Interessieren netzaffine Themen nur 2% der Deutschen? - mrtopf.demrtopf.de

Interessieren netzaffine Themen nur 2% der Deutschen?

Manch einer ist ja dieser Tage enttäuscht, dass die Piraten nur knapp 2% bei der Wahl bekommen haben und manch Markus Beckedahl schliesst daraus:

Das deckt sich mit meinem Urteil, dass wir in Deutschland ein Wählerpotential von 2-4 Prozent für dieses Thema haben

Nun ist die Frage, wie man Wählerpotential definiert. Denn Fakt ist ja, dass die Piratenpartei derzeit thematisch recht eng aufgestellt ist. Ob dies so bleiben wird oder sollte, sei mal dahingestellt.

Die 2% der Piratenpartei (in Stimmen: 845.904, also fast 1 Million) bedeutet aber ja nur, dass man als Wähler alle anderen Themen aussen vor gelassen hat und daher die Piraten gewählt hat. Die Menge derjenigen, die dieses Thema zwar auch sehr wichtig, aber vielleicht nicht am wichtigsten finden, sollte demnach viel größer sein. Die 2% sind nur die Spitze des Eisberges. Es wäre noch interessant zu erfahren, ob man die Größe dieser Gruppe noch irgendwie beziffern könnte.

Und da verbirgt sich dann auch ein gewisses Wählerpotential, um das die etablierten Parteien streiten müssen. Die 2% sind ein Beginn, die Piratenpartei beginnt jetzt schon, sich auch anderen Themen zuzuwenden und die Gefahr für die etablierten Parteien wird demnach immer größer.

Auf der Wahlparty der Piraten in Aachen hiess es dazu auch, dass man sicherlich auch weitere Themen bearbeiten will und auch Vorschläge einbringen will, zu denen den anderen Parteien der Mut fehlt. Ob das so passiert bleibt sicherlich abzuwarten.

Fakt ist aber, dass die 2% der Piraten Auswirkungen auf die kommende Politik haben dürften. Dies zeigt auch schon, dass Angela Merkel die Piraten-Wähler ernst nimmt und von den Piraten lernen will:

Denn viele potentielle Piraten-Wähler haben vielleicht Grüne oder FDP (oder SPD) gewählt, d.h. wenn die FDP nun in bürgerrechtlichen Fragen einknickt, dann kann das bei der nächsten Wahl auch schon wieder anders aussehen.

Und es sei daran erinnert, dass die nächste Landtagswahl schon im Mai nächsten Jahres hier in NRW stattfinden wird.

Weiterhin wünschenswert wäre (und da stimmt auch so mancher Pirate mit mir überein), dass die Piraten sich jetzt nicht in ihrer Partei verkriechen sollten, sondern aktiv auf die Parteien im Bundestag zugehen sollten um dort beratend zur Seite zu stehen.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hi Christian,

    gute überlegungen. Ich teile übrigens Frank Rieger's (CCC-sprecher) Meinung, dass Liquid Democracy möglicherweise das wichtigste definitorische Thema für die Piratenpartei ist. Der Piratenkontext ist vermutlich genau der richtige, um eine Erneuerung der Demokratie, angefangen bei Parteienstrukturen, zu unternehmen. Ein Internet-bezogenes Motto könnte dann sein: "Nutzen statt bekämpfen" :)

    Da könnte ich mir jedenfalls gut vorstellen mitzumachen. an traditionallen parteienstrukturen bin ich wenig interessiert und möchte auch nicht die nächsten jahre mit der werbung dafür verbringen, ein paar personen in ein parlament zu bringen.

    grüßle, holger

  2. Ich denke auch, dass die folgenden Dinge am wichtigsten sind:

    – Mitmachen können (wo kann ich als Bürger ausserhalb von Wahlen bei Parteien und im Parlament Einfluss nehmen)
    – bessere Kommunikation (wie kann die Kommunikation Politiker <-> Bürger, aber auch Bürger-Bürger und Politiker-Politiker verbesser werden)
    – Modernisierung der Demokratie (hier mag Liquid Democracy reinspielen, wobei ich mich aber noch frage, ob das so direkt funktionieren kann. Hab aber noch nicht soviel dazu gelesen, werde ich nachholen)
    – Transparenz (wie bekomme ich als Bürger denselben Einblick wie als Abgeordneter. Beispiel: Live-Streams usw. von Ausschusssitzungen, detaillierte Erklärungen zu Themen)

    Das sind sicher alles Aspekte eines grossen Themas, aber diese Themen sehe ich im Moment nicht wirklich bei anderen Parteien als den Piraten diskutiert.

    Vielleicht sollten wir mal nen Podcast oder so dazu machen! :-)