissenschaftlich; wirtschaftlich für erfolgreiche Medienkompetenzvermittlung?
  • Wie beurteilen Sie die Forschungslage auf dem Gebiet der Medienkompetenz und ihrer Vermittlung? Welche Forschungsvorhaben wären Ihres Erachtens noch nötig, um Handlungsempfehlungen für die Medienkompetenzvermittlung abzuleiten?
  • Der Prozess der Medienkompetenzförderung läuft weitgehend unkoordiniert ab. Das liegt an den unterschiedlichen Interessen  aller Beteiligten. Treibende Kräfte sind privatwirtschaftlich orientierte Unternehmen (Provider, Geräteentwicklern, Startups im Bereich der Internetdienstleistungen, etc.), Rundfunkanbieter, andere Content-Anbieter, Behörden, Schulen, Lehrern, Verbänden, außerschulische Bildungseinrichtungen und viele andere mehr. Politik pendelt zwischen einem Vertrauen auf den freien Markt und der Tendenz zu Regulierungen, die oftmals aus einem momentanen Handlungsbedarf entwickelt werden und unausgereift sind (Jugendschutz, Datenschutz). Die Vertretung der unterschiedlichen Akteure ist unterschiedlich  stark, viele Akteure können sich keinerlei Gehör in der öffentlichen Diskussion verschaffen. Politik hat das Internet als öffentlichen Raum, der ebenso geschützt wie durch geeignete Maßnahmen gefördert werden muss, noch nicht entdeckt. (Beispiel: Hätte man nach dem 2. Weltkrieg nicht nach dem Modell der BBC einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland etabliert, wie sähe da wohl die aktuelle Informations- und Unterhaltungslandschaft in Deutschland aus?)
  • Infrastrukturförderung wird halbherzig oder gar nicht betrieben. Beispiel dafür ist z. B. die Initative zur flächendeckenden Breitbandverkabelung. Während andere Länder sich ehrgezige Ziele einer flächendeckenden Grundversorgung mit 50 MBit setzen, wird die Grenze für Breitband in Deutschland herabgesetzt, um zu suggerieren, ländliche Räume wären vollständig mit Breitband versorgt, was überhaupt nicht der Fall ist.
  • ein weiteres Beispiel: projekte wie Schulen ans Netz haben noch lange nicht alle Schülerinnen und Schüler erreicht, wobei die Innovationsbereitschaft von Schulen und Lehrern stark variiert. Mir sind Hauptschulen bekannt, in denen noch mit Windows98-Rechnern und der entsprechenden Hardware gearbeitet wird. Etwa 3000 der 55000 Lehrer können als innovationsbereit und durch entsprechende Programme erreicht werden (Info auf der GMK-Tagung, Podium). Das zeigt, dass vielfach ein handlungsbedarf nicht erkannt wurde und es immer noch sehr einfach ist, sich Innovationen zu verweigern, sofern das eigene soziale Umfeld entsprechend innovationsfeindlich eingestellt ist und diese Haltung unterstützt. 
  • Was die Transmission geplanter politischer Weichenstellungen in die Schulen und die außerschulische Pädagogik hinein betrifft, hängt die Qualität der Ergebnisse (Medienkompetenzförderung) in sehr hohem Maß vom Einzelfall ab. Hier sollte die Politik vermeiden, Wege einzuschlagen, die sich schon bei der Bildungsdebatte der letzten Jahre ausgehend von der Pisa-Studie als wenig zielführend erwiesen haben: Probleme hier sind zentrale und ideologisch geprägte Vorgaben einzelner Bundesländer wie z. B. die Diskussion um Gesamtschulen vs. dreigliedriges Schulsystem. Solche Maßnahmen bringen den einzelnen Schülern nichts, sondern regulieren und reglementieren und machen das Bildungssystem intransparent und undurchlässig. Wichtiger hingegen für die Förderung der Medienkompetenz ist es, ein innovationsfreudiges Klima im Bildungssystem herzustellen und die einzelnen Initiativen einzelner Akteure im Bildungssystem (Lehrer, Sozialarbeiter, Direktoren etc.) zu fördern: durch die Inveistition in Infrastruktur, durch ein fehlertolerantes und innovationsfreundliches Klima, in dem pädagogische und didaktische Innovation gedeihen können, durch Geld und andere Gratifikationen.

