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Das fressende System

Diskutiert man über Interessenvertretungen der Internetnutzer, wird schnell klar, dass es eigentlich eine andere Art von Politikbetrieb braucht, um das Netz entsprechend einzubinden. Viel offener muss es sein.

Wie man dieses Ziel erreicht, darüber aber scheiden sich die Geister und oft herrscht die Meinung vor, man könne das nur von innen aus dem System heraus tun. Darüber hatte ich schon viele Diskussionen mit den Piraten, aber auch mit manch einem in Berlin. Man könne nur wirklich etwas ändern, wenn man sich dem System anpasst und den Leuten dort begegnet, wo sie sind (heisst meist: Hinterzimmer), es geht nur mit meist sehr zugespitzten Kampagnen, Übertreibungen usw.

Doch dem ist nicht so. Denn wenn das System eines kann, dann ist es, sich selbst zu schützen. Es frisst seine Revolutionäre. Ist man erstmal drin, ist man schon Teil des Systems, hat es sich gemütlich eingerichtet und wieso dann eigentlich noch anstrengen, irgendwas zu ändern?

Ja, eigentlich fängt es schon viel früher an. Dann nämlich, wenn man erklärt, dass man das System nur von innen ändern könne. Dann hat es einen schon am Haken, man ist schon Teil des Systems und wird schlussendlich doch eher wenig ändern.

Es braucht Druck, nicht Kuscheln

Daher gilt: Ändern kann man nur durch Druck von aussen. Ändern kann man unser politisches System nur durch die Mittel des Internets, also schnelle Vernetzung, offene und transparente Diskussion, Partizipation der Masse. Nicht durch Hinterzimmer. Nicht durch Kampagnen. Nicht durch Kuscheln mit Politikern und den klassischen Lobbyisten (die haben im Zweifel auch mehr Geld und Manpower). Nicht wir müssen uns ändern, die müssen sich ändern!

Und es funktioniert ja auch, wie Netzsperren und JMStV gezeigt haben. Mehr noch: Politiker fragen mehr und mehr nach Ansprechpartnern aus der Netzszene. Wenn dem so ist, warum trifft man sich dann nicht zu eigenen Bedingungen? Wieso geht man stattdessen auf die Bedingungen des bestehenden Systems ein? Lasst sie online diskutieren, macht ihnen klar, dass es nicht DEN Ansprechpartner des Netzes gibt, so wie es DEN Ansprechpartner der Energieindustrie gibt.

Hier gilt es, Mut zu beweisen und nicht aus Angst davor, nachher gar nichts mehr sagen zu können, zurückzuschrecken. Denn wir haben das Netz, wir sind das Netz und die Politik sollte nicht uns, sondern wir sollten die Politik fressen!

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Gut gebrüllt, Löwe ;-). Allerdings sollte man (du / ich) den Kanalarbeitern nicht ihr Engagement absprechen. Die Strategien mögen unterschiedlich sein, können aber dennoch zum Erfolg beitragen. Auch beim JMStV-Widerstand (und auch hinsichtlich Zensursula) gab es sehr viele Ebenen der Kommunikation, nicht nur online und nicht nur öffentlich (Aua, nicht schlagen ;-) ). Ich stimme mit dir überein, dass die Wahl des Kommunkationsplatzes nicht einseitig bestimmt sein sollte und Netzaktive sich deutlicher behaupten sollten. Wer nicht zum Tisch kommt, kann nicht mitessen – das gilt allerdings für alle Tische im off und on.

    • Ich wollte damit auch nicht sagen, dass man im Hinterzimmer nichts erreichen kann. Das sieht man ja tagein tagaus, wie viel da geht. Es bleibt aber dabei, dass es dann nur die Ebene einer kleinen Elite ist.

      Mir ging es aber auch nicht um ein Einzelthema, sondern darum, wie man das System als solches mehr aufbricht. Und da hilft IMHO ein Mitmachen nicht, da man damit keinen Politiker zwingt, umzudenken. Und beim Dialog Internet muss ich mir wahrscheinlich auch an die eigene Nase fassen (was aber nicht heisst, dass in den Arbeitsgruppen viel passiert ist und ich die nicht etwas mit Öffentlichkeit genervt hätte).