Der 18. Sachverständige reicht eine Petition für mehr Transparenz und Beteiligung bei der Internet-Enquete ein!
by Christian Scholz on February 9, 2011
Kurz: Ich habe soeben eine Petition eingereicht, die die Durchsetzung von Punkt III. (Beteiligung) des Einsetzungsantrags des Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft fordert. Insbesondere also, die Einführung von Adhocracy, wie von der Enquete selbst beschlossen.
Hier der Wortlaut:
Wortlaut der Petition
Der Deutsche Bundestag möge beschließen, die Öffentlichkeit, wie mit dem Einsetzungsbeschluss vom 3.3.2010 beschlossen und im einstimmigen Beschluss der Enquete-Kommission vom 13.9.2010 genauer spezifiziert, in die Arbeit der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft einzubinden.
Begründung
Immer öfter wird in letzter Zeit klar: Bürger sind nicht politikverdrossen, sondern haben durchaus ein Interesse daran, am politischen Entscheidungsprozess mitzuwirken. Einmal alle 4 Jahre ein Kreuzchen machen, reicht ihnen nicht mehr. Dieses Anliegen wird z.B. bei der Debatte rund um Netzsperren und der zugehörigen Petition aus dem Jahr 2009 deutlich, man sieht es bei der großen Aufmerksamkeit der Schlichtung bei Stuttgart 21 und man sieht es in der Debatte rund um den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, der hauptsächlich durch per Internet vernetzte Bürger gekippt wurde.
Dies wurde auch im Bundestag erkannt und so wird unter Punkt “III. Beteiligung” des Einsetzungsantrags der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft Transparenz und Beteiligung gefordert.
Zunächst wurden ein Forum und ein Blog eingerichtet, doch dieses allein schafft noch keine Transparenz und Beteiligung, was vor allem daran liegt, dass die Enquete-Mitglieder dort so gut wie gar nicht aktiv sind. Zur kollaborativen Ausarbeitung von alternativen Textvorschlägen ist es zudem nicht geeignet ist.
Dem Bürger bleibt zudem komplett verborgen, was in den Projektgruppen, wo die eigentliche Arbeit gemacht wird, passiert. Es gibt keinen Überblick über die Diskussion und deren Argumente, es gibt keine Textvorschläge, die man bewerten oder zu denen man Alternativen einreichen könnte und es gibt keine Arbeitsmaterialien, Studien oder ähnliches, mit denen man sich selbst zu einem Thema informieren könnte.
Weiterhin ist unklar, was mit Inhalten geschieht, die Bürger beitragen. Werden diese überhaupt gelesen? Was waren gute Argumente, was schlechte und warum? Bekommt man kein Feedback, ist die Motivation schnell am Nullpunkt.
Dabei wird im Netz durchaus diskutiert, auch in Details, was in diversen Blogposts oder Etherpads zum Thema sichtbar ist. Ob diese Inhalte von der Enquete zur Kenntnis genommen werden oder aber Eingang in die Beratungen finden, ist aber wieder unklar.
All dies sollte durch ein entsprechendes Beteiligungskonzept gelöst werden, das am 13.9. von der Kommission einstimmig beschlossen wurde und aufgrund dessen die Obleute-Runde der Enquete sich am 30.9. für den Einsatz der Open Source-Tools Adhocracy entschieden hat, das Ende 2010 an den Start gehen sollte.
Dies wurde von der IuK-Kommission und vom Ältestenrat des Deutschen Bundestages mit Verweis auf die hohen Kosten gekippt. Dieses Argument ist schwer nachvollziehbar, handelt es sich bei Adhocracy um freie Software, deren Installation nicht viel Geld kosten sollte. Auch die Installation einer Adhocracy-Instanz durch die Netz-Gemeinschaft innerhalb eines Tages nach der Entscheidung zeigt dies.
Wir fordern daher den Bundestag und die Enquête-Kommission Internet und digitale Gesellschaft auf, den Punkt III. des Einsetzungsantrags und das Online-Beteiligungskonzept so schnell wie möglich umzusetzen. Die Kommission ist genau der richtige Ort, um mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung auszuprobieren.
Ich hoffe, dass dies nicht nur mein Anliegen ist (denn wir alle sind ja der 18. SV) und sie kräftig gezeichnet werden wird, sobald sie im System auftaucht. Sobald dies passiert, gebe ich Bescheid!
8 comments
[...] Der in Fachkreisen auch unter dem Pseudonym „der 18. Sachverständige“ bekannt gewordene Christian Scholz a.k.a @mrtopf hat im Rahmen des Petitionsverfahren des Deutschen Bundestages eine Online-Petition gestellt. Die Petition verfolgt das Ziel, das tool Adhocracy, das einzuführen von der Enquete erst kürzlich abgelehnt wurde, doch noch in die Arbeitsabläufe der Enquete zu integrieren. Zu seinen Beweggründen, die Petition zu stellen, bloggt mrtopf hier. [...]
by Der 18. Sachverständige fordert Transparenz und stellt Online-Petition » Petition, Bürger, Adhocracy, Enquete, Internet, Beteiligung » GrünDigital on 9.2.2011 at 18:48. #
thumbs up!
by Jens Best on 9.2.2011 at 19:40. #
Super, werde auf jeden Fall auch unterschreiben, wenn das im System auftaucht!
by Name (Required.) on 10.2.2011 at 02:41. #
[...] Petition für mehr Transparenz und Beteiligung bei der Internet-Enquete (mrtopf.de) – [...]
by Links anne Ruhr (10.02.2011) » Pottblog on 10.2.2011 at 07:26. #
Super! Werde auf jeden Fall mitzeichnen.
Danke für Deine Initiative!
by KhPape on 10.2.2011 at 10:35. #
Jau.
Kannst Du nicht gleich nen Miniformular aufsetzen wo Du die Mailadressen zum Benachrichtigen gleich sammeln kannst? :))
by Nicole Simon on 12.2.2011 at 17:55. #
Ja, wenn Gott Zeit regnen lässt, ich arbeite gerade mal meine anderen Baustellen ab ;-) Aber da der Hype um diesen Post eh jetzt gerade abgebbt ist, weiss ich nicht, ob das soviel noch bringt. Ich vertraue da eher auf Facebook und Twitter, wenn es soweit ist.
by Christian Scholz on 12.2.2011 at 22:14. #
[...] der Enquete zu integrieren. Zu seinen Beweggründen, die Petition zu stellen, bloggt mrtopf hier. Tweet Auf Facebook [...]
by Enquete debattiert in öffentlicher Sitzung über Adhocracy » Sitzung, Enquete-Kommission, Adhocracy, Beschluss, Anzahl, Plätze » GrünDigital on 14.2.2011 at 13:48. #