Werbung und Blogs, das Thema

Ein Thema, das die deutsche Blogosphäre ja derzeit zu beschäftigen scheint, ist Werbung in Blogs. Als jemand, der bislang hauptsächlich im englischsprachigen Raum unterwegs war, wundert mich das dann allerdings doch ein wenig, schliesslich schien mir doch Werbung auf Webseiten im Prinzip als akzeptiert zu gelten (z.B. in Form von Google AdSense).

Der Stein des Anstosses oder der Freude (je nachdem, wen man fragt) ist Adical, ein Service, der sich speziell an Blogger richtet. Das Ziel ist laut Website, verschiedene Formen von Marketingkampagnen anzubieten, was wohl auch über normale Bannerwerbung hinausgehen soll (mehr ist allerdings nicht bekannt). Es kann allerdings nicht jedes Blog mitmachen, sondern es muss (so denke ich) eine gewisse Anzahl von Lesern vorliegen, damit es für Adical Sinn macht (eine genauere Definition dafür konnte ich aber nicht finden).
Eine erste Kampagne wurde auch schon gestartet, nämlich für Cisco. Sie kommt in Form von verschiedenen Bannern daher und ist z.B. bei Dobschats Weblog zu sehen, der anscheinend dafür auch etwas angefeindet worden ist und wo man ausserdem ein paar Kommentare dazu nachlesen kann.

Meine Meinung zu Adical ist nun eher neutral. Ich denke mal (und wie auch bei off the record angemerkt wurde), dass ohne die ganze Aufmerksamkeit im Vorfeld die Kampagne an sich eher überscrollt worden wäre. Auch scheinen mir die Banner etwas lange zu brauchen, bevor das Cisco-Logo zu sehen ist, bis dahin bin ich schon wer weiss wo im Blogtext ;-) (und generell nerven mich Banner innerhalb des Textes eher, vor allem, wenn man dann per Mausrad nicht weiterscrollen kann). Generell aber mag ich den Service an sich jetzt nicht verteufeln, auch wenn mir nicht ganz klar wird, was ihn von anderen Bannerwerbenetzwerken unterscheidet.

Werbung in Blogs mal generell gesehen

Eine Frage, die normalerweise aufkommt, ist, ob Werbung in Blogs denn ethisch zu vertreten ist und ob man denn nicht seine Seele verkauft (um es mal etwas überspitzt auszudrücken). Das nun sehe ich eigentlich nicht so, denn Bloggen ist ja nun auch Arbeit und einen guten Artikel zu schreiben, braucht seine Zeit für die Recherche und das Verfassen desselben. Dafür bezahlt zu werden, sehe ich daher eher als positiv und als Ansporn, mehr zu bloggen.

Es hängt vielleicht eher von der Art der Werbung ab, also ob es nun Bannerwerbung, AdSense oder was auch immer ist. Hier muss man auch immer eine Balance finden zwischen der Optimierung des Werberaums und der Lesbarkeit des Blogs selbst, also ob man mehr das Einkommen oder seine Leser (also im Prinzip den Inhalt) in den Vordergrund stellt. Dieses Thema alleine ist ja auch eine Wissenschaft für sich.

Ob man nun generell Werbung einsetzt oder nicht, ist einerseits eine Frage, ob sich das überhaupt lohnt bzgl. seiner Leserschaft und natürlich des persönlichen Bedarfs und der Einstellung. Und wenn man dann Werbung einsetzt, wäre die Frage, in welcher Form. Wie schon angedeutet, bin ich kein Freund von Werbung, die meinen Lesefluss unterbricht, während solche am Rand schon ok ist (allerdings hab ich glaub ich noch nie auf irgendetwas draufgeklickt. Aber wenn manche US-Blogger sich davon Häuser kaufen können, muss es ja anscheinend irgendwer tun).

Transparenz

Wichtiger als die Frage, ob man Werbung auf seinen Blogs einsetzt oder nicht, ist für mich die Frage der Transparenz. Hier will ich als Leser wissen, in welcher Beziehung der Autor z.B. zu einem rezensierten Produkt steht. Hat er das zu besprechende Produkt geschenkt bekommen oder nicht? Arbeitet er vielleicht sogar für die herstellende Firma? All dies sind Punkte, die ich wissen will, um mir meine Meinung über den Artikel bilden zu können. Das muss nicht heissen, dass die Rezension selbst schlecht wäre, setzt sie aber in den richtigen Kontext (in meinen persönlichen wohl).
Ein Beispiel für eine gute Darstellung der Beziehungen kann man übrigens bei Second Man, einer Second Life-Fashionsite sehen. Hier ist zum Kauf sicherlich noch der persönliche Eindruck des Kleidungsstücks ausschlaggebend, aber dennoch ist gut zu wissen, ob dieses Produkt geschenkt wurde, ob man ein Freund des Herstellers ist usw.
Solche Transparenz ist sicherlich bei mehr rezensionslastigen Blogs wichtig als jetzt bei persönlichen.

Kommentarspam

Ein hier hereinspielendes Thema ist wohl auch der Kommentarspam, also mehr unfreiwillige Werbung auf seinem Blog. In der deutschen Blogosphäre sehe ich mehr und mehr Hinweise unter den Kommentarfeldern, dass Werbung per Spam hier mal mehr, mal weniger kostet. Ich weiss ja nicht, inwieweit sich das durchsetzen lässt, aber warum moderiert man seine Kommentare nicht einfach. Wenn ich mir die Akismet-Statistik und das was durchkommt auf meinem englischen Blog anschaue, müsste ich eigentlich schon reich sein..

Das besondere Problem bei der im Moment aktuell disktuierten Kampagne von Calvin Klein (hier ein Beitrag von C onnectedMarketing) scheint ja auch eher darin zu bestehen, dass man hier der Öffentlichkeit Blogger vortäuscht, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt und die sich ihr Netzwerk aufbauen um damit eine gewisse Relevanz zu erlangen und dann ihre Werbung platzieren zu können.

Dieses Vorgehen ist ja nicht wirklich neu, denn schon so manche Aktion von Fake-Bloggern/Videobloggern wurde per YouTube und ähnlichen Services gestartet und meist (unter Werbern) heiss umjubelt.
Ich persönlich mag sowas nicht so wirklich (siehe oben: Transparenz) und ich habe auch das Gefühl, dass man hier das soziale Web nicht wirklich umfassend nutzt.
Es sind Einzelaktionen, aber sie gehen entweder nach hinten los (wobei zu fragen ist, wie die Gewinn/Verlust-Rechnung bei der Calvin Klein-Kampagne ist, also wie relevant die nörgelnden Blogger dafür sind) oder aber sie hat nur kurzfristige Effekte.

Eine sinnvollere Beschäftigung mit dem Thema wäre eher, sich als Firma bewusst in dieses Umfeld zu begeben und eine direktere Konversation mit seinen Kunden zu starten. Dies kann ja auch je nach Zielgruppe verschieden passieren. Dies würde sicherlich loyalere Kunden nach sich ziehen als solche, die dann später erfahren, dass man sie veräppelt hat.

Und mal genug..

Dies also mal als kleiner Beitrag zur aktuellen Werbediskussion in den deutschen Blogs. Ein Thema, das wohl sicherlich immer wieder hochkommen wird.

Was ist eure Meinung?

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