II. Zielgruppen und Schutzbedürfnisse: Kinder und Jugendliche, Eltern und Familien, “Silver Surfer”

Welche Inhalte und Angebote im Internet übersteigen bei Kindern und Jugendlichen die Fähigkeit sich selbst zu schützen? Lässt sich dies auf einzelne Kategorien von Inhalten eingrenzen? Wie und in welcher Form kann dabei die Zusammenarbeit von Jugendschutz und Medienpädagogik verbessert werden?

  • Hängt das nicht generell vom sozialen Umfeld ab?
  • Da die Rezeption von Internetangebote weitestgehend im Pull-Verfahren abläuft, d.h. Nutzer ihre Inhalte selbst wählen, gehen die Ideen einer „Überforderung“ oder des „Schutzbedürfnis“ als zentralen Ansatzpunkt der Diskussion  an der Realität von  Medienbildung und Jugendschutz vorbei. Zetrales Anliegen sollte sein, Zielgruppen wie Kindern, Jugendlichen und Älteren Internetangebote zu erschließen, die für sie relevant sein können (Medeinbildung), die aber (aufgrund z. B. mangelnder Kompetenzen)  nicht gefunden und genutzt werden. Dies geschieht im realweltlichen Kontext, in der sozialen Interaktion, gemäß den  Interessen und Präferenzen der Zielgruppen.Hier ist im öffentlichen Bildungauftrag der Tendenz entgegenzuwirken, dass Internetseiten, die massiv beworben werden, weil sie kommerzielle Interessen dienen, die gesamte Aufmerksamkeit der Zielgruppen auf sich ziehen. Ich verweise auf meine Ausführungen oben zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Teile des Internets als „Bildungsmediem“ sind ein öffentliches Gut und müssen entsprechend staatlich gefördert werden. 

Bei jedem neuen Medium hat es Versuche von einzelnen Gruppen gegeben, die Gesamtheit davon auszuschließen und das Medium nur auf einen exklusiven Kreis zu beschränken – so z.B. im Mittelalter, wo sich das Schrifttum eine Zeit lang nur auf Vertreter des Klerus beschränkt hat. Sind solche Tendenzen auch bei den internetbasierten Techniken erkennbar?

  • Oh ja, die produktive Nutzung des Netzes nicht als Unterhaltungsmaschine, sondern als beteiligungsorientiertes Medium grenzt den Nutzer_innenkreis auf diejenigen ein, die in das Internet schreiben wollen und können
  • Kaum ;-) JMStV, Netzsperren, Netzneutralität, …
  • sicher: Diskussion um Netzneutralität. Dominanz kommerzieller Interessen gegenüber öffentlichem Interesse

Einmal von Kindern und Jugendlichen abgesehen – welche Personengruppen sollten vorrangig Ziel von Medienkompetenzvermittlung sein und warum? Welche Erfahrungen bei der Medienkompetenzvermittlung gibt es mit verschiedenen Zielgruppen?

  • Bei meiner Arbeit mit Erwachsenen stelle ich immer wieder fest, dass eine Horizonterweiterung vor allem im Bereich möglicher Betätigungsfelder nötig und für die Erwachsenen hilfreich ist. Dabei geht es nicht um ein weiteres Portal zur Informationsbeschaffung, sondern um z.B. die Nutzung von RSS-Readern, Plattformen wie Campact, Delicious. Also dort, wo in kleinen Happen Informationen ins Netz geschrieben werden. Überall dort, wo die Plattform eben auch Kulturraum ist, fangen Erwachsene an, die Weite des Internets zu verstehen.
  • Politiker

Wie schätzen Sie die präventive Wirkung von Medienkompetenzvermittlung im Hinblick auf Mediensucht bei Kindern/Jugendlichen und Erwachsenen ein?

