Norwegen: Offenheit, Deutschland: Vorratsdatenspeicherung

3 Tage ist es erst her, dass in Norwegen fast 100 Personen durch die Hand eines wohl rechtsextremistischen Täters gestorben sind. Eine schreckliche Tat, die Norwegen (und andere) in Schockzustand und ratlos zurücklässt und die man dort sogar mit dem 2. Weltkrieg vergleicht.

Reaktion Norwegen: Offenheit und Demokratie

Doch überraschend (zumindest aus deutscher Sicht) ist die Reaktion aus Norwegen, wo schon direkt nach der Tat bekräftigt wird, dass man eine offene Gesellschaft behalten will und nur noch mehr Demokratie die Antwort sein kann. So auch die Aussage der stellvertretenden norwegischen Botschafterin in Deutschland, Merete Kristin Wilhelmsen im Deutschlandfunk heute morgen (MP3):

DLF: Lässt sich schon absehen, ob dem Schock jetzt, der Wut, möglicherweise auch eine Forderung nach strengerer Überwachung von Extremisten folgen wird?

Wilhelmsen: Ich glaube das nicht, weil gegen solche Situationen oder solche Täter ist es sehr sehr schwierig für eine Gesellschaft, sich zu wehren. Da glaub ich, das muss man so eine Gesellschaft haben, in der es nicht so gut für Leute zu leben ist. Wir möchten sehr gern eine gute Gesellschaft haben, wo es gut zu leben ist und für diese wollen alle Politiker und Bürger in Norwegen kämpfen.

Norwegen hat daher meinen Respekt!

Reaktion Deutschland: Vorratsdatenspeicherung und Extremistendatei

Anders dagegen in Deutschland, hier sind sich die Innenpolitiker einig, mehr Demokratie und Offenheit is nich, stattdessen heisst es: Mehr Überwachung und mehr Vorratsdatenspeicherung:

In Deutschland haben die Anschläge in Norwegen eine Debatte über die innere Sicherheit ausgelöst. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Witthaut, verlangte, auffällige Personen in einer Datei zu speichern. Man müsse alles tun, um mitzubekommen, wenn jemand mit kruden Gedanken auffalle, sagte Witthaut der Zeitung „Die Welt“. Er verwies darauf, dass der mutmaßliche Attentäter in Norwegen vor der Tat im Internet mit extremen Äußerungen aufgefallen war. Der CSU-Innenpolitiker Uhl bekräftigte in der „Passauer Neuen Presse“ seine Forderung nach Einführung der Vorratsdatenspeicherung.

(Deutschlandfunk, Nachrichten, 25.7.2011)

Die Herren Innenpolitiker sollten verstehen, dass auch wir unserem Land Demokratie und Offenheit wahren sollten, nein: müssen! 150% Sicherheit gibt es nicht, wenn wir nicht in einem restriktiven Überwachungsstaat leben wollen. Und selbst dann werden sich solche Verbrechen nicht verhindern lassen. Auch wir sollten daher für Offenheit und Demokratie kämpfen, anstatt jede Chance zu nutzen, für noch mehr Überwachung zu werben. Denn wenn wir das tun, dann gewinnen die Terroristen, die Gesellschaft verliert!

Warum also spricht in Deutschland niemand von einer Gesellschaft, in der es gut zu leben ist? Wollen wir nicht dafür kämpfen? Umso mehr Respekt hat Norwegen für diese ersten Reaktionen!

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