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Wie bürgernah ist die Piratenpartei?

by Christian Scholz on August 13, 2012

2012_08_11_pm_piraten_antwort

Nach meiner “Pressemitteilung” und dem nachfolgenden topftäglich zur Frage, wie bürgernah die Piraten denn eigentlich sind, entstand ja durchaus eine kleine Diskussion. Diese fand einerseits auf Twitter statt, sowie im Krähennest-Podcast, aber auch auf der Mailingliste der AG Öffentlichkeitsarbeit NRW.

Da nun Mailinglisten doch recht hohe Hürden haben, will ich das mal wieder in ins Social Web verlagern und blogge daher hier meine Antworten zu einigen Argumenten.

Deine Kritik mag für die Pressemitteilungen der Fraktion gelten, beim Landesverband wird aber nicht soviel gebasht, es wird mehr informiert und es werden auch Quellen verlinkt.

Das stimmt und hier muss ich meine Kritik zurücknehmen, was die 3 Punkte betrifft. Es bleibt trotzdem das Problem, dass Pressemitteilungen unpersönlich sind damit auch keine persönliche Verbindung zwischen Autor und Leser entsteht. Das mag in den Kommentaren dann passieren, ist aber ein Schritt mehr als meines Erachtens nötig.

Das ist ja jetzt nur Deine Meinung und wir wollen ja unsere Politik nicht auf eine einzelne Meinung abstimmen.

Ich habe ja nicht gefordert, dass die Piratenpartei mrtopf-näher werden sollte, sondern bürgernäher. Oder anders ausgedrückt: Ich weiss, wie ich an euch rankomme (aber auch an andere Parteien), ich habe da aber auch viel Arbeit reingesteckt. Was aber ist mit dem Rest? Wenn man nicht nur meine Meinung hören will, wieso fragt man nicht den Rest auch dazu?

Ironischerweise wird dann aber nicht ganz NRW zur Fraktion eingeladen, sondern nur ich. Gesprächsangebote schlage ich natürlich nicht aus, aber es bleibt bei solchen Gesprächen immer die Frage, wie denn die Aussenwelt mitbekommt, was wir da besprechen. Eine öffentliche Diskussion (und ein Aufruf dazu) auf dem Fraktionsblog wäre daher vielleicht sinnvoller.

Der größte Teil der Bevölkerung will gar nicht mitmachen

Natürlich sind die meisten Bürger politisch eher passiv. Wenn man Glück hat, gehen sie wählen. Natürlich werden die auch den Teufel tun und jetzt irgendwo mitmachen. Das sind immer und überall immer nur wenige.

Aber ich würde ja von einer Mitmach-Partei erwarten, dass sie es genau denen, die theoretisch mitmachen würden, es so einfach wie möglich macht, dies auch zu tun.

Man sagte mir, dass Pressemitteilungen das effizienteste PR-Werkzeug seien. Das stimmt natürlich, da die Presse-Maschine kostenlos zur Verfügung steht (da verlangt kein Verlag statt LSR mal einen Obulus für die Verbreitung von PMs?). Aber was ist der genaue Nutzen einer PM für eine Mitmach-Partei? Und was bleibt wirklich beim Empfänger hängen?

Man sagte mir auch, Social Media sei nicht effizient. Das aber kommt auf die Definition des Nutzens an. Will man einen persönlichen Draht zu Menschen aufbauen, nutzen einem Pressemitteilungen wenig, sind also in diesem Fall ineffizient. Aber es stimmt, der Aufwand für Social Media ist recht hoch. Aber Protokoll schreiben ist auch aufwändiger als kein Protokoll schreiben. Leute nach ihrer Meinung zu Fragen ist aufwändiger als sie nicht zu fragen. Mitmachen ist nicht einfach, auf beiden Seiten. Man kann aber darüber diskutieren, wie man es einfacher machen könnte. Und dazu wiederum könnte man aufrufen.