  • zur Medienkompetenz gehört der kritische Umgang mit Medien und damit die Einschätzbarkeit von Gefahren, wie Online-Sucht; bevor von diesem Phänomen gesprochen werden kann, sollte aber von potentiellen Suchtstrukturen gesprochen werden, die sich AUCH in online-Sucht äußern können; deren Potential besteht in sozialen Faktoren, die unabhängig vom Medium Menschen in bestimmte Bahnen bringen; insofern ist Medienkompetenzvermittlung auch immer Arbeit und Bildung am und mit dem Menschen

Welche Verantwortung haben Medienanbieter gegenüber Nutzerinnen und Nutzern? Welche Art von Werberichtlinien sind für welche Alterszielgruppe sinnvoll? Wie bewerten sie Micropayment und Abomodelle im Hinblick auf Kinder und Jugendliche?  Halten Sie die Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung insbesondere in digitalen Medien für ausreichend? Sind Nutzungsbedingungen von Medienangeboten ausreichen verständlich gehalten? Wenn Sie eine stärkere Verantwortung von Medienanbietern für nötig erachten, wie soll diese erreicht werden? Reichen hier Selbstverpflichtungen der Anbieter aus oder müsste so etwas gesetzlich festgeschrieben und sanktionierbar werden?

  • Nutzungsbedingungen liest keiner. Da müsste man sich mal was anderes einfallen lassen.
  • So eine starke Verantwortung wie in Deutschland hat nirgends ein Anbieter. Noch mehr Regeln und wir haben keine Anbieter mehr (kann man eh an einer Hand abzählen).
  • Die Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung ist ein Modell aus der Zeit der Massenmedien, das dringend überarbeitungsbedürftig ist. Bei vielen Inhalten (Blogs) lässt sich sogar für kompetente Erwachsene kaum auf Anhieb unterscheiden, inwiewelt kommerzielle Interessen unerkannt in die Inhalte eingeflossen sind (vgl. den Skandal im Sommer 2009 um die Bahn, die über den Weg einer Agentur Promis für Blogbeiträge zugunsten der Bahn bezahlt hat.).  Der Weg der Wahl ist hier – neben einer freien und unabhängigen Presse – die Förderung von Medienbildung, denn die Hoffnung, die Trennung von Redaktion und Werbung auf das Internet übertragen zu können ist illusorisch.

III. Instrumente digitalen Lernens

Welche Komponenten der Medienkompetenz können durch Serious Gaming vermittelt werden? Wo besteht im Bereich des Serious Gaming noch Forschungsbedarf und welche Erkenntnisse beim Erfolg der Kompetenzvermittlung durch Serious Gaming können als gesichert angesehen werden?

  • Ich halte Serious Games für keine tragfähige Methode zur Vermittlung von Medienkompetenzen. Sie führen den Nutzer in einen simulierten Raum, der niemals die Wirklichkeit abbildet. Die Produktion solcher Simulationen sind darüber hinaus so teuer, dass die Gelder besser in die f2f Arbeit investiert werden können als in die Konstruktion einer Technik, die einen Lerngegenstand simulieren sollen.

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  1. Sehr gute Antworten, die aufzeigen, dass es nicht an Kompetenz mangelt. Die schleppende Beteiligung an der Enquete-Arbeit hängt aber damit zusammen, dass solche Texte im Nirwana irgendeiner Bundestagsdrucksache verschwinden und keine praktischen Auswirkungen haben werden. So lange der Bundestag und die Enquete bestenfalls daran interessiert sind, Sachverstand als Alibi abzurufen, kann man eine solche Beteiligung niemandem zumuten.