Der Bürger muss auch selbst mal ein bisschen Arbeit leisten

Das klassische Argument, das ich auch im Stadtrat höre. Es gäbe da eine Holschuld beim Bürger.

Aber auch hier ist die Frage für mich, was “Mitmach-Partei” heisst. Wenn ich will, dass Leute mitmachen, dann muss ich das so einfach wie möglich machen.

Als Firma mache ich meinen Kunden den Kauf meiner Produkte ja auch möglichst einfach (Ausnahme: Medienindustrie) und spreche nicht von einer Holschuld.

Will ich Menschen um mich versammeln, dann muss ich das eben so einfach wie möglich machen. Komplizierte Dinge nutzt keiner und auf Holschuld pfeift der Bürger auch. Der macht dann einfach nix, sondern meckert weiter vor sich hin, wie doof Politiker doch sind und geht im Zweifel nichtmal wählen.

Man kann nicht alles so organisieren, dass jegliche Information, die ein Bürger sich gerade wünscht, innerhalb von 20 Sekunden auf dem Bildschirm erscheint.

Sicher, aber man kann es sich trotzdem zum Ziel setzen. Dass das Wiki nun nicht so das beste Tool ist, Informationen einfach zu organisieren, wissen ja auch die Piraten. Die Hürde, dort mitzumachen, ist relativ gross (selbst für mich).

Von daher ist es schon ein Fortschritt, dass die Fraktion sich für ein Blog entschieden hat, wenn es leider auch noch am Inhalt etwas hapert. Ein Blog ist einerseits leicht zu befüllen, das Aktuelle steht automatisch oben, man kann es einfach nach Kategorien und Tags ordnen, ohne irgendeine seltsame Syntax kennen zu müssen und Kommentieren könnte einfacher nicht sein.

Allerdings arbeitet wohl die AG Basisarbeit daran, das alles im Hinblick auf Neupiraten besser zu gestalten (da auch die Basis aus Bürgern besteht, warum nicht umbenennen in AG Mitmachen?)

Grundsätzlichen Journalismus zu betreiben ist auch kaum die Kernaufgabe einer politischen Partei

Hier ging es um die Frage, wie viel man als Partei informieren sollte und ich würde sagen, dass die Grenze für eine Mitmach-Partei da nach oben offen ist.

Man muss doch generell erst einmal über das Thema aufklären, bevor man sich eine Meinung dazu bilden kann. Das gilt ja auch für Mitglieder. Aber das passiert ja auch in den Parteien. Es wird nur selten dokumentiert, so dass die, die nicht dabei waren, an diesem Wissen partizipieren können.

Das Hauptproblem sehe ich hier eher in der Organisation und Aufbereitung der Information. Das sollte schnell und einfach gehen und an diesem Ziel kann man wahrscheinlich immer arbeiten.

Und nu…?

Nun weiss ich immer noch nicht, woran ich bei den Piraten bin, würde mir aber wünschen, dass es da eine Gruppe gibt, die Informationen besser aufbereiten und persönlicher kommunizieren will. Weg vom Wiki, PMs verstecken, persönlich kommunizieren und mehr Call to Actions (“Hier mitdiskutieren”), wären ein Anfang. Gerade letzteres ist IMHO wichtig, denn meist brauchen die Menschen halt ein konkretes Projekt, wo sie mitmachen könnten und suchen nicht auf gut Glück mal unter dem Punkt “Mitmachen”.

Ansonsten ist schön, dass sich die SPD Aachen wohl aufgrund meines Beitrags auch gerade Gedanken über ihre Homepage macht (wie ich hörte). Vielleicht mag sie das ja auch öffentlich machen.

Ansonsten sollte dieser Post erstmal nur der Beantwortung dienen. Wem das zu unkonstruktiv ist, der mag vielleicht für grundsätzliche Ideen hier mal gucken. Weiteres folgt.